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Bahnhofsviertel: Besitzer des Heroinhauses gibt Stadt die Schuld

Von Die groß angelegte Drogenrazzia im Bahnhofsviertel sorgt weiter für Wirbel. Der Spielhallen-Unternehmer, in dessen Haus sich die Dealerbande eingenistet hatte, wehrt sich gegen Vorwürfe der Stadt. Schuld an den Zuständen in seiner Immobilie sei vor allem die benachbarte Drückerstube.
Haus Niddastrasse 51 Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Haus Niddastrasse 51
Frankfurt. 

Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) wählte deutliche Worte, als er die Zustände in der Niddastraße 51 kritisierte. Überbelegung, Dreck und Verwahrlosung bildeten einen „Nährboden für multikriminelle Menschen“, sagte er, als Polizei und Staatsanwaltschaft über ihren erfolgreichen Schlag gegen eine albanische Dealerbande berichteten. Vor zwei Wochen hatten Spezialkräfte das verspiegelte Eckhaus gestürmt und nahmen Mitglieder einer Bande albanischer Drogenhändler fest, die dort offenbar wohnten. Beschlagnahmt wurde Heroin, Kokain, Crack und Marihuana für mindestens 870 000 Euro.

Der Hauseigentümer ärgert sich über Franks Kritik. Er habe die Immobilie weder absichtlich verwahrlosen lassen, noch viel Geld damit verdient, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Er ist ein mittelständischer Unternehmer, der mehrere Spielhallen betreibt. In seinen Büroräumen in einem Frankfurter Gewerbegebiet legte er zahlreiche Handwerkerrechnungen, Fotos der renovierten Wohnungen und ein Wertgutachten vor. Die Dokumente sollen belegen, dass er sich regelmäßig um das 2009 gekaufte Gebäude gekümmert hat. Verantwortlich für die untragbaren Zustände in der Niddastraße sei vor allem die Stadt selbst, kontert der Hauseigentümer die Vorwürfe des Sicherheitsdezernenten.

Drückerstube als Nachbar

Sein Ärger richtet sich gegen die kommunale Drogenpolitik. Denn direkt neben dem Hauptquartier der nun aufgeflogenen Dealerbande befindet sich Frankfurts größte Drückerstube. Die Räume der Integrativen Drogenhilfe, in denen sich Abhängige Heorin spritzen können, wurden 2015 umfassend hergerichtet. In einer solchen Nachbarschaft sei es sehr schwierig, gute Mieter zu finden, meint der Unternehmer.

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Kommentar

Vielleicht ist der Eigentümer eines als Dealerhauptquartier enttarnten Wohnhauses nicht der passende Absender für scharfe Kritik an der Frankfurter Drogenpolitik.

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Die Nutzer dieses Konsumraums waren offenbar auch Kunden der Dealerbande. Denn Ausgangspunkt der monatelangen Ermittlungen sei der Rauschgifthandel „im Bereich der Drogenhilfseinrichtung Niddastraße“ gewesen, teilte die Polizei mit. Anwohner beobachten das kriminelle Treiben auf der Straße schon länger mit Sorge.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Dealer gezielt bei uns eingeschlichen haben, weil sie in die Nähe der Drogenhilfe wollten“, vermutet der Hauseigentümer. Die einzelnen Etagen habe er als „WG-geeignete“ Sechs-Zimmer-Wohnungen für neun bis elf Euro pro Quadratmeter vermietet. Dass sich die jeweiligen Hauptmieter dann Untermieter in die Wohnungen holten, war ausdrücklich erlaubt. Welche und wie viele Personen das waren, kontrollierte der Vermieter offenbar nicht.

Immer wieder hätten sich Drogenabhängige Zugang zum Wohnhaus verschafft, klagt der Unternehmer. Im Innenhof hätten sie Mülltonnen ausgeleert und durchwühlt, im Treppenhaus uriniert.

„Ablenkungsversuch“

Das für die städtische Drogenhilfe zuständige Gesundheitsdezernat wies die Kritik des Heroinhaus-Vermieters zurück. „Das ist ein durchsichtiger Versuch, davon abzulenken, dass sich dieser Eigentümer ganz offensichtlich nicht dafür interessiert hat oder dafür interessieren wollte, was in seiner Liegenschaft passiert“, teilt ein Sprecher des Dezernenten Stefan Majer (Grüne) mit. „Zugänge zu Häusern und Hinterhöfen entsprechend zu sichern, schaffen viele andere Eigentümer auch adäquat.“

Der Dezernatssprecher verweist außerdem darauf, dass trotz der Drogenhilfeeinrichtungen zahlreiche Immobilien im Bahnhofsviertel in den vergangenen Jahren aufgewertet wurden. Diese Gentrifizierung habe dazu beigetragen, dass sich die Drogenabhängigen an immer weniger Stellen im Viertel konzentrieren.

Genau an dieser Entwicklung stört sich allerdings auch der Eigentümer des Heroinhauses in der Niddastraße 51. Während wenige Straßenecken weiter Luxuswohnungen und schicke Bars entstanden sind, sammelten sich die Crack- und Heroin-Süchtigen vor seiner Haustür. „Wir sind hier die Müllhalde des Gutmenschentums.“

Eine Idee, wie es mit seinem Haus weitergehen könnte, hat der Firmenchef bereits. Die Hauptmietverträge für alle sechs Wohnetagen habe er nach dem Polizeieinsatz fristlos gekündigt. „Nun würden wir die Wohnungen gerne im Block vermieten – und zwar an die Stadt“, sagt er. Die könne dann sehen, wen sie darin unterbringt und sich selbst um bessere Zustände dort kümmern.

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