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Abfallproblem: Vermüllung des Mainufers: „Opfer unseres eigenen Erfolgs”

«Chillen» rund um die Uhr: Die Wiederbelebung der beiden Mainufer steht für ein neues Lebensgefühl in Frankfurt. Doch die Erfolgsgeschichte hat auch Schattenseiten. Die sorgen jetzt für Diskussionen.
Frankfurt am Main: Unzählige Menschen sitzen bei sommerlichen Temperaturen am Mainufer. Foto: Andreas Arnold (dpa) Frankfurt am Main: Unzählige Menschen sitzen bei sommerlichen Temperaturen am Mainufer.
Frankfurt. 

Tausende von Menschen flanieren und feiern an den beiden Frankfurter Mainufern bei tropischen Temperaturen bis in die frühen Morgenstunden. Vor der beeindruckenden Silhouette der Skyline schippern auf dem Fluss Schiffe, auf deren Decks junge Leute ausgelassen sich zum dröhnenden Discosound bewegen.

Am Main in Frankfurt lässt der anscheinend endlose Jahrhundertsommer regelrechte Ibiza-Gefühle aufkommen. Doch nicht jeder ist über die Partystimmung am Fluss glücklich. Anwohner beschweren sich über den Lärm der Tanz-Schiffe. Zugleich stellt der Müll die Stadt vor immer größere Probleme.

«Wir kommen mit dem Aufstellen von Müllbehältern gar nicht mehr nach», sagt Stephan Heldmann, langjähriger Chef des Frankfurter Grünflächenamts. In den vergangenen Wochen haben seine Leute zusätzliche 1,1 Kubikmeter für leere Flaschen oder Pizzaschachteln aufgestellt. Es sind nunmehr zwölf Kubikmeter Abfallvolumen. Das Grünflächenamt gibt inzwischen fast ein Viertel seines Etats von 12,3 Millionen Euro für die Müllentsorgung in den städtischen Parks aus - mit Schwerpunkt an den Mainufern. Seit 2013 sind die Kosten dafür um 800 000 Euro gestiegen.

Müll liegt rund um einen Mülleimer. Bild-Zoom Foto: Sebastian Gollnow/Archiv
Müll liegt rund um einen Mülleimer.

«Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolgs», sagt Heldmann, der maßgeblich die Wiederbelebung der Frankfurter Mainufer betrieben hat. Zwölf Millionen Euro hat die Stadt in den vergangenen zwei Jahrzehnten in die Umsiedlung von Gewerbebetrieben und Konversion von Flächen gesteckt, um das Mainufer wieder für Freizeit und Erholung zurückzugewinnen.

Inzwischen hat die Stadt 6,8 Kilometer Mainfläche in ihrer Kernzone durchgehend begrünt und für Fußgänger wie Radfahrer erschlossen - vorher war es nur etwa die Hälfte gewesen. Berücksichtigt man noch Stadtteile wie Höchst oder Fechenheim, so wurden in den vergangenen Jahren sogar 14 Kilometer Flussufer aufgewertet, wie Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig weiß. Die Revitalisierung des Mains habe Frankfurt «ein ganz neues Lebensgefühl» verschafft, schwärmte die Grünen-Politikerin jüngst im städtischen «Amtsblatt» über die Ader der Stadt.

Als Standort zahlreicher bedeutender Museen entlang der Kais ist der Main in der Frankfurter Innenstadt schon seit den 1980er Jahren eine überregionale Marke - und lockt mit dem traditionellen «Museumsuferfest» Ende August Millionen von Menschen an. Doch für den Mainpark kam nach der schrittweisen Sanierung der Durchbruch erst richtig mit dem «Sommermärchen» von 2006. Während der Fußball-WM feierten damals auch Tausende von ausländischen Besuchern am Main friedlich die Spiele. Inzwischen hat der Klimawandel dafür gesorgt, dass im Sommer über Wochen hinweg fast jeden Abend Tausende den Main für sich entdeckt haben.

Beim Thema Müll will die Stadt jetzt noch stärker gegensteuern. Junge Menschen gehen abends als «Sauberkeitsbotschafter» auf die Feiernden am Mainufer zu, um bei ihnen die Bereitschaft zur freiwilligen Müllentsorgung zu fördern. Das gehört zu einer vom Magistrat beschlossenen Aktion, die sich «cleanffm» nennt. Das Grünflächenamt baut ebenfalls darauf. Disziplinarische Maßnahmen oder Sanktionen wie Bußgelder zur Reduzierung des Mülls lehnt Heldmann ab. «Die Leute sind ansprechbar», sagt er.

Für seinen Haushalt fordert der Chef des Grünflächenamts mit seinen rund 750 Mitarbeitern einen festen Betrag für die immer teurer werdende Grundpflege des Mainufers und anderer Parks. Und er will noch weitere Rasenflächen - die meisten gleichen angesichts der derzeitigen Dürre eher einer gelben Steppe - unterirdisch bewässern.

Bleibt das Problem der lärmenden Partyschiffe: Das städtische Ordnungsamt bestätigt Beschwerden von Anwohnern, fühlt sich aber nicht in der Pflicht. Man habe keine eigenen Boote, die man zur Überprüfung auf dem Main schicken könne, sagt dazu Sprecher Michael Jenisch.

Zu seiner Zuständigkeit bekennt sich immerhin das Regierungspräsidium Darmstadt. Seit drei Jahren darf die Behörde in Absprache mit dem Umweltministerium Partyschiffe in Sachen Lärmschutz kontrollieren. Doch auch dort hat man bislang keine Überschreitung der Grenzwerte feststellen können, wie ein Sprecher mitteilt. Dies sei technisch gesehen auch schwierig.

(dpa)

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