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Podiumsgespräch des Bistums: 8000 Flüchtlinge nicht erfasst

Nach dem Improvisieren kommt das Strukturieren: Das zweite Podiumsgespräch des Bistums unter dem Titel „Jesus war Flüchtling, kein Tourist“ drehte sich vor allem um die Frage, wie es geordnet weitergehen soll mit Versorgung und Integration der neuen Nachbarn.
Flüchtlinge (Symbolbild) Foto: imago stock&people Flüchtlinge (Symbolbild)
Limburg. 

Wenn er gefragt werde, was er eigentlich mache, antworte er: ,Ich baue am größten Netzwerk aller Zeiten.“ Stefan Sydow, der führende Mann der Asyl-Abteilung im Sozialministerium, saß diesmal mit am Podium zur Lage der Flüchtlinge.

In der ersten Diskussionsrunde vor einem Jahr waren gut dreimal so viele Zuhörer im Bischofshaus: rund 60. Professor Dr. Joachim Valentin, Leiter des Frankfurter Hauses am Dom, moderierte als Gastgeber auch die Fortsetzung.

Ministerialdirigent Stefan Sydow sitzt seit September an der zentralen Stelle im Wiesbadener Ministerium. Bis zu 2700 Menschen standen täglich auf der Matte – angesichts der damals vorhandenen Strukturen „der absolute Gau“, sagte er. „Bei uns war kein Flüchtling obdachlos“, sieht Sydow eine Hauptaufgabe klar erfüllt. Dank „stiller Helden, die einfach angepackt haben“, sei es gelungen, in Hessen ein Netzwerk aufzubauen, um innerhalb eines halben Jahres 116 000 Flüchtlinge aufzunehmen. Mancher Helfer habe „ganz neue Fähigkeiten an sich selbst entdeckt“.

Feste Strukturen schaffen

Jetzt müsse viel aufgearbeitet werden. Beispielsweise seien 8000 Flüchtlinge noch gar nicht erfasst. Abläufe sollen standardisiert und feste Strukturen geschaffen werden. Die Prozesse von Bund und Land sollen zusammengefasst werden. Ziel müsse sein, in einfachen Fällen innerhalb von sieben Tagen über einen Asylantrag zu entscheiden.

Von einem „bewegenden Engagement“, das bis heute anhält, sprach Annegret Huchler, Beauftragte des Bistums Limburg für Willkommenskultur für Flüchtlinge. Huchler schilderte, was die Kirche tut, um die Helfer besser zu qualifizieren und immer wieder neu zu motivieren. Neben der praktischen Hilfe würden Angebote gemacht zur Vermittlung des Glaubens. Nicht nur die Flüchtlinge selbst, sondern auch die Helfer würden in den Behörden hin- und hergeschickt. Huchler kritisierte auch die Praxis, Kitas nicht zu informieren, wenn Flüchtlinge abgeschoben werden. „Für die Planung ist das einfach ein Unding.“

Huchler sieht die „Drei-Klassen-Gesellschaft“ unter den Flüchtlingen kritisch: Auch Asylsuchende ohne Aussicht auf Bleiberecht könnten Deutsch-Kurse sicher nicht schaden. Zudem gebe es Formulare, die kaum ein Deutscher verstehe. Huchler regte an, sie in die drei Hauptsprachgruppen übersetzen zu lassen.

Eine Kritik an fehlenden Sprachkursen konnte Stefan Sydow entkräften. Durch die Konzentration könnten bald in allen 19 Erstaufnahme-Einrichtungen ein niedrigschwelliger Sprachen- und Werteunterricht laufen.

In 17 von 26 Landkreisen betreibt die Caritas Flüchtlingsberatungsstellen – ohne Landesförderung. Merhawit Desta vom Diözesancaritasverband bemängelte fehlende Mindeststandards der Betreuung. Desta: „Die Landschaft ist da sehr heterogen.“ Den Sprachkursen komme in der Frage der Integration eine ganz zentrale Rolle zu. Desta warnte vor der Folgen der zeitlich begrenzten Projektfinanzierungen. „Das verhindert Integration.“

Wohnraum fehlt

Anstelle der Bürgermeisterin von Hünfelden saß Georg Schardt mit am Tisch. Hünfelden nahm relativ früh 60 Flüchtlinge auf. Bei dieser Zahl blieb es mangels Wohnraum dann auch. 40 Helfer hätten sich vor einem Jahr spontan bereiterklärt zu helfen. Als es plötzlich Geld gab für professionelle Sprachkurse, sei der zehnköpfige ehrenamtliche Sprachlehrerkreis fast auseinandergebrochen, schilderte Schardt. Nach seinen Angaben sind weitere Wohnungen in zwei Häusern für 20 beziehungsweise 25 Menschen „in Planung“. cris

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