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Flüchtlinge: „Humanität steht im Vordergrund“

Von Während einer Matinee setzten sich die Grünen eingehend mit dem Thema Flüchtlinge auseinander. Erster Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn erklärte, auf die Unterbringung in Turnhallen werde weiter verzichtet.
Silvia Weber und Franz-Rudolf Urhahn informierten bei einer Veranstaltung der Grünen im Kinotreff „Lichtblick“ über die  Flüchtlingssituation. Foto: Uwe Grünheid Silvia Weber und Franz-Rudolf Urhahn informierten bei einer Veranstaltung der Grünen im Kinotreff „Lichtblick“ über die Flüchtlingssituation.
Mörfelden-Walldorf. 

Erster Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn (Grüne) warnte während der Matinee der Ökopartei zum Thema Flüchtlinge im Kino „Lichtblick“ davor, denjenigen auf die „Leimrute“ zu gehen, die meinen, es sei genug. „Wir wollen niemanden auf der Flucht sterben, verhungern lassen. Die Humanität steht im Vordergrund“, betonte er. Zugleich wandte er sich gegen das Vorurteil, die Flüchtlinge wollten nur unser Geld. Hier müsse die Realität zurechtgerückt werden, denn: „Unsere Gesellschaft ist schweinereich.“ Urhahn erinnerte an die Abwrackprämie 2009, als in neun Monaten fünf Milliarden Euro unters Volk gebracht wurden, als Konjunkturprogramm für die Autoindustrie. Auch jeder Euro, den die Flüchtlinge als Taschengeld erhielten, gehe in den Konsum. Dies sei quasi ein Konjunkturprogramm für Supermärkte.

Im Weiteren berichtete Urhahn, der auch die Funktion des Sozialdezernenten wahrnimmt, dass bereits 2014 die Fluchtbewegung aus dem Krisengebiet Syrien eingesetzt habe. Damals sei dies, obwohl sich schon 133 Flüchtlinge in Mörfelden aufhielten, von der Öffentlichkeit noch nicht wahrgenommen worden. Dennoch seien seitens der Stadt bereits Vorbereitungen für die Aufnahme weiterer Asylsuchenden getroffen worden, etwa mit der Anmietung des Hotels Albatros. Es sei das erste Hotel im Kreis Groß-Gerau gewesen, das für diesen Zweck genutzt wurde, und schon im Dezember 2014 seien dort die ersten Flüchtlinge eingezogen.

Wohnhäuser reaktiviert

Bei all dem habe die Stadt auf Erfahrungen zurückgreifen können, die sie 30 Jahre zuvor bei der Balkankrise gesammelt habe. Im Vordergrund habe dabei die dezentrale Unterbringung gestanden, um Konflikte zu vermeiden. Damals seien für die Unterbringung der Balkan-Flüchtlinge Wohnhäuser gekauft worden, erläuterte Urhahn.

Ähnlich werde auch bei der aktuellen Situation verfahren. Zusätzlich zum Hotel Albatros wurden etliche dieser Wohnhäuser wieder reaktiviert. Doch 2015 habe sich die Situation angespannter entwickelt als angenommen. Die einsetzende „Völkerwanderung“ habe, weg von Griechenland und dem drohenden Grexit, mehr Aufmerksamkeit gefunden. Doch erst im August, September sei das Ausmaß der Fluchtbewegung wirklich erkannt worden.

Im vergangenen Jahr habe die Stadt 225 Menschen aufgenommen, darunter 14 Kita-Kinder. „Bei dieser Zahl kommen wir bei den Kitaplätzen nicht ins Schwimmen“, so Urhahn. Eines aber habe sich 2015 grundlegend geändert: Es kamen keine Asylbewerber mehr aus den Balkanländern. Diese nämlich werden von den Erstaufnahmeeinrichtungen nicht mehr auf die Kreise und Kommunen verteilt, sondern zumeist gleich wieder in ihre Herkunftsländer zurückgeführt.

Im laufenden Jahr werden in Mörfelden-Walldorf 595 Flüchtlinge erwartet, von denen bereits 33 angekommen seien. Untergebracht werden sie in städtischen Wohnungen und Häusern sowie in öffentlichen Einrichtungen, etwa im Waldenserhof, der Stadthalle oder im Bahnhof Mörfelden. Dort seien Wände eingezogen worden, so dass kleine Räume entstanden seien. Das sei besser als die Unterbringung der Flüchtlinge in Turnhallen mit Feldbetten, betonte Urhahn.

Ende März 2015 werde es Platz für 178 Flüchtlinge in städtischen Einrichtungen geben – ohne das Hotel Albatros, das vom Kreis betrieben wird. Im zweiten Quartal werden die Container im Nordring, ehemals Kita XI, vom Kreis angemietet. Außerdem werde für die Anmietung zusätzlicher Räume mit weiteren Hotels und mit den Inhabern von Bürogebäuden verhandelt. Urhahn ist sich sicher, dass so bis zum Ende des zweiten Quartals Platz für die avisierten 595 Flüchtlinge geschaffen werden kann, ohne auf städtische Sporthallen zurückgreifen zu müssen.

Keine Sozialpädagogen

Silvia Weber, Mitglied der Grünen-Kreistagsfraktion, berichtete, dass es im Kreis keinerlei Zeltunterkünfte gebe. Ebenso wie in Mörfelden-Walldorf werde auf feste Gebäude wert gelegt. Nur kurzfristig sei eine Sporthalle in Biebesheim für die Unterbringung von 500 Flüchtlingen genutzt worden. Doch dies sei eine Ausnahme gewesen, die Halle sei wieder frei. Probleme allerdings gebe es bei der Betreuung der Flüchtlinge, denn der Arbeitsmarkt an Sozialpädagogen sei leer gefegt.

Klaus Heyer, Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Wohnungssuche im städtischen Integrationsbüro, schilderte, dass es 2015 gelungen sei, 17 Mietverträge für Flüchtlinge abzuschließen. Im laufenden Jahr seien es bereits sieben, wobei es jeweils die Vermieter seien, welche die Entscheidung treffen.

Muhamed Awad, der Ägypter lebt seit 40 Jahren in Deutschland, schilderte seine aktuellen Erfahrungen mit den Flüchtlingen. Sie seien sehr froh darüber, in Mörfelden-Walldorf zu sein. Doch viele seien auch unglücklich, weil sie arbeiten wollen, aber nicht dürfen. Viele Arbeitsmöglichkeiten, etwa auf dem Flughafen, könnten nicht genutzt werden, weil den Flüchtlingen Papiere fehlen.

Im Anschluss an den informativen Teil konnten sich die Besucher der Matinee noch an dem Film „Happy Welcome“ erfreuen. Er zeigt den Einsatz der „Clowns ohne Grenzen“ in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Deutschland.

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