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Keine Leitsysteme: Station "Fritz-Tarnow-Straße": Lebensgefährlich für Blinde

Blinde und sehbehinderte Menschen haben es an der U-Bahn-Station "Fritz-Tarnow-Straße" schwer, weil ein spezielles Leitsystem für ihre Bedürfnisse fehlt. Eine blinde Lehrerin macht nun schon zum zweiten Mal auf die unbefriedigende Situation aufmerksam.
An den Stufen fehlen die geriffelten Abschlusssteine. Deshalb können Blinde nur schwer mit ihrem Stock ertasten, wo die Treppenstufen anfangen. Bilder > An den Stufen fehlen die geriffelten Abschlusssteine. Deshalb können Blinde nur schwer mit ihrem Stock ertasten, wo die Treppenstufen anfangen.
Dornbusch. 

Fast auf den Tag genau sechs Jahre ist es her, dass sich Alexandra Grünauer (47) zuletzt öffentlich über mangelnde Barrierefreiheit an der U-Bahn-Station „Fritz-Tarnow-Straße“ beschwert hat. Die blinde Frau aus Eschersheim war kurz zuvor beim Einsteigen beinahe in den Kupplungsbereich zwischen die Waggons gefallen. Grund dafür waren fehlende Markierungen, über die Blinde und Sehbehinderte ertasten können, wo sich die U-Bahn-Türen befinden.

Seit Anfang 2012 hat sich die Situation für sie und andere blinde Personen an der Haltestelle Fritz-Tarnow-Straße aber kaum verbessert: Türmarkierungen fehlen noch immer. Das Betreten der Treppenstufen zum Bahnsteig wird für Grünauer jeden Tag zur Tortur, da taktile Streifen fehlen. Mit Hilfe der geriffelten Profilsteine und einem speziellen Stock können Blinde und Sehbehinderte mit ihrem Blindenstock ertasten, wo die Treppen beginnen und wo sie aufhören. All dies hatte sie auch vor sechs Jahren kritisiert.

Signalton schlecht hörbar

Doch schon der Weg auf den Bahnsteig ist für die 47-Jährige eine Zumutung. Sie arbeitet als Lehrerin beim nahe gelegenen Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen und muss daher fast jeden Tag die Ampelanlagen an der Haltestelle überqueren. Über die südlich gelegene Ampel schafft es Grünauer noch – vorausgesetzt der Umgebungslärm ist nicht so laut. Nur dann kann sie den leisen Ton hören, der Blinden signalisiert, dass die Ampel nicht Rot zeigt.

„Meist ist es zu laut und man kann das Signal nicht hören. An der Ampel im Norden fehlt das Signal auf der einen Seite ganz“, ärgert sich Grünauer, die wegen mangelhafter Barrierefreiheit oft die Bahn verpasst. Schafft sie es rechtzeitig auf den Bahnsteig, ist dies noch keine Garantie für einen erfolgreichen Einstieg. Jüngst habe sie die Tür nicht gefunden. Die Bahn fuhr los und habe ihr den Blindenstock aus der Hand gerissen. Dass Bahnfahrer aussteigen und ihr den Weg weisen, darauf setzt sie nicht: „Das war früher mal so.“

Grünauer fürchtet sich davor, dass es ihr oder anderen Blinden und Sehbehinderten im schlimmsten Fall ergehen könnte wie einem 41-Jährigen aus München. Der Blinde verlor einen Tag vor Silvester 2017 die Orientierung auf einem U-Bahnsteig am Münchener Josephsplatz und stürzte auf die Schienen. Die Bahn erfasste den Mann, der anschließend schwer verletzt von der Feuerwehr geborgen wurde.

Noch nichts passiert

Im Jahr 2012 reagierte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) zwar schnell. Sie ließ die leise oder gar nicht vorhandenen Tonsignale an den Ampeln nachjustieren und reparieren. Auch auf Grünauers erneute Kritik hat die Stadt bereits reagiert. Michael Müller, Stadtverordneter der Linken, hatte sie zuvor zum Anlass genommen, um das Frankfurter Verkehrsdezernat auf die kaum vorhandene Barrierefreiheit an der Haltestelle „Fritz-Tarnow-Straße“ hinzuweisen. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) gab daraufhin Mitte Dezember 2017 bekannt, dass ein taktiles Einstiegsfeld für Blinde und Sehbehinderte an der Station nachgerüstet werden soll. Für das Jahresende kündigte er an, dass die leisen oder gar nicht vorhandenen Ampelsignale neu eingestellt würden. Geschehen ist seitdem nichts.

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