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Tiere: Tierisch was los im Heim

Von Degus bis Ziegen – die Bandbreite der Tierarten, die im Tierheim Hochtaunus Asyl gefunden haben, ist groß. Doch auch außerhalb des Tierheims sind Leiterin Nicole Werner und ihr Team aktiv. Wegen der schlimmen Erfahrungen fordern sie eine Kastrationspflicht für Katzen.
Hochtaunus. 

Manchmal kann Tierheim-Leiterin Nicole Werner nur resigniert den Kopf schütteln. Etwa als sie die Geschichte von der kleinen Transportbox erzählt, die Unbekannte im vergangenen September einfach vor dem Tierheim Hochtaunus in Oberursel zurückließen – „bei stärkstem Regen“. Als Nicole Werner und Tierpflegerin Yvonne Triendl die Box öffneten, fanden sie eine Handvoll Mäusebabys und zwei erwachsene Mäuse darin, eine davon tot. „Skalpiert“, sagt Yvonne Triendl. Als hätte ein größeres Tier versucht, den kleinen Nager zwischen Gitterstäben hindurchzuziehen. Und die anderen Mäuse wären wegen des eindringenden Regens beinahe ertrunken.

Die Tierheim-Mitarbeiter kümmerten sich sofort um die durchnässten Wesen – und schafften es tatsächlich, dass alle überlebten. Die zweite Maus brachte wenige Wochen später neun weitere Jungtiere zur Welt. Inzwischen sind die meisten der kleinen Nager vermittelt. Nur acht von ihnen warten noch im Tierheim Hochtaunus auf eine neue Heimat: putzige Tierchen, die munter in ihrem Käfig herumwuseln.

Dass Tierbesitzer ihre Schützlinge einfach aussetzen, passiert öfters. Ein- bis zweimal im Monat, sagt Nicole Werner. Zu denken gibt ihr auch ein anderes Phänomen: „In diesem Jahr hatten wir mehrere Fälle, dass Besitzer verstorben sind, die 10 bis 15 Katzen hatten.“ Das gehe schon in Richtung „Animal Hoarding“, meint die Tierheim-Leiterin, also das krankhafte Sammeln von Tieren, oft auf engstem Raum. „Früher waren das Einzelfälle, aber jetzt wird das mehr.“ Meist landen die Tiere in der Einrichtung im Forsthausweg. Eine Herausforderung, denn wie bringt man so schnell so viele Katzen unter? „Da wird es schon eng“, sagt Nicole Werner.

200 000 Euro von Kommunen

23 Katzen, 27 Hunde, sechs Kaninchen, fünf Schafe, zwei Ziegen, sechs Vögel, acht Mäuse, drei Ratten und sieben Degus – eine Nagetierart, die aus Südamerika stammt – leben derzeit im Tierheim Hochtaunus. Im Vergleich zum Vorjahr hätten sich diese Zahlen kaum verändert, sagt die Leiterin. Knapp 200 000 Euro stellten Städte und Gemeinden im Hochtaunuskreis sowie der Landkreis für die Einrichtung zur Verfügung. Doch dieses Geld reiche gerade, um die Personalkosten für die insgesamt neun Mitarbeiter zu decken, berichtet Nicole Werner. Etwas Geld erwirtschaftet das Heim durch die Vermittlung von Tieren – in diesem Jahr waren es 266 – und durch die Hunde- und Katzenpension. Trotzdem sei man dringend auf Spenden angewiesen. Und auf die Hilfe der knapp 40 ehrenamtlichen Helfer, die zum Beispiel mit den Hunden Gassi gehen und sich um die Katzen kümmern. „Ohne unsere Ehrenamtlichen würden wir das alles gar nicht schaffen“, sagt Nicole Werner dankbar.

Mit Sorge blickt sie allerdings auf die steigende Zahl verwilderter Hauskatzen, die durch den Landkreis streunen – meist unkastrierte Tiere, die sich unkontrolliert vermehren und jämmerlich vor sich hin vegetieren. Um hier gegenzusteuern, fangen Tierheim-Mitarbeiter jedes Jahr gut 200 dieser Katzen ein, um sie zu versorgen und kastrieren zu lassen. Letzteres belaste das Budget mit bis zu 30 000 Euro jährlich.

An Menschen gewöhnen

„Mitte des Jahres war es ruhiger, da hatten wir schon gehofft, dass das endlich besser wird“, seufzt die Tierheim-Leiterin. Doch dann wurden wieder etliche Exemplare entdeckt: kurz vor Weihnachten beispielsweise vier Katzen unter einem Baucontainer neben der Schule in Steinbach. Mit viel Zuwendung gelinge es, einen Großteil der Vierbeiner wieder an Menschen zu gewöhnen, so dass sie vermittelt werden können. „Doch es gibt welche, bei denen funktioniert das nicht, die können nur draußen leben“, weiß Nicole Werner. Diese werden wieder freigelassen, „aber wir gucken, dass sie eine Futterstelle haben“. In diesem Zusammenhang fordert sie mit Nachdruck eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen: „Durch Kastration verhindert man Katzenleid.“

Es sind jedoch nicht nur traurige und dramatische Vorfälle von Vernachlässigung und Tierquälerei, die sie erlebt. Manche Geschichten machen ihr auch Mut. Zum Beispiel diejenige von dem Cockerspaniel, den seine ursprünglichen Besitzer vor fünf Jahren im Tierheim abgeben mussten, weil der Vermieter den Vierbeiner nicht mehr in der Wohnung dulden wollte.

Nicole Werner und ihren Mitarbeitern gelang es, den Cockerspaniel in ein neues Zuhause zu vermitteln. Trotzdem hätten ihn die alten Besitzer nicht vergessen. „Jedes Jahr bringen sie kurz vor Weihnachten eine Weihnachtstüte vorbei mit Leckerchen für den Hund und einem Geschenk für die neuen Besitzer.“

Die Ältesten: Amy und Rocko

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„Das sind unsere Hunde-Rentner“, sagt Tierpflegerin Yvonne Triendl liebevoll, als sie die Tür zum Käfig von Amy und Rocko öffnet. Amy (links), ein Jack-Russel-Terrier-Mix, ist zehn Jahre alt, der Jack-Russel-Terrier Rocko zählt sogar schon zwölf Lenze. Auf Besucher blicken sie erst ein wenig schüchtern, lassen sich aber schnell streicheln. Richtige Familienhunde seien sie, findet Yvonne Triendl: „Liebenswert, verkuschelt – und sie passen gegenseitig auf sich auf.“ Deshalb wolle man sie auch nur als Duo vermitteln. Die beiden sind noch nicht allzu lange Gäste im Oberurseler Tierheim: Seit Anfang Dezember leben die beiden hier. Sie mussten von den Besitzern abgegeben werden, weil der Vermieter sie nicht mehr in der Wohnung dulden wollte. Nun hoffen Amy und Rocko also auf eine neue Familie, in der sie gemeinsam ihren Lebensabend verbringen können. bd

Die Verliebtesten: Belle und Fritz

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Der schwarze Kater Fritz, vermutlich drei oder vier Jahre alt, lebt seit Anfang Mai im Tierheim, die fünfjährige Belle ein wenig länger, seit Mitte April. Vor allem Belle sei anfangs sehr zurückhaltend, erzählt die ehrenamtliche Helferin Katharina. Aber mit viel Liebe und Geduld ist es den Helfern im Tierheim gelungen, der kleinen Katzendame etwas die Schüchternheit zu nehmen. „Mittlerweile schnurrt sie auch, wenn man sie streichelt“, berichtet Katharina. Fritz sei ebenfalls etwas scheu, „aber wenn er jemanden kennt, kuschelt er sehr gern“. Beide Katzen hätten sich hier im Tierheim förmlich ineinander verliebt, lacht Leiterin Nicole Werner. Und in dieser Beziehung ist Belle so gar nicht schüchtern: „Sie ist der Boss, und er akzeptiert das, deshalb verstehen sie sich so gut“, beschreibt Katharina. Aber da man die beiden Liebenden nicht trennen will, versucht das Tierheim nun ein gemeinsames Plätzchen für Belle und Fritz zu finden. bd

Der Kleinste: Cosmo

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Nur knapp zehn Zentimeter lang sind Cosmo und seine Geschwister, die Mitte Oktober im Tierheim zur Welt kamen. Ihre Mutter war in einer Transportbox vor der Einrichtung ausgesetzt worden. In ihrem Käfig vergnügen sich die Nager mit Vorliebe damit, Baumwollstreifen in ein Häuschen zu schleppen, um es auszupolstern. Eine Sisyphos-Arbeit. Denn die Tierheim-Mitarbeiter ziehen die Streifen nach einigen Stunden wieder heraus, sodass die Mäuse wieder von vorn beginnen müssen. Schließlich müsse man sie ja auch beschäftigen, lacht Yvonne Triendl. bd

Der Größte: Mo

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Ziegenbock Mo ist das größte Tier, das im Tierheim betreut wird. Und leider lebt er schon ein paar Jahre hier. Denn Mo stammt aus einer Herde von insgesamt sieben Burenziegen, die im August 2015 ins Tierheim kamen, weil ihr Besitzer ins Krankenhaus musste. Zwei Ziegen wurden vermittelt, drei Böcke kamen in ein anderes Tierheim, so dass mittlerweile nur noch Mo und Willi in Oberursel leben.

Burenziegen sind sehr stattliche Tiere, die in etwa die Größe von Ponys erreichen. Mo sei von seinem ursprünglichen Besitzer mit der Flasche aufgezogen worden und deshalb an Menschen gewöhnt, weiß Tierheim-Leiterin Nicole Werner. Und er schätzt den Kontakt zu Menschen – mitunter sogar etwas zu sehr: „Manchmal ist er etwas aufdringlich. Aber jetzt ist er schon ein bisschen tatterig.“ Für ihn und Willi suche man einen Gnadenplatz. bd

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