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Kunterbuntes Wohnprojekt soll 42 Mietern Platz bieten: Sieht so das Wohnen der Zukunft in Frankfurt aus?

Das leerstehende Geschäftshaus an der Ecke Nidda-/Karlstraße mit sieben Etagen und 2200 Quadratmeter Fläche wird zu einem selbstverwalteten Hausprojekt umgewandelt, das 42 Menschen generationenübergreifendes Wohnen unter einem Dach bieten soll. Noch aber fehlt Geld.
Solidarisches Wohnen wollen die Mitglieder und Initiatoren des Projekts Nika im Eckhaus von Nidda- und Kantstraße schaffen. Zunächst muss das Gebäude aber saniert werden. Foto: Holger Menzel Solidarisches Wohnen wollen die Mitglieder und Initiatoren des Projekts Nika im Eckhaus von Nidda- und Kantstraße schaffen. Zunächst muss das Gebäude aber saniert werden.
Bahnhofsviertel. 

Wohnraum in Frankfurt ist knapp und teuer. Ebenso wie beim Auto ist „Sharing“ auch bei der Miete ein aktuelles Thema. Daher hat das Hausprojekt Nika – benannt nach Nidda- und Karlstraße – vom Stadtplanungsamt den Zuschlag für das Gebäude an der Ecke der beiden Straßen bekommen. Gemeinsam mit dem Netzwerk „Mietshäuser Syndikat“, das sich ehrenamtlich einsetzt und Kredite organisiert, wird geplant, gesammelt und umgesetzt, damit bald eine bunt gemischte Gemeinschaft einziehen kann. Nika will die Finanzierung ohne Großinvestoren meistern, das Haus selbst verwalten und niedrige Preise garantieren.

„Über das ,Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen‘ sind insgesamt 60 Projekte im Liegenschaftsfond zu finden“, sagt Katharina Wagner vom Planungsdezernat. Drei Projekte seien derzeit ausgeschrieben und eines liefe noch. Auch Nika ist diesen Weg gegangen, das Konzept hat überzeugt. „Intelligente Grundrisse, Bewohner von jung bis alt, guter Wohnraum mit Gemeinschaftsflächen und eine sinnvolle Nutzung des Erdgeschosses haben den Ausschlag gegeben“, erklärt Wagner. Das Erdgeschoss soll öffentlichen Raum für das Bahnhofsviertel bieten – für Kunst- und Kultur, Sozialberatung wie Mietrecht für Ausländerfragen, Drogen- und Milieufragen ebenso wie für ein Familienzentrum.

Auf sechs Etagen

Zwischen der ersten und sechsten Etage sind Wohngemeinschaften für je bis zu sieben Personen geplant. „Jedes der sieben Zimmer wird 17,5 Quadratmeter groß sein. Dazu kommen eine große Gemeinschaftsküche und ein bis zwei Bäder“, berichtet Jeronimo Voss vom Hausprojekt Nika. Das obere Stockwerk werde als Gemeinschaftsfläche und mit 80 Quadratmetern begrünter Dachterrasse geplant. „Bisher wollen 35 Leute in die Niddastraße 57 einziehen. Alleinerziehende Mütter, Pärchen, Familien mit Kindern, Akademiker und Arbeiter, Studenten und Künstler“, freut sich Voss. Sich gegenseitig helfen, mal auf Kinder achten, sich politisch engagieren, Reparaturen durchführen und Weiterbildung – dafür sei das solidarische Wohnen ideal.

Der Name des Wohnprojekts hängt schon in einem Fenster. Bild-Zoom Foto: Holger Menzel
Der Name des Wohnprojekts hängt schon in einem Fenster.

Die Finanzierung des Erbpachtgrundstücks der Stadt, das über 99 Jahre läuft, hat den Vorteil, dass der Verein ein Jahr Zeit hat, bevor Kosten entstehen. Der Kaufpreis des Gebäudes liegt bei 1,1 Millionen Euro – dazu gehören ein Übernahmebetrag von 926 000 Euro und 13 000 Euro Erbpachtzins pro Jahr. Dazu kommt die geplante Kernsanierung in Höhe von etwa 2,5 Millionen Euro. 20 Prozent Eigenkapital muss bis zum Spätsommer aufgebracht sein. Etwa die Hälfte dieser 720 000 Euro sei bereits da, der Rest würde nun über private Direktkredite gesammelt, so Voss, „die von 0 bis zu 1,5 Prozent verzinst werden können.“ Die übrigen 60 Prozent werden Nika und das Mietshaus Syndikat bei der Genossenschaftsbank GLS leihen. „Wir gehen davon aus, dass die Miete bei maximal 11 Euro pro Quadratmeter kalt liegen wird. Das ist die sichere konservative Berechnung“, sagt Voss.

Ehemaliges Pelzhaus

Früher war das Gebäude ein Pelzhaus. „Beim Saubermachen im Keller haben wir das Fell von mindestens sieben Chinchillas und zwei Hasen zusammengefegt“, sagt eine künftige Bewohnerin. Auch Ute Sonntag (32) will in die Niddastraße 57 ziehen: „Ich wohne mit meinem Freund und unserem neun Monate alten Sohn seit vier Jahren in einer Wohngemeinschaft im Bahnhofsviertel. Der Platz dort wird zu eng, wir haben keinen Balkon oder Garten und aus dem Viertel wollen wir nicht weg“, so die Mitarbeiterin der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Wir wollen uns aus der Realität mit allen Facetten nicht isolieren. Darum wäre das Nika-Haus perfekt: International, kunterbunt und in allen Altersstufen.“

 

Weitere Informationen zum Projekt Nika und zum Direktkredit finden sich unter http://nika.haus im Internet.

 

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