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Flüchtlingsunterkunft in der Böllensee-Siedlung: Vom Willkommen zum Ankommen

Die neue Flüchtlingsunterkunft in der Böllensee-Siedlung ist bezugsfertig: Der Komplex der Gesellschaft für Wohnen und Bauen bietet 98 Menschen Platz.
Dennis Grieser (v. l.), Thomas Steininger, Torsten Regenstein,Silke Stolzmann, Carmen Größ und Eva-Maria Buro-Höhler besichtigen den neuen Wohnkomplex für Flüchtlinge. Foto: Charlotte Martin Dennis Grieser (v. l.), Thomas Steininger, Torsten Regenstein,Silke Stolzmann, Carmen Größ und Eva-Maria Buro-Höhler besichtigen den neuen Wohnkomplex für Flüchtlinge.
Rüsselsheim. 

Nicht nur die modernen Bäder und chromblitzenden Küchen sind eingebaut, auch erste Bettgestelle stehen schon: Man denke sich Matratzen, Kissen und Decken dazu – und schon haben zwei Frauen oder auch eine Mutter mit Kind in einer der 16 Wohneinheiten einen sicheren, gemütlichen Schlafplatz.

Am Mittwoch war die Schlüsselübergabe an Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) für eine neue Flüchtlingsunterkunft in der Böllenseesiedlung, wobei erstmals ein separater Wohnbereich für 30 Frauen und Kinder erstellt wurde. 68 weitere Flüchtlinge finden im zweiten Modul des rechtwinklig ausgerichteten Wohnkomplexes an der Darmstädter Straße eine moderne Heimstatt. Über den abgegrenzten Teil für Frauen freuen sich besonders auch Carmen Größ, Silke Stolzmann und Eva-Maria Burok-Höhler vom Frauenzentrum, das gegenüber beheimatet ist.

Meist traumatisiert

„Der Magistrat hatte 2015 Anregungen aus der Frauenkammer zugestimmt, erstmals eine reine Flüchtlingsfrauenunterkunft zu bauen. Frauen, die hierher kommen, sind meist traumatisiert, haben andere Fluchterfahrungen machen müssen als Männer und finden bei uns im Frauenzentrum psychische Stabilisierung, individuelle Beratung sowie vielerlei Unterstützung, um selbstbestimmt am Leben teilzuhaben“, so Carmen Größ.

„In Deutschland angekommen“ – IDA – heißt das Projekt, das mit niedrigschwelligen Angeboten sowie aufsuchender Beratung bei den neuen Nachbarinnen hilfreich zur Stelle ist. „Nicht nur hier freilich – aber sicher mit einem Schwerpunkt. Insgesamt wendet sich IDA, gefördert von der Aktion Mensch, an alle Flüchtlingsfrauen oder Migrantinnen, auch solche, die schon länger hier leben.“

Bauherr der drei Millionen Euro teuren, gemäß neuester Energiesparverordnung errichteten Gemeinschaftsunterkunft auf dem Gelände des Landrat-Harth-Heims ist die Gesellschaft für Wohnen und Bauen (Gewobau). Geschäftsführer Torsten Regenstein und Thomas Steininger, Leiter Technik und Bau, stellten das helle, freundliche Haus mit Solaranlage beim Rundgang in seiner Modernität vor – Schlaf- und Mehrzweckräume, Wasch- und Trockenräume, Büro- und Lagerräume für Sozialarbeiter und Hausmeister wurden besichtigt.

Menschenwürdiges Leben

„Die Gestaltung der 14 kleineren und zwei größeren Wohneinheiten mit drei oder vier Schlafräumen auf insgesamt knapp 1052 Quadratmetern zielt auf menschenwürdiges Leben ab“, so der Geschäftsführer. Moderne Küchen und Badezimmer in den auf über drei Geschosse verteilten Wohneinheiten seien geeignet, soziales Miteinander, aber auch notwendige soziale Kontrolle in kleinen Wohngemeinschaften zu schaffen, sagte Dennis Grieser.

„Auf individuelle Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen, ist möglich. Die Gestaltung ist ansprechend, man soll sich wohlfühlen“, so Grieser. Denn: „Wo Menschen sich gern aufhalten, übernehmen sie Verantwortung, gehen pfleglich mit Dingen um.“ Auch ermögliche die kleinteilige Bauweise eventuell eine spätere Umwidmung auf Sozialwohnungsniveau, so Grieser. Doch das ist Zukunftsmusik, denn jetzt ist der Erstbezug von Flüchtlingen für September geplant.

„Wir achten darauf, dass Menschen zusammengeführt werden, die aufgrund von Sprache, Religion und Kultur miteinander harmonieren können“, so der Bürgermeister. Im Zuge des Umdenkens vom Willkommen zum Ankommen seien Wohnkonzepte „mit langem Flur und zellenähnlicher Aufteilung“ wie in den teils zwanzig Jahre alten Häusern am Flörsheimer Weg überholt, so Grieser. „Diese Gebäude werden als stille Reserve fungieren, denn wenn wir auch derzeit nur 20 bis 25 Zuweisungen von Flüchtlingen pro Woche haben, wissen wir doch nicht, wie es mit dem Türkei-Deal weitergeht und wie viele Flüchtlinge tatsächlich noch nach Deutschland kommen.“ Ein Drittel der in Rüsselseheim lebenden Flüchtlinge – „es sind knapp 900“ – seien weiblich, zwei Drittel unter 30 Jahre alt – und die meisten kämen aus Syrien, erklärte Grieser.

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