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Stadtrundgang zur Ausstellung: Blickfang und Augenfalle

Von Passend zur Ausstellung „Berührt – Verführt. Werbekampagnen, die Geschichte machten“ im Museum für Kommunikation erklärt der Werbedesigner Michael Frank bei Rundgängen in Frankfurt Plakate, Schilder, Aufkleber und Graffiti, die ins Auge springen.
Michael Frank zeigt verschiedenste Werbebotschaften bei seinen Stadtrundgängen – viele Plakate, Aufkleber, Graffiti, Mega-Lights, Nasenschilder und Litfaßsäulen suchen unsere Aufmerksamkeit. Foto: Holger Menzel Michael Frank zeigt verschiedenste Werbebotschaften bei seinen Stadtrundgängen – viele Plakate, Aufkleber, Graffiti, Mega-Lights, Nasenschilder und Litfaßsäulen suchen unsere Aufmerksamkeit.
Sachsenhausen/Bahnhofsviertel. 

Die Eintracht kämpft noch um den Klassenerhalt, doch die Frankfurter wollen schon wieder höher hinaus: Der Schriftzug „SGE“ prangt als stolzes Graffito an einer Häuserwand der Gutleutstraße, die Stadt wirbt gar mit der „Königsklasse“ und der „Championsleague“ – auch wenn sich diese sportliche Botschaft am Eingang zum früheren Postamt in der Bahnhofshalle auf das Historische Museum bezieht. „Museumswerbung und ein Stadtplan neben einer Arztreklame, das irritiert doch eher“, findet Michael Frank.

Der freie Werbedesigner muss es wissen: Zu Beginn des Rundgangs „Ein Plakat ist eine Fläche, die ins Auge springt! Eine Spurensuche im Frankfurter Stadtraum“ erklärt er auf der Untermainbrücke das Werbeplakat für die Wechselausstellung „Berührt – Verführt. Werbekampagnen, die Geschichte machten“ im Museum für Kommunikation. Hier begegnen sich Gottes- und Menschenhand in Michelangelos „Menschwerdung“ in bunten Regenbogenfarben. Daneben ist der Schriftzug „HAIFA“ zu erkennen. „Das sind klare Botschaften aus der Szene im öffentlichen Raum, die jeder sieht, aber nicht jeder versteht“, erklärt Frank.

Schnell entpuppt sich der zweistündige Rundgang vom Museumsufer über den Willy-Brandt-Platz zum Bahnhofsviertel auch als eine Führung des Verbotenen und Vergänglichen. „Gleich unter der Treppe zum Museum für Kommunikation ist noch ein Aufkleber von der Blockupy-Bewegung zu erkennen“, weist Frank die Teilnehmer auf einen verborgenen Werbeträger hin – er ist so gut versteckt, dass ihn vermutlich deshalb bislang niemand entfernen ließ.

Rund 4000 Plakate hängen laut Frank durchschnittlich in einer Großstadt wie Frankfurt. Doch sie sind jederzeit austauschbar, je nach Aktualität der Botschaft und Bestimmung der Werbefläche. Waren früher historische „Fernsprechzellen“ wie die vor dem Kommunikationsmuseum beliebte Werbeträger, so werben heute selbst an Bushaltestellen am Sachsenhäuser Ufer flexible Banner für „Fast Food“ und Modekaufhäuser. „Die Stadt und die Verkehrsgesellschaft wollen an den Werbeeinnahmen verdienen“, erklärt Frank. Und jeder Fahrgast schätzt einen Unterstand, wenn er wartet.

Doch die Geschichte der geschriebenen Botschaften beginnt nicht etwa auf Papier, sondern Stein. Frank verweist auf den Dom, der für seine Baukunst auch mit vielen Steinmetzzeichen wirbt. „Und im Stein des Straßburger Münsters verewigte sich sogar Goethe mit seinem Schriftzug.“ Jahrhundertealt ist auch die Tradition der sogenannten „Nasenschilder“, zu denen Wirtshausschilder ebenso zählen wie das „A“ an den Apotheken.

Nach der Betrachtung der Skyline, die Logos von Banken, Verkehrs- und Versicherungsunternehmen zieren, geht es weiter zum Willy-Brandt-Platz. Hier erklärt Frank die Geschichte der Litfaßsäule, einer Erfindung von Ernst Litfaß aus dem Jahr 1855: „Das war ein bedeutender Schritt auf dem Weg, die Außenwerbung zu reglementieren.“ Bis heute gibt es zahlreiche Vorschriften, darunter auch für die Schaufensterwerbung. Manche Städte verbieten Außenwerbung sogar völlig.

Als Sympathie- und Werbeträger für die Gemeinschaftswährung ist auch die Euro-Skulptur von Ottmar Hörl durchaus umstritten: „Die Europäische Zentralbank entschied, diese Leuchtreklame nicht mit an den neuen Standort zu nehmen.“ Ein gelungenes Beispiel für Werbung und Kunst ist laut Frank hingegen die Leuchtschrift „Mensch“, die Lenny Kahlke und Mirek Macke an der Weißfrauenkirche aus dem Namenszug des Kaufhauses Schneider schufen.

Das Bahnhofsviertel präsentiert sich als bunte Welt der Werbemöglichkeiten: Schriftzüge von Animierbars, die mit Kultlokalen des Pariser Nachtlebens werben, kontrastieren mit dem Design von Szenebars und Edelpizzerien, die sich mit dem Namen von Gangsterbossen wie Maxie Eisen oder Tony Montana schmücken. Hinzu kommen wilde Plakatflächen, die für das geschulte Auge die passende Platzierung der Botschaften vermissen lassen.

 

Weitere Rundgänge folgen am 26. Juni und am 24. Juli, jeweils um 11 Uhr. Info unter Telefon (069) 606 00. Die Teilnahme kostet 5 Euro.

 

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