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Polizei nimmt Ermittlungen auf: 76-Jährige Heimbewohnerin zieht sich gefährliche Verbrennungen zu

Die Bewohnerin eines Elzer Seniorenheims hat am Sonntag so schwere Verbrennungen erlitten, dass sie mit dem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen werden musste. Ein Nachbar wirft dem Pflegepersonal Planlosigkeit vor. Und die Polizei – weiß von nichts.
Foto: Fotolia
Elz. 

Was geschah am Sonntag auf der Terrasse des Seniorenwohnheims „Haus Elz“? Diese Frage stellen sich verschiedene Parteien. Fest steht: Am frühen Nachmittag will eine 76-Jährige auf der Terrasse eine Zigarette rauchen. „Weil sie körperlich eingeschränkt ist, wird sie dabei immer von Pflegekräften begleitet“, sagt Einrichtungsleiterin Beate Bode. Die schieben den Rollstuhl der Frau nach draußen, zünden ihr eine Zigarette an und warten, bis sie fertig ist. Als sie sie wieder ins Zimmer schieben wollen, bittet die Dame, ein wenig draußen bleiben zu dürfen. Die Pflegekräfte gehen zurück an ihre Arbeit. Fest steht auch: Um 13.30 Uhr geht ein Notruf bei der Limburger Leitstelle ein. „Man ging von schweren Verbrennungen aus“, sagt Erster Kreisbeigeordneter Helmut Jung stellvertretend für die Rettungsdienstleitung, die beim Landkreis angesiedelt ist. Sofort wird ein Hubschrauber losgeschickt, der die Frau in eine Spezialklinik nach Ludwigshafen fliegt. Die Frau ist die ganze Zeit über ansprechbar.

Nachbar hört Geräusche

„Wir vermuten, dass sie versucht hat, sich selber eine Zigarette anzuzünden“, sagt Bode. Zigaretten und Feuerzeug wolle die starke Raucherin immer bei sich haben. Was weiter geschah, beschreibt Nachbar Michael Menzner. Er sei im Keller gewesen und habe ein Geräusch gehört „wie von zwei Katzen, die sich bedrängen“. Und zwar sieben bis acht Minuten lang. Er sei zum Zaun des Seniorenheims gelaufen und habe „etwas brennen und qualmen sehen“. In dem Moment, in dem er über den Zaun sprang um zu helfen, sei auch eine Pflegerin gekommen, die mit einem Tuch die Flammen erstickt habe. „Die ganze rechte Seite bis hoch zur Schulter war verbrannt.“ Seiner Meinung nach hätte man die Dame in Schocklage legen müssen, stattdessen sei ein Pfleger mit einem Eimer Wasser gekommen. Er empfand das Pflegepersonal als „planlos“.

So will Bode das nicht stehen lassen. „Als meine Mitarbeiterin den Hilferuf gehört hat, ist sie sofort mit einem Kollegen auf die Terrasse geeilt und hat die Bewohnerin erstversorgt.“ Dann sei die Bewohnerin in den Wohnbereich geschoben worden, um die Wunden zu kühlen. „Natürlich ist es als Außenstehender leicht zu sagen: Wir haben die Aufsichtspflicht verletzt“, sagt Bode. „Aber unsere Bewohner haben ein Selbstbestimmungsrecht und wir werden sie sicher nicht dazu zwingen, ins Haus zu gehen, wenn sie das nicht wollen.“ Auch, der Dame Zigaretten und Feuerzeug wegzunehmen, hätte deren persönliche Freiheit beschnitten. „Und das wollen wir nicht, auch wenn wir alle selbst sehr bestürzt sind.“ Die dritte Möglichkeit, eine Pflegekraft auf dem Balkon zu lassen, sei im Alltagsbetrieb nicht möglich gewesen.

„Ausnahmesituation“

Bleibt die Frage: War das Pflegepersonal planlos? „Das sind Ausnahmesituationen, da kann man keine Routine entwickeln“, sagt der stellvertretende Kreisbrandinspektor Thomas Schmidt. Deshalb könne er auch nur schwer Tipps geben, was man tun könne, wenn ein Mensch Feuer fängt. Der Mensch selbst bestehe zu einem Großteil aus Wasser und brenne nicht sofort. Entscheidend seien Kleidung und Umstände: Kleidung mit hohem Kunstfaseranteil brennt schneller als Baumwolljeans, Wind entfacht Feuer schneller als kein Wind. Am Sinnvollsten sei es, eine Decke oder eine Jacke über die Brandstelle zu legen und das Feuer zu ersticken oder auszuschlagen. „Hauptsache, man tut irgendwas.“

Einen ganz anderen Blick auf den Vorfall hat Polizeisprecher Markus Hoffmann. „Wir werden über jeden brennenden Kochtopf informiert. Darüber nicht“, sagt er. „Für uns ein absolutes Rätsel.“ Keineswegs, entgegnet Helmut Jung. „Es gab keinen Anhaltspunkt für eine Straftat und es war kein Verkehrsunfall. Dann ist es nicht die Regel, dass man die Polizei ruft.“ Zumal das Pflegeheim selbst den Notruf abgesetzt habe. „Dann hätte man die Sache anders bewertet, aber so ging man davon aus, dass alles mit rechten Dingen zugeht.“ Die Polizei hat nun ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, das klären soll, ob unterlassene Hilfeleistung vorliegt und warum die Leitstelle sie nicht eingeschaltet hat. Die 76-Jährige bleibt bis auf weiteres in der Ludwigshafener Klinik. Sobald ihr Zustand stabil genug ist, soll sie eine Hauttransplantation bekommen.

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