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Kurioses Geschenk: Regionalpark schenkt Bad Homburg einen Landschaftsrahmen

Von Brauchen die Homburger eine optische Hilfe um zu erkennen, wie schön die Landschaft um die Kurstadt ist? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Tatsache ist, dass demnächst ein Landschaftsrahmen am Platzenberg aufgestellt wird – zur Probe.
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Bad Homburg. 

Einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nichts ins Maul. Doch was dieses spezielle Geschenk angeht, platzt man in der Bad Homburger Politik nicht eben vor Begeisterung. Der Vorsitzende des Bau- und Planungsausschusses, Wolfgang Hof (FDP), befürchtet sogar Aufstände in der Bevölkerung.

Um was geht es? Der Regionalpark Rhein-Main Taunushang GmbH (wo war die Politik eigentlich als man dieses Namensungetüm noch hätte verhindern können?) möchte eine „gestalterische Verbindung“ zwischen den Landgräflichen Gärten der Kurstadt und der Regionalpark-Rundroute schaffen. Dazu sollen auf bereits bestehenden Wegen sogenannte Attraktionspunkte geschaffen werden. Gemeint sind Landschaftsrahmen – rechteckige Betonklötzer. Ein ähnliches Konzept ist übrigens auch für die Stadt Kronberg geplant – am sogenannten Malerblick (siehe zweiten Text).

Die Stadt Bad Homburg hat bereits das eine oder andere Projekt mit dem Regionalpark verwirklicht, unter anderem das Teehaus im Forstgarten und den Eiskeller im Kleinen Tannenwald. Diesmal ging es den Planern darum, einen „Bogen zwischen den Gegensätzen Landschaftsidee und Landschaftsrealität“ zu schaffen. Dabei war ein „innovativer, ungewöhnlicher Umgang“ mit dem Thema gewünscht. Sprich: Es sollte keine herkömmlicher Lehrpfad oder nur simple Hinweistafeln sein.

Drei Planungsbüros reichten schließlich Entwürfe ein, den Zuschlag erhielt das Konzept von Prof. Hand-Peter Rohler vom Büro „foundation 5+“. Es sieht sieben unterschiedlich gestaltete Einzelelemente vor, die die jeweils vorgefundene Landschaftssituation verstärken oder kontrastieren sollen und Hinweise „auf unsichtbare Geschichten“ liefern. Die Landschaftsrahmen sollen ein „niederschwelliges Angebot“ für eine individuelle Nutzung und mehrere Wahrnehmungsebenen bieten.

Akustische Rückzugsräume

Rohler versteht seine Rahmen als „Türöffner“ für unterschiedliche symbolische Bedeutungen und als eine Hilfe, Orte zu entschlüsseln. So werden akustische Rückzugsräume vor dem Verkehrslärm geboten, andere Rahmen sollen bestimmte Ausblicke betonen und wieder andere sollen auf Vergangenes oder Verläufe hinweisen. Per Barcodes soll es möglich sein, über das Smartphone weitere Infos abzurufen. Reliefe an der Außenwand sollen auf die jeweiligen Themen hinweisen.

Hof: Planer-Lyrik

Hof spricht in diesem Zusammenhang übrigens von einer „unerträglichen Planer-Lyrik“ und warnt vor Folgekosten. Schon das letzte größere „Geschenk“ die zweite Thai Sala habe der Stadt enorme Kosten verursacht – denn aus Thailand kam nur der Tempel, den Sockel musste die Stadt zahlen. Allerdings heißt es in einer städtischen Vorlage, dass die Folgekosten für den Unterhalt überschaubar seien. Es handele sich lediglich um die Kosten für die Pflege der „robusten Elemente“, gelegentliche Müllbeseitigung, Austausch der Holzauflagen (alle zehn Jahre) und Mäharbeiten.

Die CDU hatte im Ausschuss bereits dafür geworben, das „Geschenk“ nicht im Bausch und Bogen zu verdammen. Gemeinsam mit der SPD brachte die Union den Vorschlag ein, ein Element zur Probe aufstellen. Dafür stimmte auch die BLB. „Wir können doch mal schauen, wie das in der Bevölkerung ankommt“, begründet Fraktionschef Armin Johnert. FDP, Grüne und AfD hingegen stimmten dagegen. Im Parlament wurde das Thema in der Tagesordnung Zwei durchgewunken. Dementsprechend wird jetzt probeweise ein Landschaftsrahmen am Platzenberg aufgestellt. Zudem sollen die Anwohner und der zuständige Ortsbeirat eingebunden werden. Die Gegner der „Sichthilfe“ hoffen derweil, dass dieser geschenkte Gaul bald totgeritten ist.

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