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Katholiken in Nied stellen ihre Räume einer Familie aus Somalia zur Verfügung: Zuflucht im Gemeindezentrum

Von Im Pfarrgemeindezentrum von St. Markus ist gestern Abend eine „Wohnung für Menschen in Not“ geweiht worden. Anfang nächster Woche wird dort eine somalische Familie einziehen.
Dekan Rolf Glaser (rechts) und Don Danilo Dorini (neben Glaser) von der italienischen Gemeinde segneten die Wohnung. Bilder > Foto: Maik Reuß Dekan Rolf Glaser (rechts) und Don Danilo Dorini (neben Glaser) von der italienischen Gemeinde segneten die Wohnung.
Nied. 

Die Vorgabe stammt von Papst Franziskus: „Ich appelliere an alle Pfarreien, religiösen Gemeinschaften, Klöster und Wallfahrtsorte in ganz Europa, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen“, hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche im September 2015 gesagt. Nicht viele haben es umgesetzt – wohl aber die katholische Pfarrgemeinde und die Italienische Gemeinde Höchst-Nied, die sich das Pfarrgemeindezentrum im Nieder Kirchweg teilen. Gestern Abend konnte dort eine „Wohnung für Menschen in Not“ von Dekan Pfarrer Rolf Glaser gesegnet werden – in Vertretung von Stadtdekan Johannes zu Eltz, der ebenfalls 2015 dazu aufgerufen hatte, den Worten Taten folgen zu lassen. Glaser freut sich: „Als sein Stellvertreter bin ich sehr froh, dass uns dies in Nied nach den erforderlichen Umbaumaßnahmen mit der ,Herberge‘ nun gelungen ist.“ Er dankte dem Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde, der zusammen mit dem Verwaltungsrat der Italienischen Gemeinde vor rund einem Jahr beschlossen hatte, den Wohnraum zu schaffen. „Obwohl der bürokratische Aufwand sehr zügig abgewickelt wurde, hat die Umsetzung rund ein Jahr gedauert“, sagt Klaus Ottenhus, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats von St. Markus.

Aus dem Wohnwagen

Am Montag oder Dienstag wird eine vierköpfige somalische Familie in die Souterrain-Räume einziehen, die einmal die Jugendräume der Italienischen Gemeinde waren. Die Wohnung – 83 Quadratmeter, zwei Zimmer, Küche, Bad – wird künftig von einem Ehepaar und seinen beiden Töchtern bewohnt. Die ältere Tochter ist 13, spricht außer ihrer Muttersprache auch Türkisch und Deutsch – und dolmetscht für die Familie. Die jüngere wurde vor rund einem Jahr in Kassel geboren. Die Familie lebt seit drei Monaten im Wohnwagenprojekt am Rebstock – und wurde wegen des Kleinkindes von der Caritas ausgewählt, die Wohnung in Nied zu beziehen, in die rund 67 000 Euro an Umbaukosten investiert wurden.

Lob von der Caritas

Die Caritas-Direktorin Gaby Hagmans lobte die Nieder Gemeinden: „Die Einsegnung der Wohnung in St. Markus steht beispielhaft für aktuell acht Kooperationen, die wir mit Kirchengemeinden in Frankfurt haben. Dort engagieren sich viele ehrenamtliche, um Menschen in Wohnungsnot eine Perspektive zu geben.“ St. Markus beteiligt sich seit 1993 am Wohnwagen-Projekt der Caritas, erst mit drei, inzwischen mit zwei Wohnwagen, die hinter dem Pfarrgemeindezentrum stehen. Der Caritasverband unterstützt die Bewohner – wie auch die somalische Familie – mit der Abwicklung von Formalitäten und der Begleitung durch Sozialarbeiter.

Türkisch spricht die ältere Tochter, weil die aus Somalia geflohene Familie drei Jahre in der Türkei lebte, bevor sie über Griechenland nach Deutschland kam. Armin Nagel, Sprecher der Gemeinde, hat mit der Familie die Wohnung besichtigt: „Der Vater hat nur gesagt: Jetzt sind wir angekommen in Deutschland.“ Auch er lerne derzeit Deutsch. Klaus Ottenhus, der Initiator des Projekts, erklärt: „Unsere Hoffnung ist, dass sie nach einiger Zeit gestärkt und mit Zuversicht aus eigener Kraft den Weg aus ihrer Notlage finden können.“ Dann könnte die Wohnung für neue „Menschen in Not“ genutzt werden. Derer gibt es viele: Derzeit leben rund 6850 registrierte Wohnungssuchende in Frankfurt, darunter 4950 Asylberechtigte, 1900 Frankfurter sowie 550 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Nur wenige leben bisher in regulärem Wohnraum, wünschen sich aber eine eigene Wohnung, die meist den Kontakt zum sozialen Umfeld erheblich erleichtert und damit Grundlage zur Integration ist. Der Caritasverband hat Anfang vorigen Jahres die „Wohnraumhilfe für Geflüchtete, Asyl- und Wohnungssuchende“ gegründet und engagiert sich seitdem in der Anmietung und Zwischennutzung von geeignetem Wohnraum. Ein Sozialarbeiter der Wohnraumhilfe begleitet die Bewohner regelmäßig, damit sie sich in ihrem neuen Wohnumfeld besser zurechtfinden. 166 Menschen konnte die Wohnraumhilfe bisher in 43 Wohnungen unterbringen. Dazu gehören acht Kooperationen mit Kirchengemeinden wie jetzt in St. Markus. Der Frankfurter Westen ist mit St. Bartholomäus, Zeilsheim (3 Wohnungen), St. Jakobus, Schwanheim (1) und St. Michael, Sossenheim (1) überdurchschnittlich stark vertreten. Weitere Gemeinde-Kooperationen gibt es in St. Bonifatius, Sachsenhausen (1), St. Gallus, Gallus (1), St. Josef, Seckbach (1) und dem Dom St. Bartholomäus (3 Wohnungen).

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