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Umbau der Kaiserpassage: Temporäre Kunst contra Lädchen

Von Ambivalenz in der Kaiserpassage: Fotografen, Maler und Designer stellen auf dem „Art Market“ des Kunstprojekts „TAB – Taunusstraße Arts and Bytes“ ihre Werke aus – während Inhaber exotischer Lebensmittelläden um ihre Existenz fürchten.
Kunstwerke aller Art locken (vorübergehend) in bereits leerstehende Geschäfte der Kaiserpassage. Bilder > Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Kunstwerke aller Art locken (vorübergehend) in bereits leerstehende Geschäfte der Kaiserpassage.
Bahnhofsviertel. 

In der Kaiserpassage treffen an diesem Samstag viele Welten aufeinander. Es riecht nach Exotik, nach orientalischen Gewürzen. Menschen verschiedenster Herkunft kaufen in afghanischen, indischen und afrikanischen Geschäften ihre Lebensmittel oder Textilien ein. Gleichzeitig durchstreifen Kunstliebhaber und Künstler die baufällige Passage, sie bewundern Fotografien, Malereien, Graffiti, Vintage-Kleidung. Über allem schwebt die Harmonie, die der Popmusiker Tom James mit seiner Gitarre und seinem Gesang erzeugt. In einer dunklen Ecke wechseln Drogen den Besitzer.

Der „Art Market“ des Kunstprojekts „TAB – Taunusstraße Arts and Bytes“ wird so zum ambivalenten Vergnügen: Künstler werden gefördert, erhalten einmal monatlich die Möglichkeit, ihre Werke in leerstehenden Geschäften zu präsentieren und zu verkaufen – in den noch belebten Läden wiederum fürchten die Inhaber um ihre Existenz. Denn die meisten erhielten bereits die Kündigung ihrer Mietverträge und nun monatliche Verlängerungen, weil die Eigentümergesellschaft der Immobilie, die DIC Asset AG, die Kaiserpassage umbauen und aufwerten will. Ein Supermarkt, wahrscheinlich einer der Marke „Tegut“, soll einziehen, sieben von 40 kleinen Geschäften dürfen bleiben (die FNP berichtete). Über den Stand der Verhandlungen und Planung gäbe es keine Neuigkeiten, erklärt auf Anfrage der Unternehmenssprecher Jan Geisler.

„Der ,Art Market’ ist ein sehr gutes Konzept“, findet Dorian Diefenbach. Der Programmierer zeigt hier seine Perspektive auf die Stadt: Große und kleine Ausschnitte der Skyline in Schwarz-Weiß, ein kunstvolles Zusammenspiel von Hell und Dunkel, Schärfe und Unschärfe. Der Kunstmarkt biete Ausstellern eine Plattform, lobt Diefenbach, „und kultiviert die Ecke hier gleichzeitig ein wenig“. Im ganzen Viertel komme ja vieles zusammen: Menschen, Kulturen, Kriminalität. Der Verkauf seiner Bilder könnte allerdings besser laufen: „Die Leute gucken eher“.

Werbung fehlt

Einer, der sich nur anonym äußern möchte, sagt deswegen: „Wir hätten gerne mehr Publikum. Der Markt ist eine Undercover-Veranstaltung, es wurde zu wenig Werbung gemacht. Dass jemand hierher findet, ist vor allem Zufall“. Als professioneller Künstler sei man aber darauf angewiesen, seine Werke zu zeigen und zu verkaufen, insbesondere wenn man großen Aufwand für die Ausstellung betrieben habe. An den Wänden der kleinen Läden fänden sich schließlich teure, hochwertige Drucke und andere Werke, manche mehrere Meter groß. „Man muss planen, Werke auswählen, arrangieren“, sagt der Kritiker. „Viele Kollegen geben sich große Mühe. Das ist ja kein Flohmarkt, den man eben mal mitnimmt“.

Prinzipiell sei der „Art Market“ eine „tolle Sache“, die Örtlichkeit „spontan und spannend“, doch gebe es Verbesserungspotential für die Veranstalter, die Kommunikationsagentur „waoh“. Positive Stimmen wiederum belegen, dass es gut läuft: „Letztes Mal war es total voll. Da sind Bilder für 3000 oder 4000 Euro verkauft worden“, erzählt der Fotograf Stefan Höning.

Gewerbeverein will helfen

Sholam-Shah Qadiri fragt sich derweil: „Was soll ich bloß machen?“. Seit 20 Jahren führt er sein afghanisches Lebensmittelgeschäft, nun wurde der Mietvertrag gekündigt. „Noch im Juli soll ich ausziehen“. Ein anderes Geschäft zu finden, werde schwer, vielleicht unmöglich in der Kürze der Zeit. Er hat einen Rechtsanwalt konsultiert.

Im Laden nebenan, in seinem „Kunstraum Rote Treppe“, ist Oskar Mahler, Präsident des Gewerbevereins „Treffpunkt Bahnhofsviertel“, deswegen hin und her gerissen. Einerseits drohe ein kultureller Verlust, weil die Geschäfte der Passage wichtig seien: „Manche sind Verteilstellen für das ganze Bundesgebiet. Es kommen Kunden aus 150 Kilometern Entfernung, um etwa Lebensmittel oder Stoffe aus Indien zu kaufen“. Andererseits könne die Passage nicht so bleiben: „Sie ist heruntergekommen, die Platten fallen von der Decke“. Mahler setzt sich dafür ein, alternative Geschäftsräume zu finden, möglichst im Quartier. Wer solche vermietet oder Tipps hat, möge ihn kontaktieren (Telefon 01 52-08 64 82 25) – er könne auch über etwaige Sprachbarrieren hinweg vermitteln.

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