E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Limburg an der Lahn 25°C

Flüchtlinge im Kreis Offenbach: Am Limit der Belastbarkeit

Von An Berichte oder dergleichen ist derzeit nicht zu denken: Der Kreis und die Gemeinden bemühen sich um Wohnraum für die Asylsuchenden. Eventuell müssen auch öffentliche Gebäude genutzt werden.
Der Kreis Offenbach hat alle Hände voll zu tun, um die ankommenden Flüchtlinge unterzubringen. Foto: Frank Rumpenhorst Der Kreis Offenbach hat alle Hände voll zu tun, um die ankommenden Flüchtlinge unterzubringen.
Kreis Offenbach. 

Der Antrag der FDP, der die Verwaltung auffordert, einen Bericht über die Anzahl von Flüchtlingskindern in schulpflichtigem Alter und im Kindergartenalter im Kreis Offenbach zu erstellen, ließ Sozialdezernent Carsten Müller am Mittwochvormittag im Kreistag ans Mikrofon treten. Er erläuterte, dass sich die Flüchtlingssituation derzeit sehr zuspitze – und die Kreisverwaltung derzeit keine Zeit habe, solche Berichte und Aufstellungen zu verfassen.

„Die Situation ändert sich derzeit täglich, der Stau in Gießen, der sich über Monate aufgebaut hatte, ist durch die dezentralen Erstaufnahmunterkünfte aufgelöst und damit sind die Flüchtlinge schneller zuteilungsreif“, erläuterte Müller. Derzeit kämen jede Woche 4000 Menschen in Hessen an, 2000 werden Woche für Woche an die Kreise und in die Kommunen weitergeleitet.

Täglich unterwegs

Carsten Müller Bild-Zoom
Carsten Müller

„Am Montag sind 55 Menschen bei uns vor dem Kreishaus angekommen, in der nächsten Woche werden es 99 Menschen sein. Diese Zahlen bringen uns an den Rand der Aufnahmefähigkeit. Und wir sind leider nicht mehr in der Lage, unsere Standarts zu halten“, so Müller. Derzeit seien er und seine Mitarbeiter täglich unterwegs, um Wohnungen, Lagerhallen und Gewerbeimmobilien anzuschauen. „Allerdings nehmen wir auch nicht alles, denn es gibt auch Menschen, die das große Geschäft wittern. Solange wir nicht müssen, werden wir das nicht bedienen“, betonte Müller.

Doch es drohe für die Menschen die Übernachtung auf Feldbetten. Die Schätzung von bislang 60 bis 70 Flüchtlingen pro Woche, habe die bisherige Richtzahl von noch 800 aufzunehmenden Menschen ergeben. Wenn es jetzt jede Woche 100 Leute werden, die im Kreis ankommen, dann sind es bis Jahresende noch 12 000 Menschen. Der besonderen Aufmerksamkeit bedürfen die unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge.

Bilderstrecke So leben Flüchtlinge in den Unterkünften in Frankfurt
Die Situation in den Flüchtlings-Unterkünften in Frankfurt und Umgebung ist enorm angespannt. Der Platz reicht kaum aus, um die ankommenden Menschen angemessen unterzubringen.In dieser Bildergalerie gewähren wir Einblicke in die Unterkünfte. Unsere Fotografen haben sich vor Ort umgeschaut und einige Impressionen zusammengetragen.Diese große Fabriksporthalle im Stadtteil Fechenheim dient als Notunterkunft für Flüchtlinge.

Derzeit betreut der Kreis 200 junge Leute zwischen 12 und 18 Jahren. 26 von ihnen sind in einer Gemeinschaftsunterkunft in Seligenstadt untergebracht – was keinesfalls eine Dauerlösung ist, 16 in einem Hotel in Obertshausen. Weitere 16 unbegleitete Jugendliche sind für die kommenden 14 Tage angekündigt. Rund 20 dieser Jugendlichen kommen aus Frankfurt, die regulär zugewiesen werden, dazu muss der Kreis die Jugendlichen aus der Notunterkunft in Neu-Isenburg übernehmen und immer wieder kommen auch „Selbstmelder“ im Kreis an.

Unkonventionell entscheiden

„Ich sage es ganz ehrlich, wir finden auch keine Träger mehr, die uns bei der Betreuung unterstützen. Wir haben jetzt selbst Stellen ausgeschrieben. Derzeit haben wir einen Mitarbeiter für 200 Jugendliche, eineinhalb Stellen kommen hoffentlich bis zum 15. Oktober dazu“, informierte Müller. Er könne inzwischen nicht mehr garantieren, dass nicht öffentliche Gebäude wie Sporthallen und Bürgerhäuser für Notunterkünfte genutzt werden müssen.

Müller ist sich auch nicht sicher, ob es bald zu Einschränkungen in der Verwaltung kommen wird, weil so viele Mitarbeiter für die Organisation gebraucht werden. „Deswegen bitte ich um Verständnis, dass wir einen solchen Bericht derzeit nicht verfassen können“, sagte Müller in seinem Appell an die Kreistagsabgeordneten.

Alle Kommunen und der Kreis verhandeln mit Anbietern von Gewerbeimmobilien. Dort, wo es möglich ist, werde in bestehenden Gemeinschaftsunterkünften verdichtet. Der Kreis müsse im Einzelfall auch schnell reagieren können und unkonventionelle Entscheidungen treffen. Weiter sucht der Kreis dringend nach größeren Objekten zur Anmietung. Dabei sind Hotels und Pensionen ebenso gefragt, wie Bürokomplexe oder Lagerhallen. Die Kommunen sind vor allem auf der Suche nach Wohnungen.

„Der Kreis und die Städte und Gemeinden bemühen sich nach all ihren Kräften, die Situation zu meistern, aber wir befinden uns ganz dicht am Limit der Belastbarkeit“, sagte Müller, der eine „spürbare Unterstützung und Entlastung“ von Land und Bund fordert.

Zur Startseite Mehr aus Kreise Offenbach/Groß Gerau

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen