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Gutachten rehabilitiert Autofahrerin: Nach tödlichem Unfall: Unglücks-Opfer trifft keine Schuld

Von Sie hatte nichts falsch gemacht – die 54 Jahre alte Frau, die im Mai bei der Kollision ihres Kleinwagens mit einem Zug der Linie U 2 getötet wurde. Das ist jetzt gewiss. Ein Trost kann es kaum sein.
Bei der Kollision einer U-Bahn mit einem PKW in Bad Homburg ist am 23.05.2017 eine Autofahrerin getötet worden. Foto: Sven-Sebastian Sajak Bei der Kollision einer U-Bahn mit einem PKW in Bad Homburg ist am 23.05.2017 eine Autofahrerin getötet worden.
Bad Homburg. 

Der Unfall hatte ganz Bad Homburg geschockt: Am 23. Mai dieses Jahres war eine 54 Jahre alte Frau in Ober-Eschbach gegen 4.50 Uhr mit einem U-Bahnzug der Linie 2 kollidiert. Der schwarze VW Fox wurde am Bahnübergang an der Kalbacher Straße von der U-Bahn getroffen und bis zur Haltestelle Ober-Eschbach mitgeschleift. Den Einsatzkräften bot sich wenig später ein schreckliches Bild. Das Fahrzeug war förmlich zerschmettert worden, die Fahrerin tot.

In ersten Vermutungen war davon ausgegangen worden, dass die 54-Jährige unachtsam gewesen sein könnte. Die Frau, so hieß es zunächst, könnte ein Rotsignal missachtet und bei halb geschlossenen Schranken die Schienen überquert haben. Ein Irrtum wie sich wenig später herausstellen sollte. Schon wenige Tage nach dem tragischen Unglück kamen nämlich erste Zweifel an dem zunächst geschilderten Unfallhergang auf. Experten hatten die Ampel-Schaltung überprüft und im Anschluss einige Ungereimtheiten am bislang angenommenen Hergang festgestellt. Diese Zweifel wurden jetzt durch ein Gutachten bestätigt.

Keine rote Ampel

Wie von der Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Oberstaatsanwältin Nadja Niesen, zu erfahren war, trifft die tödlich verunglückte Ober-Eschbacherin keine Schuld an dem Unfall. In einem am 3. August erstellten Gutachten sei die 54-jährige Unfallgeschädigte eindeutig rehabilitiert worden. Gemäß der Erkenntnisse aus dem Gutachten gab es für die Autofahrerin weder eine rote Ampel noch ein anderes Haltesignal. Vielmehr hätte der Zugführer laut Gutachten die für ihn gültige Ampelschaltung vor dem Passieren der Straße bemerken und anhalten müssen.

Allerdings gibt es ein bislang noch ungeklärtes Problem. Im vorliegenden Gutachten wird nämlich darauf hingewiesen, dass der Zugführer das für ihn geltende Haltesignal erst 30 Meter zuvor hätte erkennen können. Doch diese Distanz habe ein rechtzeitiges Abbremsen des U-Bahnzuges nicht mehr ermöglicht.

Diese Erkenntnis wird nun in einem zweiten, am 10. November eingegangenen Gutachten bestätigt. Hierin wird angeführt, dass der U-Bahn-Führer die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometer pro Stunde zur Unfallzeit nicht überschritten habe. Aber bei dieser Geschwindigkeit sei ein rechtzeitiges Anhalten des Zuges und somit eine Vermeidung der Kollision mit dem Pkw nicht möglich gewesen.

Ungeklärte Schuldfrage

Der Verteidiger des U-Bahn-Führers kommt zu der Feststellung, dass sein Mandant keine Chance hatte, den Unfall zu verhindern. Wäre er in der Lage gewesen, den Crash zu verhindern, hätte sich der Zugführer wegen „fahrlässiger Tötung“ schuldig gemacht. Im Moment ist offen, ob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Fahrer erhebt, denn eine Fahrlässigkeit, so Oberstaatsanwältin Niesen, sei zurzeit schwer nachweisbar.

Eingestellt ist das Verfahren aber dennoch nicht. Nach Informationen dieser Zeitung ist der zuständige Staatsanwalt momentan noch unschlüssig, wie er mit dem Fall umgehen soll. Zudem stellt sich die Frage, ob denn nicht zumindest den Betreiber der U-Bahnstrecke eine Schuld trifft. Ob und welche Auswirkungen eine nach dem Strafrecht erfolgte Verfahrenseinstellung für die von der Opferseite erhobenen Regressansprüche hätte, wäre in einem gesonderten Verfahren vor dem Zivilgericht zu klären.

Das Fahrzeug war zwischen dem Bahnsteig und der U-Bahn eingequetscht worden, schilderte seinerzeit der Einsatzleiter. Man habe nur Teile des Wagens sehen können. Die Einsatzkräfte hätten der 54 Jahre alten Fahrerin nicht mehr helfen können, sie sei schon beim Eintreffen der Rettungskräfte tot gewesen. Der 64 Jahre alte U-Bahn-Fahrer, der mit dem Zug in Richtung Gonzenheim unterwegs gewesen war, hatte einen Schock erlitten. In der U-Bahn hatten sich zum Zeitpunkt des Unfalles keine Fahrgäste befunden.

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