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Geschätzte Mehrkosten: drei Millionen Euro: So stellen sich die Bürger den Verkehr rund um den Oberurseler Bahnhof vor

Von Heinz Renner und Georg Herzan beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema Verkehrsführung am Bahnhof. Nun haben die Anwohner eine überarbeitete Variante vorgestellt, wie der Verkehr ihrer Ansicht nach auf der Nassauer Straße rollen sollte. Und sie verbinden damit ganz klare Erwartungen in Richtung Stadt.
Für die Kreuzung Adenauerallee/Nassauer Straße haben die Planer im Rathaus und die Anwohner ganz unterschiedliche Ideen. Foto: Jochen Reichwein Für die Kreuzung Adenauerallee/Nassauer Straße haben die Planer im Rathaus und die Anwohner ganz unterschiedliche Ideen.
Oberursel.   

Ist es alter Wein in neuen Schläuchen? Nicht ganz. Heinz Renner und Georg Herzan haben die Planung von Bürgern für die künftige Verkehrsführung am Bahnhof, die vor drei Jahren bei einer Reihe von Treffen („Stadtgespräche“) entstanden ist, überarbeitet. Außerdem verkaufen die beiden Oberurseler diesen modifizierten Entwurf bei der Vorstellung am Montagabend im Gasthaus „Zum Schwanen“ auch nicht als neu, sondern weisen explizit auf die Entstehungsgeschichte hin.

So stellt sich die Anwohnergruppe die künftige Verkehrsführung am Bahnhof vor: In der Mitte – zwischen Nassauer Straße und Bahnhof – verläuft die neue Trasse. Links neben dem Parkdeck ist der Busbahnhof untergebracht. Die Strecke zwischen S-Bahn-Gleisen und Adenauerallee soll künftig nur noch Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sein. Sie gelangen über eine Brücke, die über die tiefergelegte Nassauer führt, in Richtung Innenstadt. Bild-Zoom
So stellt sich die Anwohnergruppe die künftige Verkehrsführung am Bahnhof vor: In der Mitte – zwischen Nassauer Straße und Bahnhof – verläuft die neue Trasse. Links neben dem Parkdeck ist der Busbahnhof untergebracht. Die Strecke zwischen S-Bahn-Gleisen und Adenauerallee soll künftig nur noch Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sein. Sie gelangen über eine Brücke, die über die tiefergelegte Nassauer führt, in Richtung Innenstadt.

Was sich nicht geändert hat: Weiterhin sind die beiden Anwohner überzeugt, ein besseres Konzept als die Stadtverwaltung entwickelt zu haben. „Wir betrachten das als Diskussionsangebot“, unterstreicht allerdings Renner. Die Mehrkosten im Vergleich zur städtischen Variante schätzen beide auf drei bis vier Millionen Euro.

Ihrer Ansicht nach steht ihr Entwurf, der den Verkehr ohne Ampeln – per Kreisel und Unterführungen – über die Strecke zwischen Drei-Hasen-Brücke und Weingärtenumgehung führt, für: einfache Wegebeziehungen, weniger Lärm, mehr Sicherheit für Fußgänger und Radler, Abbau des Stop-an-go-Verkehrs und mehr Aufenthaltsqualität. Bei der Variante der Stadtverwaltung hingegen mit vier Bahnübergängen würden U- und S-Bahn, die Vorfahrt hätten, den Verkehr regeln – „nicht die Ampeln“, ist Herzan überzeugt. Zudem wird der Verkehrsfluss auf der Nassauer durch die ihrer Ansicht nach falsch konzipierten Kreuzungen an den Ecken zur Adenauerallee und zur Feldbergstraße gestört.

Heinz Renner (Mitte) stellte die Planung im Detail vor. Unter der Zuhörern waren auch mehrere Kommunalpolitiker. Bild-Zoom Foto: Jochen Reichwein
Heinz Renner (Mitte) stellte die Planung im Detail vor. Unter der Zuhörern waren auch mehrere Kommunalpolitiker.

Lärm bündeln

Herzan und Renner trommeln vor allem für ihren Lösungsvorschlag, dass es künftig zwischen Drei-Hasen-Brücke und dem geplanten Parkdeck am Bahnhof stadtein- und auswärts über eine neu zu bauende Straße an der S-Bahnlinie geht (siehe Infografik). Die Planung der Stadt sieht ja vor, dass es stadteinwärts über die bestehende Nassauer Straße geht, die auf dem Abschnitt zwischen Drei-Hasen-Brücke und Feldbergstraße zur Einbahnstraße wird. Stadtauswärts soll der Verkehr von der Feldbergstraße aus über eine neue Straße an der Bahnlinie entlangrollen.

„Das ist das Erste, was man lernt, dass der Lärm gebündelt werden muss“, sagt Herzan. An der S-Bahnlinie könnten auch leichter Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden als an der Nassauer.

Woran Herzan und Renner trotz der massiven Kritik der Stadt und auch aus der Politik festhalten, ist, die Nassauer Straße an zwei Stellen tiefer zu legen: So soll sie quasi unter der Adenauerallee und in Höhe der Berliner Straße unter der U-Bahn-Trasse hindurchführen. Von Trögen will Renner hier nicht sprechen. Bei diesem Wort werde er nervös, meint er grinsend in Anspielung auf die Kritik an der „Troglösung“.

Unkommentiert bleibt die Tieferlegung aber auch im „Schwanen“ nicht. „Das ist Verkehrsplanung der 60 Jahre“, meint Christian Röher, Mitglied der SPD-Fraktion im Stadtparlament, im Gespräch mit Georg Herzan, was dieser sofort zurückweist.

Neu in den „Bürgerplan 2017“ aufgenommen haben Renner und Herzan zum Beispiel einen Abzweig von Kreisel an der Bahnlinie hoch zur Nassauer Straße, weil jetzt das Raab-Karcher-Gelände genutzt werden könne. Wie inzwischen auch die Stadt sprechen sich die Anwohner dafür aus, die Nassauer Straße über einen Kreisel an die Weingärtenumgehung anzubinden. Den Kreisel an der Drei-Hasen-Kreuzung, vor drei Jahren noch Bestandteil der Bürgerplanung, haben Herzan und Renner hingegen gestrichen. Nun soll es von der Drei-Hasen-Brücke über eine Kurve runter zur Bahnlinie gehen.

Bypass für die Nassauer

Wer von der Drei-Hasen-Kreuzung aus Richtung Bommersheim oder aus dem Gewerbegebiet Drei Hasen kommt, soll weiterhin die alte Nassauer Straße stadteinwärts nutzen können – zumindest bis zum Abzweig zur Berliner Straße. Herzan sieht darin einen Bypass, um den Verkehrsstrom in die Stadt zu entzerren. Circa 4000 Fahrzeuge würden auf dieser Strecke am Tag unterwegs sein, an der Bahnlinie etwa 10 000, sagt er.

Was den „Bürgerplan 2017“ ebenfalls deutlich von der Variante der Stadt unterscheidet, ist der Busbahnhof. Die Anwohner wollen eine zentrale Station unmittelbar neben der Unterführung (PU Ost) am Bahnhof, damit die Fahrgäste „sicher und bequem“ umsteigen können. Von dieser Idee ist die Stadt abgerückt, weil damit Umwege für die Busse verbunden wären, so die Argumentation. Die Verwaltung will, wie berichtet, die Bushaltestellen in der Nassauer Straße belassen und ausbauen.

Doch Kritik gibt es in der Runde im „Schwanen“ auch am zentralen Busbahnhof oder, genauer gesagt, an der geplanten Zufahrt zur Nassauer über einen Kreisel unterhalb der Feldbergstraße. Die Busse würden dort nicht rauskommen, meint ein Besucher. „Eine Ampelschaltung wäre auch eine Lösung“, räumt Anwohner Bernd Peppler, der vor drei Jahren am Entwurf mitgewirkt hatte, ein.

Wer hat geplant?

Er unterstreicht in der Diskussion zudem, warum er die Tieferlegung der Nassauer auf dem Stück zwischen Adenauerallee und Lindenstraße für die bessere Lösung hält: So wäre keine Lärmschutzwand zum Wohngebiet Linden-/Austraße notwendig, außerdem könnte der Geländeunterschied genutzt werden, argumentiert er.

Auch über die Bezeichnung „Bürgerplan“ wird diskutiert. „Eigentlich ist es ein Anwohnerplan“, meint Röher. Herzan wiederum betont: „68 Bürger stehen hinter der Planung.“

Herzan erwartet, dass die Stadt nun auf die Gruppe zugeht, nachdem die Bürger drei Jahre lang aus der Planung „ausgesperrt“ gewesen seien. Kommt es zu keiner Diskussion, keinem Entgegenkommen, bleibt nur eine Klage, wie Peppler im „Schwanen“ unmissverständlich deutlich macht.

„Ich würde ungern diese Keule nutzen und hätte lieber eine saubere Kommunikation mit der Stadt“, erläutert er im Gespräch mit der TZ. Herzan sagt schon jetzt: „Viele Bürger wollen klagen.“

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