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Flüchtlinge in Limburg: 195 Kinder in Intensivklassen

Ein eigener Klassenraum, besonders ausgebildete Lehrer und eigenes Material: In sogenannten Intensivklassen soll Flüchtlingskindern das Deutschlernen und die Integration leicht gemacht werden. Im Landkreis Limburg-Weilburg bieten sieben Schulen solche Klassen an – und die sind voll.
Kinder spielen auf dem Gelände der Außenstelle der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen. Foto: Arne Dedert (dpa) Kinder spielen auf dem Gelände der Außenstelle der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen.
Limburg-Weilburg. 

. Flüchtlingskindern und Jugendlichen möglichst gute Aufnahmebedingungen und Bildungsmöglichkeiten zu schaffen, ist das erklärte Ziel der heimischen Schulen und des Staatlichen Schulamtes. Dazu hat die Behörde in Weilburg ein Aufnahme- und Beratungszentrum für Seiteneinsteiger und Flüchtlinge (ABZ) eingerichtet, das die Schulen bei ihrer Arbeit unterstützt. Aufgabe von Schulamtsdirektorin Ursula Saathoff und ihrem Team ist es, Kinder und Jugendliche, die nach Deutschland geflohen sind und sich in der Region aufhalten, so schnell wie möglich an einer Schule in den Kreisen Limburg-Weilburg und Lahn-Dill einen Platz anzubieten.

In der Einrichtung steht das Telefon derzeit nicht still. Vertreter von Jugend- und Sozialämtern, Schulen, aber auch ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung engagierte Bürger melden stündlich neu eingereiste Kinder und Jugendliche und fragen nach freien Plätzen an den Schulen. „Nur wer die deutsche Sprache beherrscht, kann erfolgreich in der Schule sein und damit eine Grundlage für eine gelingende Integration schaffen“, sagt Ursula Saathoff. Insofern ist es nicht nur die bestehende Schulpflicht, die ebenfalls für Flüchtlingskinder gilt, sondern auch diese Überzeugung, die das Team und die Verantwortlichen an den Schulen antreiben, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für eine gelungene Aufnahme zu schaffen.

Einfaches Verfahren

Dazu gehört, dass das Verfahren so einfach wie möglich gestaltet wird. Bewusst verzichtet das Schulamt darauf, dass die Asylbewerber persönlich in Weilburg oder an einer Schule vorsprechen müssen. „Es reicht aus, dem ABZ per E-Mail oder auch telefonisch die Kontaktdaten und das Alter des Kindes oder Jugendlichen zu übermitteln“, erläutert Saathoff. Anhand des Alters stimmt die Behörde mit den in Frage kommenden Schulen ab, wo die Aufnahme erfolgen kann.

„Die Kinder werden erst beschult, wenn sie fest weiterverteilt sind“, sagt Schulamtssprecher Dirk Fredl. Die im Flüchtlingscamp in Staffel untergebrachten Jungen und Mädchen werden deshalb noch nicht unterrichtet. „Sie auf eine Schule zu verteilen und sich eingewöhnen zu lassen, wäre nicht zielführend, auch für die Kinder nicht“, sagt Fredl. In Auffanglagern solle das Freiwilligenangebot greifen.

Sobald sie mit ihren Eltern einen festen Aufenthaltsort gefunden haben, können die Kinder in sogenannte Intensivklassen aufgenommen werden. Dort wird Deutsch als Zweitsprache unterrichtet. Auch Kinder, die mit ihren Eltern nicht geflüchtet, sondern „normal“ zugewandert sind, kommen in Intensivklassen. Je nach Alter besuchen die Flüchtlinge sogenannte Intensivklassen an allgemeinbildenden Schulen oder werden in das InteA-Programm an einer beruflichen Schule aufgenommen (InteA steht für „Integration und Abschluss“ und richtet sich an 16- bis 18-Jährige). Zum Schuljahresbeginn am 7. September besuchten im Kreis Limburg-Weilburg 125 Kinder eine Intensiv-Klasse, acht Tage später zählte das Schulamt 195.

Schwankende Zahlen

Eine organisatorische Herausforderung für die Schulen ist unter anderem die unterschiedliche Aufenthaltsdauer der Flüchtlinge. Viele sind nur einige Wochen in der Region, andere werden voraussichtlich längerfristig die Schule besuchen können. Hinzu kommen täglich neue Flüchtlinge, die in die Intensivklassen integriert werden müssen. „Deshalb schwanken die Schülerzahlen in den Klassen enorm“, schildert der Leitende Schulamtsdirektor Markus Topitsch die Situation vor Ort. Eine Klasse, die heute noch voll sei, könne vielleicht schon morgen wieder neue Flüchtlinge aufnehmen. Wenn das Platzangebot an einer Schule ausgeschöpft sei, bemühe sich die Behörde um eine zeitnahe Nachsteuerung, so Topitsch.

Im Landkreis bietet die Limburger Adolf-Reichwein-Schule in Kooperation mit der Weilburger Wilhelm-Knapp-Schule InteA-Plätze an. Darüber hinaus gibt es derzeit an folgenden allgemeinbildenden Schulen Intensivklassen: Erlenbachschule (Elz), Erich-Kästner-Schule (Limburg), Goetheschule (Limburg), Theodor-Heuss-Schule (Limburg), Franz-Leuninger-Schule (Mengerskirchen), Heinrich-von-Gagern-Schule (Weilburg), Pestalozzischule (Weilburg).

Eine Intensivklasse besteht aus mindestens zehn und maximal 19 Kindern. „Ab 20 Schülern wird eine neue Klasse eingerichtet, wenn die Zahlen stabil sind, sprich, wenn absehbar ist, dass die Kinder an der Schule bleiben und nicht demnächst wegziehen“, erläutert Fredl. In der Grundschule werden in Intensivklassen 18 Stunden Deutsch unterrichtet, an weiterführenden Schulen sind es 22. In den übrigen Stunden nehmen die Kinder und Jugendlichen am Unterricht in Fächern wie Sport, Kunst oder Musik teil.

Welche Erfahrungen machen die Schulen? „Wir haben eine Intensivklasse – und die ist voll!“, sagt Nicole Schäfer, Rektorin der Franz-Leuninger-Schule in Mengerskirchen. „Ich bin sehr erstaunt, wie schnell die Kinder lernen“, sagt sie. „Manche sprechen nach einem Vierteljahr schon sehr gut Deutsch.“ Jeweils zwei Schüler besuchen zusätzlich gemeinsam eine normale Klasse, um sich schneller zu integrieren. Darüber hinaus werden die Kinder in AGs wie Fußball oder Ballett aufgenommen. „Wir schauen auch, dass die Kinder schnell in einen Verein kommen“, sagte die Schulleiterin.

An der Erlenbachschule in Elz gibt es zwei Intensivklassen, eine für die Jahrgangsstufen 1 bis 4 und eine ab der Sekundarstufe I. Pro Klasse sind es auch hier 16 bis 17 Kinder. „Die Vorbildung der Flüchtlingskinder ist sehr gut“, sagt Schulleiter Karsten Keller. Im Moment hätte die Intensivklasse viele Kinder, von denen zumindest ein Elternteil schon Deutsch könne. Das sei häufig der Vater, der schon mal in Deutschland gearbeitet habe. „Nicht nur die sprachliche, auch die gesellschaftliche Bildung der Kinder ist wichtig“, sagt Keller. Deshalb besuchen auch hier die Schüler neben vier Stunden in der Intensivklasse für zwei Stunden am Tag auch eine normale Klasse, die ihrem Alter entspricht.

Deutsch ist die Basis

Feste Lehrkräfte für die Intensivklassen gibt es auch an der Limburger Goethe-Schule. Und die zwei Intensivklassen – eine für Kinder, die schon ein wenig Deutsch sprechen und eine für Kinder ohne Deutschkenntnisse – sind auch hier voll. Nach Angaben von Rektor Klaus Müller haben die Jungen und Mädchen mindestens 25 Stunden Unterricht über fünf Tage verteilt – mehr als vom Schulamt zugewiesen. Dazu kommen noch für alle Altersklassen gemeinsame AGs. Nach einem Jahr sollen die Schüler in den normalen Schulalltag integriert werden. „Ich bin der Meinung, dass zunächst eine Basis in Form von Sprache da sein muss“, sagt Müller. Das sei letztlich grundlegend für die Integration.

Auch die Eltern spielen bei der Integration ihrer Kinder eine wichtige Rolle. „Der häusliche Beistand der Kinder ist unterschiedlich“, sagt Eveline Hannappel, Rektorin der Erich-Kästner-Grundschule. „Es gibt Eltern, die sind sehr dahinter her, dass ihre Kinder Deutsch lernen. Bei anderen ist das dann wieder weniger“. Derzeit werden an der Erich-Kästner-Schule 23 Schüler in einer Intensivklasse unterrichtet, eine zweite Klasse wurde aber bereits genehmigt.

(mue)
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