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Ständige Verspätung: Die Dreieichbahn kommt nicht in Fahrt

Heiße Temperaturen, volle Züge und häufige Verspätungen: Die Dreieichbahn kommt aus der Kritik nicht heraus. Ein Bahnsprecher macht jetzt aber Hoffnung auf Besserung.
Bei den derzeitigen Temperaturen ärgern sich Bahnkunden besonders über die ständigen Verspätungen der Dreieichbahn. Bei den derzeitigen Temperaturen ärgern sich Bahnkunden besonders über die ständigen Verspätungen der Dreieichbahn.
Dreieich. 

Wie schlimm ist es wirklich in der Dreieichbahn? Ein kleiner Selbstversuch muss her: Zur besten Pendlerzeit stelle ich mich am Dienstagabend an den Bahnhof in Sprendlingen. Der Zug steht für 17.29 Uhr direkt vom Hauptbahnhof Frankfurt aus kommend im Plan. Ich warte. Ziemlich lange. Um 17.50 Uhr läuft die Dreieichbahn aus Richtung Buchschlag ein. Als sich die Türen öffnen, wird das Problem sichtbar. Es ist brechend voll, heiß und die Stimmung im Zug ist alles andere als gut.

„Das hier, knapp 20 Minuten Verspätung, ist keine Ausnahme, es ist eher die Regel“, sagt mir ein Mittdreißiger im hellen Anzug, der von seinem Arbeitsplatz in einer Bank in der Metropole nach Hause nach Urberach möchte. „Morgens sind die Züge total überfüllt und abends immer zu spät. In den vergangenen sechs Wochen haben diese Missstände aber eine besondere Qualität bekommen und es ist langsam nicht mehr lustig, Bahn zu fahren“, schimpft der Bankangestellte. Er gebe der Dreieichbahn jetzt noch eine Chance, denn von der Öffnung des Tunnels und dem Ende der Ferienzeit erhoffe er sich wieder mehr Regelmäßigkeit.

„Ich nehme mir ein Taxi“

Während er das sagt, geht ein leises Stöhnen durch die Dreieichbahn. Gerade sind wir in den Bahnhof Götzenhain eingefahren und der Lokführer macht die Durchsage, dass sich die Weiterfahrt um weitere fünf Minuten verzögert, weil wir im Bahnhof auf den Gegenzug warten müssen, zu den schon 21 Minuten kommen also fünf weitere hinzu. Eine junge Frau flucht leise vor sich hin. Als ich sie anspreche, sagt sie, dass sie die ganze Zeit noch hoffte, ihren Anschlusszug zu bekommen. „Ich nehme mir für das letzte Stück jetzt ein Taxi, ich stelle mich nicht noch eine halbe Stunde an den Bahnsteig“, kündigt die entnervte Pendlerin an.

Ja, es ist so schlimm, wie die Fraktionsvorsitzende der Bürger für Dreieich, Natascha Bingenheimer, in dieser Woche kritisierte. Inzwischen meldet sich auch Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos) zum Thema Dreieichbahn zu Wort. Er fordert, dass bereits heute dringend mehr für die Dreieichbahn getan werden muss, um die Verbindung attraktiv zu halten. Schon 2016 habe er sich dafür eingesetzt, die Dreieichbahnstrecke zu elektrifizieren und zumindest teilweise zweigleisig auszubauen.

„Diese Bitte wurde in Verbindung mit dem Projekt der Regionaltangente West konkreter aufgegriffen, bei dem nochmals klar wurde, wie wichtig ein funktionierender Verknüpfungspunkt am Bahnhof Buchschlag zur Dreieichbahn ist“, sagt Burlon. Er fordert von der DB-Regio und dem RMV als Auftraggeber eine unverzügliche Reaktion auf die aktuellen Missstände.

Störanfälligkeit

Sofern er in Frankfurt zu tun habe, nutze er selbst gerne die Dreieichbahn. „Ich war daher im Juli auch – zwar von keinem Zugausfall – jedoch von einem stark verkürzten Zug betroffen, der nicht alle wartenden Passagiere aufnehmen konnte. Einige andere Passagiere und ich mussten daher mit dem zusätzlichen Hindernis der Tunnelsperrung andere Wege zurück nach Dreieich suchen.“

Es könne nicht sein, dass die Bürger, die den ÖPNV für sich erkannt haben, wieder in das Kraftfahrzeug zurück getrieben werden. „Das kann nicht im Sinne einer nachhaltigen Mobilität im Ballungsraum Rhein-Main sein, es gilt, die Dreieichbahn wieder in die Spur zu bringen und auf Sicht durch bauliche Veränderungen und Verbesserungen die Störanfälligkeit zu minimieren“, so Burlon.

Bahnsprecher Thomas Bischoff macht Hoffnung auf Besserung. Die neuen und damit weniger störanfälligen Bahnen können noch in diesem Jahr auf der Strecke zwischen Dieburg und Frankfurt aufs Gleis gesetzt werden. „Bei den Triebwagen der polnischen Firma PESA gab es Lieferschwierigkeiten, weil sie bei der ersten Auslieferung auf einer anderen Strecke zunächst keine Zulassung vom Eisenbahnbundesamt bekommen haben. Das Unternehmen musste nachbessern – daher die Verzögerung“, erläutert Bischoff. Bis zum ersten Quartal 2019 sollen aber alle neun neuen Triebwagen fahren. „Das ist in Sachen Komfort und Fahrgastinformation eine deutliche Verbesserung“, kündigt Bischoff an.

Die größten Probleme der Verspätung sieht er in der Eingleisigkeit der Strecke begründet. Auch die derzeitigen Temperaturen machten den Zügen zu schaffen: „Wir wissen, das darf nicht passieren, aber die Technik der Züge und auch der Bahnübergänge haben bei 40 Grad schon mal Schwierigkeiten“, so Bischoff weiter. Seit Montag sorgt eine Betriebsstörung im Stellwerk in Groß-Rohrheim für weitere Belastung: Alle Züge der Rhein-Neckar-Bahn müssen umgeleitet werden – mehr Verkehr auf den Strecken bedeutet mehr Schwierigkeiten für die Dreieichbahn auf dem Weg zum Frankfurter Hauptbahnhof.

 

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