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Integration: Masood Afghan hat Angst vor Abschiebung

Masood Afghan floh vor zwei Jahren von Afghanistan nach Frankfurt. Er möchte sich zwar integrieren, doch stattdessen treibt den 23-Jährigen im Moment mehr die Angst um, dass er abgeschoben wird.
Grundsätzlich fühlt sich Masood Afghan wohl in Frankfurt. Er absolviert einen Bundesfreiwilligendienst. Dennoch hat er Angst, dass er abgeschoben werden könnte. Foto: Leonhard Hamerski Grundsätzlich fühlt sich Masood Afghan wohl in Frankfurt. Er absolviert einen Bundesfreiwilligendienst. Dennoch hat er Angst, dass er abgeschoben werden könnte.
Dornbusch. 

Masood Afghan hat Angst. Angst davor, dass er im nächsten Flugzeug sitzen könnte, das abgelehnte Asylbewerber aus Afghanistan zurückbringt. Erst am vergangenen Mittwoch war eine Maschine mit 27 Flüchtlingen an Bord von Frankfurt nach Kabul geflogen – in eine unsichere Zukunft. Ein ähnliches Schicksal will Afghan auf jeden Fall vermeiden. Er will sich eine Zukunft in Deutschland aufbauen.

Erste Schritte dazu unternimmt der 23-Jährige, der im Dezember 2015 nach Frankfurt gekommen ist, an der Freien Waldorfschule am Dornbusch. Dort absolviert er im Moment seinen Bundesfreiwilligendienst.

Die Bilder, die Erlebnisse auf der Flucht jedoch wird er nie vergessen. „Es war schlimm“, sagt er und macht eine Pause. Und dann kommen sie wieder hoch die schrecklichen Bilder. Menschen sind keine mehr zu sehen. Nur ein schwarzes Schlauchboot liegt allein am griechischen Strand. „48 Menschen waren darauf, Männer, Frauen, Familien“, sagt Masood Afghan und deutet auf den platten Bug des von der Überfahrt gezeichneten Bootes, das auf einem Bild zu sehen ist. Der 23-Jährige zeigt bewusst auch die erschütternden Bilder seiner Flucht.

Nicht mehr sicher

Seine Heimat sei für ihn nicht mehr sicher gewesen. Die Gewaltakte der Taliban, die ihn auch persönlich bedrohten, hätte sich gehäuft. Nach einem Anschlag auf ein staatliches Gebäude, nur wenige Meter von seinem damaligen Arbeitsplatz als Sicherheitsmann entfernt, habe er sich entschlossen, nach Deutschland aufzubrechen. „Mein Leben war in Gefahr, ich konnte dort nicht mehr bleiben. Aber in Deutschland ist es sicher“, sagt Afghan.

Dort angekommen, sei er beeindruckt gewesen von der Hilfsbereitschaft der Menschen. „Für mich war alles neu und ich war froh, aber na ja“, unterbricht Afghan und redet noch ruhiger und bedachter als ohnehin schon. Denn es sei anders gekommen, als er es sich erhofft habe. Grauer Alltag in der Flüchtlingsunterkunft und sein abgelehnter Asylantrag hätten ihm „schlechte Gedanken“ bereitet und die Ankunft in Deutschland erschwert.

Dabei wolle er sich integrieren, er habe sogar beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge um einen Integrationskurs gebeten, erzählt er. Sein Antrag sei aber abgelehnt worden, da er Afghane sei und die ohnehin keine Bleibeperspektive hätten. Doch er gab nicht auf und kämpfte um seinen Platz in der Gesellschaft. „Ich habe jeden Tag Deutsch gelernt und meine Hausaufgaben gemacht. Beschäftigung hilft eben gegen die Gedanken“, sagt der 23-Jährige aus voller Überzeugung.

Studium zurückgestellt

Eigenständig habe er sich deshalb Aufgaben gesucht. Zunächst half er in der Küche der Flüchtlingsunterkunft aus. Als er immer besser Deutsch konnte, half er anderen Geflüchteten indem er Briefe übersetzte oder sie zu Behörden begleitete. „Ich habe mir gedacht, ich habe so viel Hilfe bekommen, jetzt möchte ich selber helfen.“ Mit der Unterstützung von Bekannten bekam er eine Aushilfsstelle in einem Seniorenheim und konnte sogar den Integrationskurs absolvieren. Nun leistet er den Bundesfreiwilligendienst an der Freien Waldorfschule und betreut nebenbei noch einen geistig behinderten Jungen in seinem Alter. Seinen großen Wunsch, sein in Afghanistan begonnenes Studium der Informationstechnik zu beenden, lässt er seitdem ruhen und verschreibt sich der Arbeit „für Menschen“, wie er sagt.

Doch das sei gar nicht so einfach. Wehmütig berichtet er von zahlreichen erfolglosen Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz und wie ihn die Absagen wegen seines unsicheren Aufenthaltsstatus bedrücken. Aber er wisse auch, dass er mit seiner Angst vor der Abschiebung nicht alleine sei. Sein Appell richtet sich deshalb direkt an die Regierung: „Es gibt kein sicheres Afghanistan. Erlauben Sie uns hier zu bleiben und uns zu integrieren.“

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