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Irritationen: Infotafel am Schloss in Kransberg erhitzt Gemüter

Von Eine Informationstafel am Schloss in Kransberg sorgt für Irritationen zwischen dem Schlosseigentümer und einem Lokalhistoriker. Es geht um das dunkelste Kapitel in der Schlossgeschichte.
Gleich neben der Zufahrt zum Privatparkplatz am Schloss Kransberg ist ein Plakat über die einstige Nutzung des Komplexes als KZ-Außenkommando zu sehen. Bilder > Gleich neben der Zufahrt zum Privatparkplatz am Schloss Kransberg ist ein Plakat über die einstige Nutzung des Komplexes als KZ-Außenkommando zu sehen.
Kransberg. 

Hoch oben auf dem Hügel zwischen Kransberg und Usingen, am Fuße der schnurgeraden und an die 250 Jahre alten Hainbuchenallee, thront das Schloss in idyllischer Umgebung. Lediglich bis zum ein wenig höher gelegenen Waldgasthof sowie zum Friedhof führt die einzige Straße auf diese Anhöhe.

Erbaut um 1250 erfuhr Schloss Kransberg eine wechselvolle Geschichte. Verschiedene Adelsgeschlechter residierten darin, und auch baulich hat sich allerhand verändert.

Zu allem Überfluss hatte auch das Nazi-Regime einst Hand an den Gebäudekomplex gelegt und Schloss Kransberg für seine niederträchtigen Ziele genutzt. Allerdings machten die amerikanischen Streitkräfte 1945 dem Spuk ein Ende und inhaftierten einstige Nazi-Größen in den von ihnen zuvor eingerichteten Räumen. Somit fand das dunkelste Kapitel der bald 800 Jahre alten Schlossgeschichte nach sechs Jahren ein Ende.

Eine Gedenktafel zeugt noch heute von jener unrühmlichen Zeit, in der auf dem Gelände ein Bunker errichtet wurde, um dort Gefangene unterzubringen. Angebracht hatte die Tafel Bernd Vorlaeufer-Germer in Absprache mit dem Kulturdezernat des Hochtaunuskreises.

Historiker führt zum Bunker

Lokalhistoriker Vorlaeufer-Germer ist Seminarleiter bei „Arbeit und Leben“ beim Deutschen Gewerkschaftsbund und der Volkshochschule Wetterau und veranstaltet seit gut 30 Jahren in diesem Rahmen „Alternative Taunusrundfahrten“. Das heißt, er führt seine Seminarteilnehmer zu Stätten des Zweiten Weltkriegs und von KZ-Außenlagern. Dazu gehört auch Schloss Kransberg, vor allem dessen Bunker.

Seit 2012 ist Sebahattin Özkan Besitzer des Schlosses. Nach ersten erforderlichen Sanierungsschritten an einigen Gebäudeteilen beschloss der neue Eigentümer, das Schloss wieder den Bürgern zugänglich zu machen.

Dazu gehören zwar auch die Besichtigungsgruppen von Bernd Vorlaeufer-Germer. „Aber hauptsächlich will ich das Schloss als Kulisse für fröhliche Veranstaltungen sehen“, erklärt Özkan. „Es soll wieder mit Leben gefüllt werden.“ Längst wurden in den idyllischen Bereichen des Schlossgartens und im Hof zwischen den alten Mauern Hochzeiten und Geburtstage gefeiert. Zwei Sommer lang gab es Klassikkonzerte mit hochkarätigen Künstlern, die einen dankbaren Publikumsstamm aus einer teils weiteren Umgebung anlockten. Und auch Bürger aus der unmittelbaren Nachbarschaft lernten die offenen Schlosstore zu schätzen.

Weniger schätzenswert indes halten einige davon jene Tafel, die ausgerechnet an das finsterste Kapitel der Schlossgeschichte erinnert. „Wer bei mir feiern will und sich das Gelände anschaut, dem kommen manchmal Zweifel“, hat Özkan seinen Worten nach bereits erlebt. „In einem ehemaligen KZ feiern? Das schreckt die Leute ab.“

Von Ästen freigeschnitten

Deshalb fragte er bei Gregor Maier vom Kulturdezernat des Hochtaunuskreises an, ob er die Tafel von seiner Parkplatzzufahrt ein Stück weiter weg rücken dürfe. Maier hatte nichts dagegen, verwies Özkan lediglich an Bernd Vorlaeufer-Germer.

Jetzt hängt das Schild nicht mehr direkt am Eingang, sondern um etwa einen Meter versetzt. Allerdings nach rechts, wie der Lokalhistoriker moniert, nicht nach links, wie ihm Özkan angeblich angekündigt habe. Gut zu sehen ist es immer noch, dazu hatte der Schlossherr das Geäst drum herum frei geschnitten. Wer zum Waldgasthof oder zum Friedhof will, kommt unweigerlich an der Tafel vorbei. Lediglich Schlossbesuchern springt es jetzt nicht mehr sofort ins Auge, was es auf Wunsch seines Besitzers ja auch nicht soll. Wer indes mit Bernd Vorlaeufer-Germer an einer Bunkerbesichtigung teilnimmt, der erfährt ohnehin die ganze grausige Geschichte aus der Nazi-Zeit.

„Ich würde es begrüßen, wenn eine Informationstafel am Schloss hinge, die alle maßgeblichen historischen Fakten auflisten würde, nicht nur die schlimmste darunter“, sagt Sebahattin Özkan. Bei Gregor Maier kommt diese Idee bestens an. Sollte die Zusammenarbeit beider Parteien zügig in Gang kommen, könnte ein entsprechender Entwurf schon bis Jahresende vorliegen, schätzt der Kulturdezernent.

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