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Filmverleih ist ein Auslaufmodell: Tomin-Videothek am Dornbusch schließt im April

Von Videotheken sind ein Auslaufmodell: Das ist in ganz Deutschland und auch in Frankfurt so. Mit der Schließung der Tomin-Videothek in der Eschersheimer Landstraße verschwindet der drittletzte Filmverleih aus der Stadt. Ende April ist Schluss am Dornbusch.
Eschersheimer Landstraße 292: Tomin-Videothek von Inhaber Ulrich Born schließt. Die drittletzte in Frankfurt. Bilder > Foto: Rainer Rüffer Eschersheimer Landstraße 292: Tomin-Videothek von Inhaber Ulrich Born schließt. Die drittletzte in Frankfurt.
Dornbusch. 

Es herrscht Abschiedsstimmung in dem 400 Quadratmeter großen Ladenlokal an der Eschersheimer Landstraße 292. Ein großes gelbes Plakat klebt über der Schaufensterscheibe. „Räumungsverkauf. Alles muss raus!“, ist darauf in großen Lettern zu lesen. Im Inneren stehen zwar noch DVDs in den Regalen, aber überall hängen bunte Zettel mit der Aufschrift „Minus 30 Prozent“.

Noch bis zum 24. April können sich Filmfans in der Tomin-Videothek am Dornbusch ihre Lieblingsfilme kaufen. Dann schließt der Laden seine Türen. Für immer. Lediglich zwei, aber deutlich kleinere Filmverleihe gibt es dann noch in der Stadt: „Video City“ in der Freiligrathstraße 28 in Bornheim und „World of Video“ in der Königssteiner Straße 63 in Höchst.

Für Ulrich Born, Chef und Gründer der Tomin-Videotheken vor 35 Jahren, ist jede Schließung ein trauriger Moment. 21 Filmverleihe betrieb er einmal, verteilt über das gesamte Rhein-Main-Gebiet. Allein zehn waren es in Frankfurt. „Schon vor zehn Jahren begann der Verleih immer schlechter zu laufen, einen massiven Einbruch habe ich vor fünf Jahren erlebt“, sagt Born. Allein 25 Prozent Umsatzrückgang verzeichnete er im vergangenen Jahr.

19 Geschäfte sind schon zu

Mittlerweile sind 19 seiner Videotheken geschlossen. Nur noch in Frankfurt und Rüsselsheim können Filme ausgeliehen werden. Doch nicht mehr lange. Während in Frankfurt bereits Ende April Schluss ist, schließt der Laden in Rüsselsheim am 25. Mai.

Immer wenn die Mietverträge ausliefen, entschloss Born sich, den Laden aufzugeben. Weil sich das Geschäft mit dem Verleihen von DVDs irgendwann nicht mehr rentierte. „Es tut mir in der Seele weh, aber es ist nicht anders zu machen“, sagt er. Es seien nicht die legalen Internetplattformen, die mit Flatrates für den Filmgenuss werben, die den Videotheken das Lebens schwer machten. Vielmehr sei es das illegale Herunterladen von Filmen, das mittlerweile fast an jeder Ecke im World Wide Web möglich wäre. „Das spüren wir deutlich. Mit den legalen Plattformen können wir preislich mithalten, ab 50 Cent gibt es bei uns Filme zu leihen. Zehn Euro kostet eine Monatsflatrate im Internet“, erklärt Born, dass die neuesten Filme darin allerdings nicht enthalten sein. „Die kosten extra.“

600 000 Kunden

Auch wenn der Räumungsverkauf schon auf Hochtouren läuft, der Verleih soll unbedingt bis zum letzten Tag fortgeführt werden. Denn es gibt sie immer noch, die Menschen die sich eine DVD in der Videothek ausleihen und zu Hause ansehen. Es sind eben nur weniger geworden. Über 600 000 Namen standen einst in Borns Kundenkartei – als es noch 21 Filialen gab. Wie viele Kunden er jetzt noch hat, kann er nicht genau sagen.

Das weiß auch Markus Reck nicht. Der 47-Jährige ist seit 20 Jahren, seit es die Videothek am Dornbusch gibt, dort Filialleiter. Die Stammkunden, berichtet er, kommen weiterhin. Vom Alter her seien sie bunt gemischt – es gebe sowohl die Studenten wie auch die Rentner, die regelmäßig vorbeikommen. Reck kennt sie alle, wie auch ihre Reaktionen auf die Schließung. „Warum denn jetzt?“, sei eine häufige Frage. Viele Kunden reagierten sehr traurig. Schließlich sei es eine Institution, die den Dornbusch verlässt.

Mit der sukzessiven Schließung der Frankfurter Videotheken passt sich die Stadt einem bundesweiten Trend an. Gab es nach Informationen des Interessenverbandes des Video- und Medienfachhandels Deutschland im Jahr 2007 noch 4173 Videotheken, so waren es 2013 nur noch 1848. Im Jahr 2015 wurden nur 1212 Filmverleihe gezählt. 87 davon gab es in Hessen – drei in Frankfurt. Eine ähnliche Sprache sprechen die Umsatzzahlen – die sanken von 211 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 188 Millionen Euro in 2014.

Ulrich Born hat damit alle Höhen und Tiefen der Videobranche erlebt. Als er Tomin vor 35 Jahren gegründet hatte, gab es einen „Videotheken-Boom“, jetzt erlebt er den leisen Abgesang. Und ist Teil davon. Seine Leidenschaft für Filme hat er aber trotzdem nicht verloren. Im Gegenteil. Er hat sogar noch alte VHS-Kassetten, die er digitalisieren möchte. „Dafür fehlte mir bislang die Zeit. Aber die werde ich ja sicher bald haben“, sagt er und schließt die Tür des Ladens in der Eschersheimer Landstraße.

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