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Steinbacher und Weißkirchener warten weiter auf Erhellendes zum Stadtteil: „Herr Josef, werden Sie konkret“

Von Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) war am Samstag auf Einladung seiner Parteikollegen in Steinbach zu Gast, um mit Taunus-Bürgern über den geplanten Stadtteil zu reden. Ein Wochenend-Spaziergang war das für ihn nicht.
Mike Josef (vorn) stellt sich in Steinbach den Fragen der Bürger und des Ersten Stadtrats Lars Knobloch (FDP, am Mikrofon). Foto: Jochen Reichwein Mike Josef (vorn) stellt sich in Steinbach den Fragen der Bürger und des Ersten Stadtrats Lars Knobloch (FDP, am Mikrofon).
Hochtaunus. 

Der Nebel trübt Steinbach und Weißkirchen an diesem kalten Samstagvormittag. Trotzdem haben sich etwa 150 Menschen dick angezogen und sind an die S-Bahn-Brücke im Südwesten Steinbachs gekommen. Fürchten sie doch, dass sie sich in puncto Taunus-Idylle warm anziehen müssen und der Blick auf die Frankfurter Skyline dereinst so getrübt sein wird wie an diesem nebligen Morgen.

Nämlich dann, wenn Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) den angestrebten Stadtteil mit rund 10 000 Wohneinheiten beiderseits der A 5 nahe Steinbach und Weißkirchen schafft, wo heute noch Acker- und Grünflächen sind.

Die Steinbacher SPD hat Josef zum Bürgergespräch am Stadtrand gebeten (lesen Sie dazu auch den Bericht auf Seite 5). Die Sorgen der Steinbacher und Oberurseler sind groß. Zum Beispiel bei Bauern wie Wolfgang Wentzell. Der Stierstädter bewirtschaftet etwa 60 Hektar im Planungsgebiet. Seit über 50 Jahren ist er Landwirt. Der Patensohn soll mal übernehmen. Wenn es denn noch was zu übernehmen gibt.

Während es für Grundstückseigentümer und Landwirte um Geld und Existenz geht, kämpfen Anlieger für den Erhalt ihrer Lebensqualität. „Wir haben viel Geld bezahlt, damit wir im Grünen leben können“, sagt Petra Stadtler. „Aber wir werden ja nicht gefragt.“ Ähnlich sieht es Jochem Entzeroth. „Bürgerwille statt Politikerwillkür“, fordert er auf seinem Schild.

Dass von 550 Hektar Untersuchungsgebiet am Ende etwa 190 Hektar bebaut werden sollen – Parks und Infrastruktur inklusive – beruhigt die Bürger nicht. Auch nicht, dass Frankfurt gerade erst den Startschuss für vorbereitende Untersuchungen gibt. Schließlich hat Josef ja unlängst in Oberursel gesagt, dass es nicht um das Ob, sondern nur um das Wie gehe.

In der Zwickmühle

Die sozialdemokratischen Gastgeber sind in der Zwickmühle. Auch sie sind, wie Josef, für neuen Wohnraum, vor allem für bezahlbaren. „Aber nicht an jeder Stelle und zu jeder Bedingung“, sagt Steinbachs SPD-Chef Moritz Kletzka.

Zu Weißkirchen hat Josef 600 Meter Abstand in Aussicht gestellt, die Flächen dort fallen ins Landschaftsschutzgebiet II. Und für Steinbach? „Ich kann keine Meter benennen.“ Immer wieder verweist er darauf, dass es noch keine Details gebe. So auch in Bezug auf die Höhe der geplanten Gebäude. „Werden Sie doch mal konkret“, bittet jemand im Publikum, nachdem Josef gesagt hat, Richtung Steinbach und Weißkirchen könne nicht so hoch gebaut werden wie anderswo.

Für Steinbachs Ersten Stadtrat Lars Knobloch (FDP) ist das Mathematik. Auch in Steinbach mit seinen gut 10 000 Einwohnern sind etwa 190 Hektar bebaut, sagt er. Es ist die nach Frankfurt und Offenbach am dichtesten besiedelte Stadt Hessens. Im neuen Stadtteil sollen knapp 30 000 Menschen ein Zuhause finden. Was das heißt, kann sich jeder vorstellen.

Jürgen Galinski, Fraktionschef der SPD in Steinbach, fordert eine Vereinbarung, dass Steinbach, Oberursel und Eschborn bei Planungen mit am Tisch sitzen – Josef hat versprochen, die Nachbarstädte einzubinden. Und: „Das muss transparent und öffentlich sein“, setzt Galinski nach.

Östlich der A 5 bleiben

Die Taunus-Politik hofft auf einen Kompromiss. Während Josef stets sagt, dass es sich eben auch westlich der A 5 um Frankfurter Gemarkung handele, wollen Oberurseler und Steinbacher in den entscheidenden (regionalen) Gremien darauf hinwirken, dass Frankfurt mit dem Stadtteil östlich der Autobahn bleibt. Darauf hat sich die Politik in beiden Städten verständigt. „Nehmen Sie mit, dass wir keine Totalverweigerer sind“, sagt Steinbachs Erster Stadtrat Knobloch.

Josef sagt, er nehme mit, was er hört; es werde einfließen. Am 28. November kommt er wieder, dann steht er in einer öffentlichen Sitzung des Steinbacher Bauausschusses Rede und Antwort (19 Uhr, Bürgerhaus). Kletzka hofft, dass Josef dann Verbindlicheres sagen kann. Am Samstag hat die Sonne während der Veranstaltung den Nebel verdrängt. Die Bürger warten noch auf Erhellendes.

www.fnp.de

Hier gibt’s Hintergründe zum neuen Stadtteil

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