E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Limburg an der Lahn 30°C

Orientierungshilfen für Flüchtlinge: „Wie Deutschland funktioniert“

Von Im Kreis Offenbach leben derzeit rund 4000 Flüchtlinge, für die ein breites Sprach- und Integrationsangebot geschaffen wurde. Unterstützt wird dies von September an von zwei neuen Flüchtlingskoordinatoren.
Ein Schüler schreibt das Wort Integration an die Tafel. Das Integrationsgesetz, das nun in Kraft tritt, soll den Zugang von Flüchtlingen zum Arbeitsmarkt erleichtern. Es gelten gleichzeitig aber auch strengere Regeln gegenüber „Integrationsverweigerern”. Symbolbild Foto: Armin Weigel (dpa) Ein Schüler schreibt das Wort Integration an die Tafel. Das Integrationsgesetz, das nun in Kraft tritt, soll den Zugang von Flüchtlingen zum Arbeitsmarkt erleichtern. Es gelten gleichzeitig aber auch strengere Regeln gegenüber „Integrationsverweigerern”. Symbolbild
Kresi Offenbach. 

Vor einem Jahr habe die Bewältigung des Flüchtlingsstroms und die Unterbringung dieser Menschen an erster Stelle gestanden, sagte Landrat Oliver Quilling (CDU). Doch jetzt sei eine deutliche Entspannung eingetreten, denn seit dem Frühjahr sei die Zahl der Zuwanderer auch im Kreis Offenbach zurückgegangen. Seien es im vierten Quartal 2015 noch 1032 und im ersten Quartal 2016 1117 Flüchtlinge gewesen, die im Kreis ankamen, so ging deren Zahl im zweiten Quartal auf 297 Menschen zurück, die in den 17 Unterkünften untergebracht werden mussten. Im dritten Quartal werde der Kreis laut dem Regierungspräsidium Darmstadt 285 Flüchtlinge aufnehmen müssen.

Im Mittelpunkt stehe daher nicht mehr die Beschaffung von Unterkünften, sondern die Integration der Asylbewerber, so Quilling, wobei es nunmehr in erster Linie darum gehe, die Flüchtlinge, die eine Bleibeperspektive haben, zu fördern, also diejenigen, die aus Syrien, Iran, Irak, Eritrea und neuerdings auch Somalia kommen. Ausgeschlossen seien allerdings die Afghanen, die in großer Zahl im Kreis vertreten seien. Von den rund 4000 Flüchtlingen, die im Kreis Offenbach leben, kommen etwa 2000 aus dem Hindukusch.

Bei dauerhaftem Aufenthalt

Die Verantwortung für die Integration liege zunächst in den Händen der Kreisvolkshochschule (KVHS). Bereits im vergangenen Jahr habe es im Kreis rund 40 Integrationskurse für je 20 Teilnehmer gegeben. In diesem Jahr solle die Zahl dieser Kurse verdoppelt werden, 40 seien bereits im ersten Halbjahr gelaufen, im zweiten Halbjahr stehe noch einmal die gleiche Zahl auf dem Programm. Daneben gebe es als freiwillige Leistung Orientierungshilfekurse, in denen die Teilnehmer erfahren, „wie Deutschland funktioniert“, erläuterte Quilling.

Eine weitere Säule der Integration durch Sprachkompetenz sei das vom Land Hesses initiierte Programm „Mitsprache – Deutsch 4U“, das sich vorrangig an Zuwanderer richte, bei denen ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten sei, führte der Landrat aus. Im Kreis gebe es in diesem Jahr zunächst fünf Kurse in Langen, Egelsbach, Mühlheim und Rodgau für etwa 80 Flüchtlinge.

Darüber hinaus lernen junge Zuwanderer in den Schulen Deutsch. Für jüngere Flüchtlinge habe es Ende des vergangenen Schuljahres insgesamt 47 Intensiv-Klassen gegeben, 10 in Grundschulen, 12 in Haupt- und Realschulen, 22 in Gesamtschulen und 3 in Förderschulen. Außerdem besuchen etwa 350 Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 18 Jahren „InteA“-Klassen (Integration und Abschluss), die in den berufsbildenden Schulen in Stadt und Kreis Offenbach angesiedelt seien, so der Landrat aus.

72 freiwillige Rückkehrer

Zusätzlich zu diesen Angeboten engagieren sich in allen Kommunen des Kreises viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer in der Sprachförderung. Für diese habe die KVHS ein eigenes Fortbildungsprogramm entwickelt, um sie bei ihrer sprachpädagogischen Arbeit zu unterstützen. An diesen Kursen haben bisher rund 300 Helfer teilgenommen.

Nach der Vermittlung von Sprachkenntnissen gehe der Weg der Integration mit der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz weiter. Unterstützt werde der Kreis dabei von der Agentur für Arbeit, den Fachkräften im Welcome Center, das im Auftrag der Pro Arbeit des Kreises eingerichtet wurde, und von der Industrie- und Handelskammer.

Um das breite Sprach- und Integrationsangebot des Kreises noch effektiver zu gestalten, werde der Kreis von September an zwei neue Flüchtlingskoordinatoren beschäftigen, so Quilling. Diese beiden Fachleute werden untersuchen, welche Bildungsangebote ergänzt werden können, ob alle Zuwanderer erreicht werden, ob die Angebote effizient sind und für einen Ausgleich sorgen, falls es irgendwo zu viele und andernorts zu wenig Kurse gibt.

Probleme allerdings gebe es etwa bei der Betreuung traumatisierter Flüchtlinge, für die Sozialarbeiter des Kreises zuständig seien. Denn ein Sozialarbeiter betreue 80 Flüchtlinge. In diesem Falle sei Deutschland überfordert, so der Landrat, der aber darauf hinwies, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres 72 Flüchtlinge freiwillig in ihre Heimatländer zurückgekehrt seien. Diese Rückkehrer erhalten vom Staat Hilfeleistungen für die Startphase, etwa für Afghanistan und Irak 750 Euro für einen Erwachsenen und 375 Euro für ein Kind unter zwölf Jahren.

Zur Startseite Mehr aus Kreise Offenbach/Groß Gerau

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen