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Podiumsdiskussion: Ist das Frankfurter Bahnhofsviertel noch zu retten?

Die Situation im Bahnhofsviertel ist seit Monaten in der Diskussion. Im Haus am Dom äußerten sich nicht nur Experten, sondern auch Anwohner – und die haben viele Sorgen.
Eine Polizeikontrolle im Bahnhofsviertel: Anwohner fürchten aber nicht nur die Drogenszene im Quartier, sondern auch steigende Mieten. Foto: Bernd Kammerer (.) Eine Polizeikontrolle im Bahnhofsviertel: Anwohner fürchten aber nicht nur die Drogenszene im Quartier, sondern auch steigende Mieten.
Frankfurt. 

Der Saal im Haus am Dom ist voll besetzt. Männer und Frauen, Jugendliche und Senioren wollen hören, was Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU), der frühere Leiter Stabsstelle Sauberes Frankfurt Peter Postleb und Jürgen Mühlfeld, Leiter vom Diakoniezentrum Weser 5, über das Bahnhofsviertel zu sagen haben. Dabei wurde über Drogenhandel, Junkies, Obdachlose, Polizei, Müll und Wohnraum im Viertel gesprochen. Zynisches Gelächter, Applaus und Protest aus dem Publikum begleiten die Veranstaltung.

Frank bezeichnet das Viertel als „liebens- und lebenswert mit ganz eigenem Charakter, das die Internationalität der Stadt zeigt“. Auf die Frage, ob es denn Milieuschutz für das Viertel gebe, muss er passen, weiß nicht, ob es dafür einen Plan gibt. Milieuschutz bezieht sich nicht auf Rotlicht, sondern schützt vor Spekulanten. Als „scheinheilig“ bezeichnet das ein Bürger. „Die Mieten steigen immer weiter, wir werden verdrängt und niemand tut etwas dagegen“, klagt er.

Szene „dezentralisieren“

Frank lobt den Einsatz der Polizei und fordert mehr Zusammenhalt unter den Bürgern. „Die Politik kann nicht auf Knopfdruck Dinge verbessern“, meint er und spielt damit auf soziale Projekte an, auf die Hilfsangebote für Bedürftige und Drogenkranke. Postleb kontert, fordert Druck und sagt: „Wer da wohnt oder arbeitet, hat die Arschkarte gezogen.“ Die Besucher raunen, widersprechen. Postleb kritisiert, dass aus Kostengründen vor Drückerstuben nicht mehr nassgereinigt werde und möchte die Drogenszene am liebsten „dezentralisieren“. Eine Frau wirft ein, dass der Uringeruch verschwinden würde, wenn es genügend Toiletten geben würde, außerdem sozialen Wohnungsbau und mehr Hilfe für die Drogenkonsumenten.

Mühlfeld kümmert sich seit eineinhalb Jahren um Obdachlose, hat 15 Jahre lang als Streetworker im Ostend gearbeitet. Er weist darauf hin, dass die Konzentration Drogenabhängiger und Obdachloser daher entstehe, dass das Viertel für sie schrumpfe, seit die Gentrifizierung und vermehrte Kontrollen liefen. „Auch sie sind Bürger, müssen sich bewegen können. In unserer Tagesstätte für Wohnungslose kamen heute mehr als 200 Menschen. Es war so eng, dass viele im Stehen essen mussten.“

Man muss damit rechnen

Mühlfeld möchte, dass auch sie als Akteure gesehen werden und nicht als Problem oder Gefahr. Polizei und Sozialarbeiter würden eng kooperieren, das liefe gut. „Die Hoffnung neuer Bewohner sei, keine Drogenleute vor der Tür zu haben. Sie wissen aber, wohin sie ziehen und sollten daher damit rechnen.“ Er ist zudem der Meinung, dass die polizeilichen Maßnahmen nicht verschärft werden müssten. Er sei sich mit anderen Sozialarbeitern einig, dass man stattdessen die Szene stärker in den Blick nehmen müsse. Das Publikum applaudiert. Gefragt wird er, warum die evangelische Kirche als größter Immobilienbesitzer nicht Wohnungen baut für Obdachlose und Abhängige. Mühlfeld kann aber nicht helfen. Er sei da der falsche Ansprechpartner.

Eine Frau sagt wütend: „Bei den steigenden Mieten erledigt sich das Bahnhofsviertel innerhalb von zehn Jahren von selbst.“ Andere Bewohner lieben ihre Viertel nach wie vor. „Seit 70 Jahren lebe ich hier. Es ist nicht besser oder schlechter geworden. Nur anders“, sagt einer. Ein anderer erntet Applaus mit der Aussage: „Im Bahnhofsviertel gibt es nichts zu retten. Das Viertel brummt, Hotels und Geschäfte funktionieren.“

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