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Zum Firmenjubiläum Paar Halbschuhe der Größe 75 gefertigt: Schuhmacherei Lenz: Rekordverdächtige Schuhe

Von Zum 75-jährigen Bestehen der Schuhmacherei Lenz präsentieren die Inhaber Jürgen Dohn und sein Sohn Alexander das größte Paar tragbare Schuhe der Welt. Sie sollen am 6. Dezember für einen guten Zweck versteigert werden.
Alle Hände voll zu tun hatte Alexander Dohn, um die Rekordschuhe der Größe 75 anzufertigen. 15 Monate lang waren er und sein Vater Jürgen, Inhaber der Schumacherei Lenz, beschäftigt. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Alle Hände voll zu tun hatte Alexander Dohn, um die Rekordschuhe der Größe 75 anzufertigen. 15 Monate lang waren er und sein Vater Jürgen, Inhaber der Schumacherei Lenz, beschäftigt.
Bahnhofsviertel. 

Bislang besitzt der 2,21 Meter große Venezolaner Jeison Rodriguez mit der Konfektionsgröße 66 das größte tragbare Paar Schuhe der Welt. Doch nun bekommt er ernsthafte Konkurrenz: „Neben prominenten Kunden wie Hannelore Elsner hat nun der Riese Rübezahl hier persönlich seine Bestellung aufgegeben“, scherzt Ulrich Mattner, der Vorsitzende des Gewerbevereins im Bahnhofsviertel.

Denn gemeinsam mit seinem Sohn Alexander hat Jürgen Dohn, Schuhmachermeister und Inhaber der Schuhmacherei Lenz, pünktlich zum Geschäftsjubiläum den Rekordschuh von Jeison Rodriguez überboten. „Die Idee kam mir noch während meiner Lehrzeit, als ich für einen Kumpel ein Paar Maßschuhe in der Größe 50 anfertigen sollte“, berichtet Alexander Dohn. Da die Schuhmacherei Lenz vor 75 Jahren eröffnet wurde, war die passende Größe schnell gefunden. Einziges Problem: Ein Kunde, der Größe 75 tragen könnte, müsste erst noch geboren werden. „Denn der müsste dann im Verhältnis eine Körpergröße von 2,95 Meter bis 3 Meter haben“, rechnet Alexander Dohn vor.

Wer auch immer dieses rotbraune Paar Riesenschuhe erwerben wird, er wird auf jeden Fall einen guten Zweck unterstützen: „Denn wir werden diese Schuhe zugunsten der Weißfrauenschule versteigern“, erklärt Jürgen Dorn. Vorgesehen ist dafür eine Versteigerung am Nikolaustag, dem 6. Dezember. Neuer Besitzer könnte eine Firma aus der Branche sein, so wie die Ledergroßhandelsgeschäfte Brinkmann und Emrich oder die Gerberei Martin, die die Herstellung des Riesenpaars mit Materialspenden unterstützten. Oder auch das Offenbacher Ledermuseum, da sind die Jubilare ganz offen.

15 Monate Arbeitszeit

Die Entwicklungszeit und Montage für die Riesenschuhe dauerte insgesamt 15 Monate. „Schon den Leisten mussten wir bei dieser Größe aus zwei Holzteilen zusammenbauen“, sagt Alexander Dohn. Insgesamt verarbeiteten Vater und Sohn über zwölf Kilogramm Boden-, Ober- und Futterleder sowie über 100 Meter Näh-, Hanf und Doppelgarn. „Da ist so mancher Sonntag draufgegangen, so etwas kann man nur machen, wenn der Beruf auch Hobby und Leidenschaft ist“, betont Jürgen Dohn.

Großes Engagement

Deshalb ist es dem Meister auch wichtig, dass die Weißfrauenschule mit ihrem Förderschwerpunkt Sprache Nutznießer der Versteigerung ist. „Denn die fördern ihre Schüler mit viel Engagement und Leidenschaft, zudem absolvieren regelmäßig Weißfrauenschüler ihr Praktikum bei uns. So wie Julian (15): „Es reizt mich, etwas zum Anziehen herzustellen und mitzuerleben, wie aus einem Stück Leder ein fertiger Schuh wird“, erklärt er.

Die Mehrzahl der sieben Auszubildenden aus den vergangenen Jahren war allerdings weiblich. „Die Mädels bringen mehr Biss und Kreativität für dieses Handwerk mit, in dem aber auch immer mehr Kunststoffe eingesetzt werden“, meint Jürgen Dohn. Denn neben zahlreichen Schuhreparaturen fertigt die Schuhmacherei Lenz als eine von wenigen im Rhein-Main-Gebiet noch etwa 80 Paar Maßschuhe pro Jahr. Von der Bestellung bis zur Auslieferung vergehen für den Kunden zwischen zehn und 15 Wochen bei einem Endpreis ab 1400 Euro. „Dafür hält ein solches Paar aber auch 35 Jahre lang, unterstützt die Bewegungsabläufe viel besser und ist leichter zu reparieren als ein Konfektionspaar“, betont Jürgen Dohn.

Die Geschichte der Schuhmacherei Lenz beginnt im Jahr 1941, als der Vater des Alt-Schuhmachermeisters Wolfgang Lenz sein Geschäft in der Münchener Straße als Hochzeitsgeschenk erhielt. Die Blütezeit des Geschäfts war in den 1950er Jahren, damals arbeiteten dort bis zu 60 Angestellte. Wolfgang Lenz erinnert an die vielen Prostituierten, die vor der Einführung der Laufhäuser im Bahnhofsviertel um die Blocks gingen, um ihre abgelaufenen Pfennigabsätze reparieren zu lassen. Bedingt durch den Hauptbahnhof und die Messe kommen die Kunden heute aus aller Welt. Im Jahr 2005 zog der Bildhauer Oskar Mahler in den ersten Stock des Geschäfts, wo er ein Museum für 1500 Hämmer einrichtete und einige Umbaumaßnahmen für den Laden veranlasste.

2011 übergab Wolfgang Lenz, der in Rente ging, das Geschäft an Jürgen Dohn, der es wiederum an seinen Sohn Alexander übergeben will.

Vater und Sohn zögern allerdings noch, die Riesenschuhe für das Guinness Buch der Rekorde anmelden zu lassen. Ob solche Höhenflüge zum „bodenständigen“ Handwerk passen, müssen sie erst noch überlegen.

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