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OST – Für jede Lebenslage einen

Kavinsky & Lovefoxxxs „Nightcall“ beginnt mit einem Klicken (Münzeinwurf in der Telefonzelle), irgendwo heult ein Wolf. Das Freizeichen ertönt, und leitet schließlich die elektronischen Klänge des Titelsongs von DRIVE (US 2011, R: Nicolas Winding Refn) ein. Auf einem Zahnstocher kauend, den Blick auf die am Lenkrad befestigte Uhr gerichtet, sitzt der Driver am Steuer, cool, zuversichtlich und bereit für eine rasante Fluchtfahrt.

Genauso wie die – zugegebenermaßen ziemlich teeniehafte – ewige Sehnsucht nach Ryan Gosling ist auch der Soundtrack des Gangsterfilms von Winding Refn, den ich vor etwa fünf Jahren zum ersten Mal im Kino sah, zu einem Bestandteil meines alltäglichen Lebens geworden. Songs wie „Nightcall“, „A Real Hero“, „Tick of the Clock“ und auch das eher aus dem Rahmen fallende “Oh my Love” bilden meine Post-Workout-Playlist, bis heute. Es passt einfach, so stimmungsmäßig. Und während ich also seit etwa fünf Jahren bei jeder Stretching-Einheit Ryan Gosling auf einem Zahnstocher kauend am Steuer sitzen sehe, kehrte sich der Spieß kürzlich um, als ich DRIVE endlich mal wieder im Kino sehen konnte. Der Film begann, und versetzte mich gefühlt sofort in den Trainingsmodus.

Wenn mir ein Film gefällt, liegt das häufig auch am Soundtrack, dem OST, den ich mir anschließend gerne herunterlade und mindestens noch ein paar Mal anhöre. Man macht dabei großartige Entdeckungen: Musiker wie Beck („Everybody’s Gotta Learn Sometimes“ in ETERNAL SUNSHINE OF THE SPOTLESS MIND, US 2004, R: Michel Gondry) etwa, die Counting Crows („Colorblind“ in CRUEL INTENTIONS, US 1999, R: Roger Kumble), oder Jamie Cullum („Gran Torino“ im gleichnamigen Film von Clint Eastwood, US 2008). Manche lassen einen nie wieder los, andere begleiten einen durch eine bestimmte Lebensphase, erinnern einen an bestimmte Erlebnisse und Personen.

Nancy Sinatras „Bang Bang“ (KILL BILL VOL.1, US 2003, R: Quentin Tarantino) lief mal in Dauerschleife auf einer längst geendeten und doch noch nicht enden wollenden Party – viele Stunden, nachdem Santa Esmeralda mit „Don’t Let Me Be Misunderstood“ auf die Tanzfläche gelockt hatte. Noch ein Tarantino: Der PULP FICTION (US 1994) OST begleitete meine Freundin und mich auf unser Australienabenteuer, und INSIDE LLEWYN DAVIS (US/FR 2013, Ethan und Joel Coen) werde ich nie wieder ansehen können, ohne an Kistenpacken und Möbel aufbauen zu denken.

Manchmal geht es aber auch andersherum: Da ertönt ein Song, der längst zu den eigenen absoluten Lieblingen gehört, plötzlich im Soundtrack eines Kinofilms – und es fühlt sich an wie ein unerwünschter Einbruch in die eigene Musikwelt, ein dreister Diebstahl: Zach Braff bringt GARDEN STATE (US 2004) heraus, und plötzlich kennt und hört alle Welt The Shins. HERR LEHMANN (DE 2003 , R: Leander Haußmann) gefährdet in all seiner Unterhaltsamkeit einen der großartigsten Eels-Songs, „Novocaine For The Soul“, in den Mainstream zu schlittern. Oder kennen Sie diese Szene in DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI (DE 2004, R: Hans Weingartner), in der gerade die Welten aller Charaktere gleichzeitig zusammenbrechen? Jeff Buckleys „Hallelujah“ kommt hier mit hervorragender Wirkung zum Einsatz. Aber seit diesem Moment muss ich diesen wunderschönen Leonard-Cohen-Coversong des viel zu früh verstorbenen Sängers mit der breiten Öffentlichkeit teilen. Ein weiteres Mal erging es mir so, als Cat Powers „The Greatest“ in MY BLUEBERRY NIGHTS (HK, RC, FR 2007, R: Wong Kar-Wai) entzaubert wurde (…immerhin bekam die gute Chan Marshall dafür einen Auftritt im Film neben Jude Law). Wie wird es wohl einer ganzen Generation der 1970er Jahre ergangen sein, als dank TRAINSPOTTING (US 1996, R: Danny Boyle) Lou Reed mit „Perfect Day“ ein Comeback feierte? Da zum Beispiel gehörte dann wohl ich zu den Dieben guter Musik durch gute Filme…
 

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