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Meditation: „Breathwalk“: Beim Gehen meditiert es sich leichter

Der Sport „Breathwalk“ kombiniert Gehen und bestimmte Yoga-Übungen miteinander. Unsere Reporterin Gabriele Calvo Henning hat sich von der Entspannungspädagogin Heike Neidhardt auf einen Breathwalk mitnehmen lassen.
Entspannungspädagogin Heike Neidhardt mit Reporterin Gabriele Calvo Hennig (von links) beim Breathwalk im Feld. Foto: Priedemuth Entspannungspädagogin Heike Neidhardt mit Reporterin Gabriele Calvo Hennig (von links) beim Breathwalk im Feld.
Hochtaunus. 

Gehen, Atmen, Meditieren – auf diese kurze Formel kann man den „Breathwalk“ bringen. Etwas genauer betrachtet ist der Breathwalk eine ausgeklügelte Kombination aus schnellerem Gehen in der Natur, ganz bestimmten Atemrhythmen und speziellen Yoga-Elementen. Zusammen mit Mantras, also meditativen Silbenfolgen, werden gleichermaßen Körper und Geist angesprochen, mit dem Ziel, durch Entspannung insgesamt zu mehr Energie zu kommen.

Um den Breathwalk am eigenen Leib zu erfahren, treffe ich mich in Oberhöchstadt mit Heike Neidhardt. Die Entspannungspädagogin und Lerntherapeutin bietet seit 2012 Breathwalk an, den sie selbst in der Reformhausakademie in Oberstedten kennengelernt hat. „Das hat mich gleich so begeistert, dass ich mich selbst im Breathwalk habe ausbilden lassen.“ Zuvor hatte sie bei ihren Kursen für Autogenes Training die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen nicht so einfach ruhig liegen bleiben können. Da kam ihr der Breathwalk gerade recht. „Denn hier geht es um die Entspannung durch Bewegung und das darauf abgestimmte Atmen.“

Von ihrem Wohnhaus sind es nur einige Schritte bis zum Steinbacher Wald und wir stehen mitten im Grünen. Die Sonne scheint an diesem sommerlichen Vormittag durch die Bäume, es ist angenehm warm.

Hallo, wach!

Ich bin zwar schon einige Zeit wach, trotzdem geht es jetzt darum, meinen Körper mit „Erwecker-Übungen“ einzustimmen. Bei einer falten wir zuerst die Hände und strecken dann die Arme vor der Brust aus. Dann führen wir die Arme beim Einatmen nach oben. Beim Ausatmen kommen die Arme zurück, wir beugen uns sanft vor, so weit wie es geht. „Die Erde grüßen“ wird diese Bewegung poetisch genannt. Dann legen wir die Fingerspitzen auf die Schultern und drehen den Oberkörper beim Einatmen nach links, und beim Ausatmen nach rechts. Kommt mir alles bekannt vor, aus früheren Yogastunden.

Die Idee ist 5000 Jahre alt

Der Breathwalk, auch Lauf- oder Geh-Yoga genannt, kommt aus der Tradition des Kundalini-Yoga. Dabei handelt es sich um eine rund 5000 Jahre alte Form des indischen Yoga, das auch als „Yoga des Bewusstseins“ bekannt ist.

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Tatsächlich hat der Breathwalk seine Wurzeln im Yoga und wird deshalb auch als Yoga im Gehen bezeichnet (siehe Info-Box). Insgesamt gibt es 16 verschiedene Gangarten. Für ein Greenhorn wie mich, hat Heike Neidhardt eine einfache Variante – den „Adler“ – ausgewählt. Auf den stimmen wir uns zunächst mit dem „offenen Gehen“ ein. Nun könnte man einwenden, dass wir das Gehen doch alle mit ein bis anderthalb Jahren gelernt haben und seitdem mehr oder weniger gut beherrschen. Das stimmt, und trotzdem ist das Gehen beim Breathwalk etwas anderes, weil die Aufmerksamkeit eine andere ist.

Körper richtet sich auf

Gehen passiert hier nicht einfach so. Es geht darum, die Füße bewusst abzurollen und Kontakt zum Boden aufzunehmen. Und wenn es am unteren Ende des Körpers gut läuft, dann richtet sich der Körper fast ganz automatisch natürlich auf. Der Blick geht nach vorne. „Niemand soll steif aufgerichtet wie ein Zinnsoldat gehen oder sich übertrieben strecken“, sagt Heike Neidhardt. „Alles soll sich ganz natürlich von unten nach oben entwickeln.“

In der Zwischenzeit sind meine Breathwalk-Trainerin und ich beim Hauptteil angekommen. Damit ich verstehe, worum es beim „Adler“ geht, laufe ich in einer Lichtung zusammen mit ihr erst einmal im Kreis. Dabei atme ich vier Schritte lang, in vier Sequenzen ein, und dann wieder vier Schritte lang, in vier Sequenzen, aus. „Eins, zwei, drei, vier“ zähle ich im Geist mit und versuche atmen und flottes Gehen in Einklang zu bringen. Ich merke: Breathwalking ist mehr als nur stramm durch die Landschaft zu spazieren. Durch das rhythmische Atmen lenke ich meine Aufmerksamkeit nach innen, ohne die Umgebung ganz aus den Augen zu verlieren. Wäre auch nicht so gut, denn der Weg hat schon einige Stolperstellen parat.

„Wichtig ist beim Atmen, dass man nicht mehr ein- als ausatmet, sondern hier in ein Gleichgewicht kommt. Zu viel Einatmen kann bei Ungeübten auf den Kreislauf gehen“, betont Neidhardt. „Das bewusste Ausatmen ist wichtig, denn es steht in direktem Zusammenhang zum inneren Loslassen.“ Im Gegensatz zum bekannten Walking ist Reden und Plaudern während des Gehens nicht angezeigt. Denn, so Neidhardt, „unser Ziel ist es, zu uns selbst zu kommen und ganz bei uns zu sein. Das ist das Entscheidende.“

Das alles ist zu Beginn nicht ganz einfach, deshalb rät Heike Neidhardt zunächst nur in Einheiten von drei Minuten zu üben. Nach den ersten drei Minuten konzentriertem Atmen und Gehen, halten wir inne, wir bleiben stehen, betrachten die Natur um uns herum. Jetzt ist Zeit auch zum Austausch, bevor wir locker der nächsten Bewegungseinheit entgegengehen.

Finger an Finger pressen

Zusätzlich zum Gehen und Atmen im Vierertakt pressen wir nun im selben Rhythmus die Daumen nacheinander mit den Fingern leicht zusammen – beginnend beim Zeigefinger und dann bis zum kleinen Finger und wieder zurück. Diese Fingerübung gehört zu den sogenannten Mudras, mit denen bestimmte Akupressurpunkte stimuliert werden, was wiederum die Durchblutung fördern soll.

Schließlich ersetze ich das Zählen von eins bis vier durch ein Mantra, also eine bestimmte Silbenfolge, die im Yoga als heilig gilt und im Geist beim Gehen rezitiert wird. Unser Mantra lautet „Sa-ta-na-ma“. Mit diesem Mantra, das übersetzt in etwa „Geburt-Leben-Tod-Wiedergeburt“ bedeutet, wird der Geist von belastenden Gedanken und Grübeleien quasi weggezogen, der Geist wird klarer.

Kopf ist frei

Und tatsächlich, nachdem ich mich immer besser zurechtfinde, merke ich, dass jetzt kein anderer Gedanke mehr Platz hat. Das bewusste Gehen und Atmen zusammen mit dem Fingerdrücken und dem Mantra erfordert meinen ganzen Geist. Trotzdem scheine ich in eine Art aktiver Ruhe zu kommen ohne eingelullt zu werden.

Der Breathwalk, sagt Heike Neidhardt, bietet eine ganz Reihe positiver Effekte: Neben der Erfrischung des Geistes ist das auch die körperliche Fitness, die durch das regelmäßige Praktizieren erhöht wird. „Dabei geht es aber nicht darum, irgendwelche Rekorde zu brechen. Den Leistungsgedanken schalten wir ganz aus.“ Positive Effekte für das Herz-Kreislaufsystem und die Immunabwehr sind dabei das eine. Menschen mit Depressionen oder einem Burnout können von den Übungen profitieren.

Dass Bewegung in der Natur die körperliche Fitness und die seelische Gesundheit fördert, ist nicht neu. So werden gerade bei depressiven Problemen oder Schwierigkeiten mit Rückenverspannungen Gesundheitsmärsche im Freien empfohlen.

Wer sich für den Breathwalk entscheidet, der hat es ausrüstungstechnisch ziemlich leicht, denn mehr als bequeme, atmungsaktive Kleidung und festes Schuhwerk braucht es nicht. Dazu noch ein schönes Stück Natur, fertig ist alles für den Breathwalk. Meiner ist nach etwas mehr als einer Stunde zu Ende. Zum Abschluss halten Heike Neidhardt und ich noch einmal inne, spüren dem nach, was gerade war. Leichte Dehnungsübungen schließen meinen Breathwalk ab. Ich fühle mich erfrischt.

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