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Das sind die Risiken der kleinen Flieger: Drohnen über Frankfurt: Die Gefahr aus der Luft

Drohnen waren ein Renner im Weihnachtsgeschäft. Die ferngesteuerten Flugobjekte können aber zu einer Gefahr für Leib und Leben werden. Die Zahl der Annäherungen zwischen Drohnen und Flugzeugen im Luftraum über Frankfurt ist zuletzt gestiegen. Und auch zum Absturz eines Multicopters beim Museumsuferfest kam es schon. Die Polizei hat das Phänomen im Blick.
Eine Drohne schwirrt am Holbeinsteg in Frankfurt durch die Luft. Ein ähnliches Fluggerät ist beim Museumsuferfest auf die Brücke gekracht. Foto: Felix Frieler (dpa) Eine Drohne schwirrt am Holbeinsteg in Frankfurt durch die Luft. Ein ähnliches Fluggerät ist beim Museumsuferfest auf die Brücke gekracht.
Frankfurt.  Drohnen waren ein Renner im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft. Wie viele der ferngesteuerten Flugobjekte verkauft wurden, weiß zwar niemand genau, bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) rechnete man vor dem Fest aber mit bundesweit etwa 100 000 Exemplaren. Experten gehen längst von mehreren 100 000 Drohnen in deutschen Haushalten aus. Mit der Zahl der Geräte, deren Gewicht und Leistungsfähigkeit steigen jedoch auch die Risiken – vor allem dann, wenn sich die Hobbypiloten nicht an die Regeln halten.

Wie die DFS in Langen auf Nachfrage mitteilt, ist die Zahl der gefährlichen Annäherungen von Drohnen an Flugzeuge und Hubschrauber zuletzt stark gestiegen: Im Jahr 2015 hatten bundesweit „nur“ 14 Piloten die Sichtung einer Drohne gemeldet, 2016 waren es schon 64. Im Luftraum über Frankfurt hat sich die Zahl der Drohnensichtungen im selben Zeitraum verachtfacht: von 2 im Jahr 2015 auf 16 im Folgejahr – damit kam ein Viertel der Meldungen des Jahres 2016 aus Frankfurt und Umgebung.

DFS-Sprecherin Ute Otterbein berichtet von einem Flugzeugpiloten, der im Dezember 2015 im Landeanflug über Frankfurt war und „eine große Drohne“ in einer Höhe von 7000 Fuß (gut 2,1 Kilometer) meldete. Das Beispiel zeige, in welche Höhen die ferngesteuerten Fluggeräte inzwischen aufsteigen können. Eine Gefahr für den Luftverkehr seien sie aber nicht nur hoch oben, sondern auch viel weiter unten im Start- und Landeanflug.

„Hochgefährlich“

Wachpolizisten bestreifen die Umgebung des Frankfurter Flughafens täglich, um dort mögliche Drohnenflüge zu unterbinden. Franz Thiemeyer, Leiter der hessischen Polizeifliegerstaffel, bezeichnet ferngesteuerte Flugobjekte am Airport als „hochgefährlich“. Wenn eine Drohne in ein Flugzeugtriebwerk gerate, könne das zu einer Explosion und einer echten „Luftnotlage“ führen. Eine Drohne, die den Heckrotor eines Hubschraubers treffe, könne diesen ganz zum Absturz bringen. Auch dass eine Drohne durch die Cockpitscheibe eines Flugzeugs krache und einen Piloten erschlage, sei denkbar.

Franz Thiemeyer, Leiter der Fliegerstaffel der Landespolizei, hält eine Drohne in den Händen. Er weist auf die Gefährlichkeit von Drohnenflügen an Flughäfen hin. Bild-Zoom
Franz Thiemeyer, Leiter der Fliegerstaffel der Landespolizei, hält eine Drohne in den Händen. Er weist auf die Gefährlichkeit von Drohnenflügen an Flughäfen hin.

Doch nicht nur am Flughafen, sondern auch mitten in der Stadt bringen Drohnen erhebliche Risiken mit sich. Das zeigte sich zum Beispiel beim Museumsuferfest 2015, als an einem Sonntagabend ein Multicopter abstürzte und auf die Untermainbrücke krachte. Der 52 Jahre alte Pilot aus Oberursel hatte die Kontrolle über das Gerät verloren, verletzt wurde zum Glück niemand. Der Copter war mit einer Kamera versehen, deren Aufnahmen auf ein Smartphone übertragen wurden.

Auf der Polizei-Pressekonferenz zum jüngsten Jahreswechsel am Frankfurter Mainufer sprach der Polizeipräsident Gerhard Bereswill das Thema Drohnen ausdrücklich an. Er erinnerte an das Verbot, damit Menschenmengen zu überfliegen und an die Strafe in Höhe von bis zu 50 000 Euro, die bei Verstößen droht. Die Polizisten, so kündigte Bereswill an, würden an Silvester „besonderes Augenmerk“ auf Personen mit Drohnen legen.

Aus Sicherheitskreisen ist zu hören, dass die Polizei auch über terroristische Szenarien mit Drohnen nachdenkt. Ein Szenario ist, dass die Flugobjekte gezielt über Menschenmengen in der Stadt oder einem Stadion zum Absturz gebracht werden. Ein anderes, dass sie zum Abwurf gefährlicher Gegenstände wie etwa einem Sprengsatz eingesetzt werden. Aus Sicht der Sicherheitsbehörden bräuchte es technische Möglichkeiten, die Kontrolle über eine fremde Drohne zu erlangen. Denn bei einem Abschuss besteht immer die Gefahr, dass das Flugobjekt auf Menschen stürzt.

„Ein ganz großes Thema“

Ute Otterbein von der DFS sagt, dass Drohnen in den vergangenen Monaten „ein ganz großes Thema“ geworden seien. Das Hauptproblem für die Fluglotsen sei, dass die ferngesteuerten Flugobjekte auf dem Radar nicht zu sehen sind. Die DFS plädiert dafür, dass Drohnen „sichtbar gemacht“ werden müssen, etwa durch den verpflichtenden Einbau spezieller Transponder. Zusammen mit der Telekom hat die DFS ein Forschungsprojekt gestartet. Dabei wird getetstet, ob Drohnen mit Hilfe eingebauter Chips und des Mobilfunknetzes geortet werden könnten.

Auch die Polizei vom Bund und den Ländern hat schon eine Arbeitsgruppe gebildet, um ein „Drohnen-Lagebild“ zu erstellen. Die Behörden haben Empfehlungen für den Gesetzentwurf ausgesprochen, der die Drohnennutzung neu regeln soll und zum Beispiel eine Kennzeichnung der Flugobjekte vorsieht. Der Entwurf könnte noch in diesem Jahr verabschiedet werden.

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