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Pilotprojekt untersucht den Einfluss von Museumsbesuchen: Kreativität contra Demenz

Von Kann Kunst das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz steigern? Dieser Frage widmeten sich ein Team aus Wissenschaftlern der Goethe-Universität und Mitarbeitern des Städel-Museums im Artemis-Projekt. Es wurde zum Auftakt der Aktionswochen „Älterwerden in Frankfurt“ vorgestellt.
Die Psychologen Valentina Tesky-Ibeli (l.) und Arthur Schall laufen gemeinsam mit Chantal Eschenfelder und Prof. Johannes Pantel durch die Ausstellung.	F:ham Foto: L.Hamerski Die Psychologen Valentina Tesky-Ibeli (l.) und Arthur Schall laufen gemeinsam mit Chantal Eschenfelder und Prof. Johannes Pantel durch die Ausstellung. F:ham
Dornbusch. 

„Auf den ersten Blick“, erzählt Diplom Psychologin Dr. Valentina Tesky-Ibeli, „unterschied sich die Gruppe, die sich an einem Nachmittag vor einiger Zeit im Städel traf, nicht von den anderen Museumsbesuchern.“ Und doch sei diese Gruppe etwas Besonderes, denn die Hälfte der Menschen ist an Demenz erkrankt. Sie wurden beim Museumsbesuch von jeweils einem Angehörigen begleitet. Der Besuch im Städel-Museum ist Grundlage einer Studie, die Tesky-Ibeli mit begleitet.

Kunst und Gefühle

„Artemis“ heißt das im Jahr 2014 initiierte Projekt, das in Zusammenarbeit zwischen dem Arbeitsbereich Altersmedizin am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität und dem Städel-Museum organisiert wurde. Es widmet sich den Fragen, ob Kunst das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz steigern und die Kommunikation mit ihren Angehörigen verbessern kann? Es ist bundesweit die erste Studie, die wissenschaftlich untersucht, welchen Einfluss Museumsbesuche und kreatives Arbeiten auf das emotionale Befinden von Menschen mit Demenz haben. Hierfür wurden den Teilnehmern vor und nach dem Museumsbesuch Fragen gestellt. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet. Finanziert wird die auf zwei Jahre angelegte Pilotstudie durch die Familie Schambach-Stiftung.

90 Personen, je zur Hälfte Betroffene und Angehörige, haben sich an der Studie beteiligt. In Gruppen haben sie das Städel-Museum besucht, insgesamt sechs Termine gab es. Der Aufenthalt war aufgeteilt in eine rund einstündige, thematische Führung mit anschließender kreativer Atelierarbeit. Die Ergebnisse der künstlerischen Auseinandersetzung der Teilnehmer ist aktuell in einer Ausstellung im Rathaus für Senioren in der Hansaallee 150 (Dornbusch) zu sehen. Die Eröffnung ist der Auftakt der Aktionswochen „Älterwerden in Frankfurt“, die bis zum 17. Juli laufen.

„Zielgruppe der Studie sind Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz und deren Angehörigen“, erläutert Professor Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereiches Altersmedizin an der Goethe-Universität. Er leitet das Projekt. „Rund 16 000 Menschen in Frankfurt sind an Demenz erkrankt“, sagt er. „Dies ist aber nur eine Schätzung, genaue Zahlen gibt es nicht.“ Im Hinblick auf den demografischen Wandel sei zu erwarten, dass die Zahl in den kommenden Jahren weiter steigen werde.

Idee aus den USA

Die Initiative für das Projekt geht zurück auf den Diplom-Psychologen Arthur Schall, der auch Kunstgeschichte studiert hat und über das Thema promoviert. „Die Idee kommt aus New York vom Museum of Modern Art“, erzählt er anlässlich der Ausstellungseröffnung. Dort gebe es thematische Gruppenführungen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, jedoch ohne eine anschließende Möglichkeit einer eigenen künstlerischen Auseinandersetzung wie im Frankfurter Projekt. „Wir möchten in diesem Projekt Menschen mit Demenz und ihren durch die Pflege belasteten Angehörigen ein Stück gesellschaftliche Teilhabe und soziale Integration ermöglichen“, erläutert Schall.

Im Artemis-Projekt stand an jedem Termin ein anderes Thema im Mittelpunkt. „Begonnen haben wir mit dem Thema Frankfurt am Main, haben hierzu etwa Bilder von Max Beckmann und Gustave Courbet angesehen“, sagt Schall. Im Anschluss haben die Teilnehmer im Atelier Collagen angefertigt, bekamen Ausdrucke mit Frankfurt-Motiven aus alter Zeit und aus der Gegenwart. Das kreative Arbeiten ist so konzipiert, dass der an Demenz erkrankte Mensch und sein Begleiter miteinander in einen kreativen Austausch treten können, was ein gemeinsames Erleben, eine gemeinsame Erinnerung schafft. Es ist ein emotionaler Zugang, der für beide Seiten eröffnet wird.

Weitere Themen waren Familie und Kinder, Stillleben, (Selbst-)Porträts, die Farbe Blau und Abstraktion. Jedes Mal arbeiteten die Teilnehmer auch in anderen Techniken etwa mit Acryl und Ton. „Über Musik etwa haben wir versucht einen Zugang zum Thema abstrakt zu schaffen“, erklärt Schall.

Das Städel-Museum ließ sich sofort für das Projekt begeistern. Die Institution hat zuvor bereits positive Erfahrungen mit Kunstangeboten für krebskranke Menschen gemacht. Die Erfahrungen aus dem Artemis-Projekt, für das die beteiligten Städel-Mitarbeiter geschult wurden, sollen in die Arbeit der Kunstvermittlung einfließen. „Wir möchten das Angebot auch außerhalb des Projekts fortsetzen“, sagt Dr. Chantal Eschenfelder, Leiterin Bildung und Vermittlung am Städel.

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