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Ermittlungen: Anklage gegen Schubert-Witwe

Von Acht Jahre nach dem Tod des Frankfurter Ehrenbürgers Bruno H. Schubert erhebt die Frankfurter Staatsanwaltschaft Klage gegen seine Witwe. Der Vorwurf: Totschlag durch Unterlassen.
Meharit Schubert im Jahr 2013 beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Damals fiel die Entscheidung, dass sie tatsächlich Alleinerbin ist. Foto: Uli Deck (dpa) Meharit Schubert im Jahr 2013 beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Damals fiel die Entscheidung, dass sie tatsächlich Alleinerbin ist.
Frankfurt. 

Schon zum Ende seines Lebens, endgültig aber nach seinem Tod ist das Vermächtnis des Frankfurter Ehrenbürgers Bruno H. Schubert zu einem Schmierentheater verkommen. Aus dem einst stolzen Inhaber der Henninger-Brauerei, der mit den Millionen aus deren Verkauf zum großzügigen und geschätzten Mäzen aufstieg, war zum Ende ein alter Mann mit großer Leidenschaft für junge, schöne Frauen geworden. Die kam ihn teuer zu stehen – und kostete vielleicht sogar einen letzten Teil seines Lebens.

Das wird der nächste Akt dieses Dramas zeigen: Mehr als sieben Jahre nach seinem Tod im Oktober 2010 sollen sich die Witwe Meharit Schubert (35) und ein Frankfurter Anwalt (65), der früher als Generalbevollmächtigter Schuberts agierte, vor Gericht verantworten. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat gegen beide Anklage beim Landgericht erhoben, wobei der Vorwurf gegen die frühere Ehefrau „Totschlag durch Unterlassen“ lautet, der Anwalt soll dazu Beihilfe geleistet haben.

Völlig abgeschirmt

Nach einer jahrelangen Untersuchung glauben die Ermittler nun also zu wissen, was in den Tagen und Stunden vor Schuberts Tod geschah. Demnach haben die junge Ehefrau, die Schubert erst ein Jahr zuvor geheiratet hatte, und der Jurist seit Sommer 2009 alle wesentlichen Belange im Leben des 90-Jährigen kontrolliert. Dritter im Bunde war Schuberts Arzt, der inzwischen selbst verstorben ist. Mit ihm habe man sich in medizinischen Fragen abgestimmt, Schubert war zuletzt stark pflegebedürftig, litt an den Folgen einer Lungenentzündung.

Schon damals berichteten Vertraute, dass an Schubert persönlich nicht mehr heranzukommen wäre. Auch sein unehelicher Sohn, Hanns-Peter Nerger, wurde stets abgewiesen. Umso mehr misstraute er den Umständen rund um den Tod seines Vaters. Inzwischen teilt die Staatsanwaltschaft seinen Verdacht und wirft den beiden Angeklagten vor, den Kranken im Oktober 2010 nur unzureichend mit Flüssigkeit versorgt und ihm die Behandlung im Krankenhaus verweigert zu haben. Das hatte kurz vor dem Tod ein herbeigerufener Notarzt empfohlen: Schubert sei krank und dehydriert, zur besseren Versorgung solle man ihn in ein Krankenhaus verlegen.

Die Ehefrau entschied anders, der 90-Jährige solle zu Hause sterben. Damit missachtete sie seinen Willen, wie die Staatsanwaltschaft gestern öffentlich erklärte: Schubert hatte in einer Patientenverfügung ausdrücklich festgelegt, dass er im Notfall eine lebenserhaltende medizinische Behandlung haben wolle. Meharit Schubert machte sich als Ehefrau also strafbar, weil sie ihm den Zugang zu dieser Hilfe verweigerte, der mitbeschuldigte Generalbevollmächtigte hat sich nicht für Schuberts Interessen eingesetzt und auf diese Weise strafbar gemacht.

Wann und ob sich die beiden dafür wirklich verantworten müssen, ist trotz der Anklage-Erhebung noch offen: „Erstmal muss das Landgericht die Klage zulassen und dann ist die Frage, ob die Witwe tatsächlich kommt“, sagt Claus Vester, der Anwalt von Hanns Peter-Nerger. Denn Meharit Schubert, die eine eritreisch und eine belgische Staatsbürgerschaft besitzt, lebt mittlerweile als Unternehmerin in Äthiopien. Zum Verfahren vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts müsste sie persönlich erscheinen. Andernfalls würde ein Haftbefehl beantragt, bei der nächsten Reise nach Deutschland könnten die Handschellen klicken.

Pleite und Millionen

Es ist unter anderem der Verdienst von Vester und Nerger, dass die Staatsanwaltschaft den Vorwürfen nach zwei Jahren des Nichtstuns 2012 doch noch intensiver nachgegangen ist. Damals wurde der Leichnam exhumiert und untersucht, zudem gab es Bild- und Tonaufnahmen, die ausgewertet wurden. 2013 legte der Rechtsmediziner sein Gutachten vor: Dem Kranken waren starke Schmerzmittel verordnet worden, die in Zusammenwirken mit seiner Lungenerkrankung den Tod beschleunigt haben könnten. Gegen Schuberts Arzt war vor seinem Tod schon Anklage erhoben worden.

Nach 2010 haben die Gerichte schon oft mit dem Vermächtnis des Ehrenbürgers zu tun gehabt: Eine frühere Geliebte bekam eine Haftstrafe, weil sie teure Geschenke wie ein Haus und ein Auto angenommen, nie aber an die Schenkungssteuer gedacht hatte. Und die von Schubert und seiner ersten Frau Inge gegründete Schubert-Stiftung stritt mit der Witwe über drei Instanzen um das Erbe, das letztlich an sie ging. Offiziell hinterließ der frühere Millionär nur Schulden, das Insolvenzverfahren zum Nachlass läuft bis heute. Hinter vorgehaltener Hand wird allerdings bis heute darüber spekuliert, dass vor Schuberts Tod Millionenbeträge ins Ausland geschafft worden seien.

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