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Referendum in der Türkei: Usinger Familie steht zu ihrem Nein

Eine knappe Mehrheit der Wahlberechtigten hat dafür gestimmt, dass in der Türkei ein Präsidialsystem eingeführt wird. 58 Prozent der im Frankfurter Generalkonsulat wahlberechtigten Türken haben mit Ja gestimmt. Die Usinger Familie Dirik gehört nicht dazu, sie hat mit Nein gestimmt und ist sehr enttäuscht über den Ausgang des Referendums.
Die in Usingen lebenden Türken Senem Cabbar, Suat und Tülay Dirik (v. l.) haben beim Referendum mit „Nein“ gestimmt und stehen auch dazu. Die in Usingen lebenden Türken Senem Cabbar, Suat und Tülay Dirik (v. l.) haben beim Referendum mit „Nein“ gestimmt und stehen auch dazu.
Usingen.  Usingen. Suat Dirik ist 53 Jahre alt, lebt seit 28 Jahren in Deutschland und leitet seit 17 Jahren erfolgreich zusammen mit seiner Ehefrau Tülay die Hoch- und Tiefbau-Firma „Dirik Bau GmbH“. „Mir geht es nicht gut, mein Vater ist letzte Woche gestorben“, sagt Suat Dirik. „Und er konnte sich nicht von ihm verabschieden und auch nicht zur Beerdigung in die Türkei fliegen.

Denn sonst wäre er wahrscheinlich am Flughafen festgenommen und verhaftet worden“, sagt Diriks 28-jährige Tochter Senem Cabbar. Sie habe ihn erst noch ermutigt, doch zu fliegen. Bald habe sie aber gemerkt, dass das wohl zu gefährlich wäre.

Anonym bleiben aus Angst um die Familie

Wahrscheinlich haben viele Türken im Usinger Land Angst vor Repressalien, wenn sie ihre Meinung über das Referendum sagen. Drei haben sich dann doch gegenüber der Taunus Zeitung geäußert.

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Denn Suat Dirik ist vor 28 Jahren aus der Türkei geflohen, um politischen Repressionen zu entgehen. So mutig wie heute, war er auch damals schon, hat seine Meinung, die oft auch kritisch war, ausgesprochen. Das hat früher wie heute Probleme verursacht. Vor dem Referendum hatte Dirik auf Facebook zu erkennen gegeben, dass er dem „Hayir“-Lager (Nein-Lager) näher steht. „Daraufhin wollten ihm Befürworter mal zeigen, wo es langgeht, und haben ihn in der Türkei angeschwärzt“, sagt Senem Cabbar.

Anders als Familie Dirik wollten die meisten von der TZ zu ihrer Meinung angefragten Türken im Usinger Land sich nicht öffentlich gegen den türkischen Präsidenten Recep Erdogan und sein Referendum positionieren. Einige waren jedoch bereit, etwas zu sagen, allerdings nur anonym (lesen Sie auch den unten stehenden Artikel). Und zwar deshalb, weil ihre Familien noch in der Türkei leben und sie diese unbedingt schützen wollen.

Suat Dirik hat zwei Brüder und drei Schwestern, die im Westen der Türkei leben. Einer seiner Brüder ist Lehrer. „Am Telefon sprechen wir nicht über die Politik in der Türkei“, sagt der Usinger Unternehmer, der den Ausgang des Referendums mit seiner Frau Tülay vor dem Fernseher verfolgte. Ebenso wie Tochter Senem Cabbar, sie hat sich die Wahlen mit ihren beiden Kindern (3 und 5 Jahre) angeschaut.

„Gesprochen habe ich mit ihnen darüber aber nicht, dafür sind sie noch zu klein“, sagt die selbstbewusste Türkin und ergänzt mit deutlichen Worten: „Mein Vater hat uns so erzogen, dass jeder seine eigene Meinung haben und auch sagen darf. Ich hätte also auch Ja zu Erdogans Referendum sagen dürfen, das wäre auch in Ordnung gewesen für meinen Vater.“

Staatsbürgerschaft wechseln

1989 kam Suat Dirik nach Deutschland, fast genauso lange lebt er auch schon in Usingen, wo damals ein Bekannter lebte, der ihn zu sich holte. 1991 kamen seine älteste Tochter und seine Ehefrau nach. Alle drei haben die türkische Staatsbürgerschaft. „Ich werde aber meine Staatsbürgerschaft wechseln und die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Diese Entscheidung stand schon vor dem Referendum so gut wie fest. Aber der Ausgang spielt nichtsdestotrotz eine große Rolle“, sagt Senem Cabbar. Ihr Vater werde sich ihr wahrscheinlich anschließen. „Ich habe 28 Jahre keine Probleme gehabt in Deutschland“, sagt der 53-Jährige.

 Was viele Türken im Usinger Land umtreibt, ist die Frage: Wie können Türken, die in einer Demokratie leben, dafür sein, dass Türken in ihrem Heimatland nun in einem Präsidialsystem leben sollen? Die Meinung Suat Diriks und Senem Cabbars: „Türken, die in Deutschland leben, hätten eigentlich diese Wahl nicht treffen dürfen.“ Cabbar glaubt auch die Beweggründe der Ja-Sager zu kennen: „Sie sind der Meinung, dass die Türkei nur so ihre Stärke und ihre Macht gegenüber Europa demonstrieren kann.“    nni
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