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Ehrenamtliche stellen Flüchtlingsarbeit vor: 88 Menschen aus sechs Nationen

Im Brunnenmuseum in Niederselters wurde die Flüchtlingsarbeit der Gemeinde vorgestellt. Die Organisatoren der Hilfe wünschen sich mehr Resonanz von den Bürgern.
Torsten Gunnemann stellt  die weiteren Planungen der Helfergruppe vor. Foto: Christian Müller Torsten Gunnemann stellt die weiteren Planungen der Helfergruppe vor.
Selters-Niederselters. 

„Eine ordentliche Flüchtlingsarbeit ist eine tägliche Herausforderung für die Helferinnen und Helfer. Ohne die engagierten Mitbürger können wir die Flüchtlingshilfe als Gemeinde gar nicht stemmen“, meinte Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos) im Niederselterser Mineralbrunnenmuseum zu Beginn der Informationsveranstaltung der Gemeinde Selters zum Thema Flüchtlinge.

Dagmar Ries stellte als erste Referentin des Abends zunächst die aktuellen Zahlen zur Flüchtlingssituation in Selters vor: „Aktuell wohnen 88 Personen aus sechs Nationen in unserer Gemeinde. Sie bewohnen insgesamt fünf Unterkünfte in drei Selteser Ortsteilen“, sagte Ries. Alleine drei der fünf Gemeinschaftsunterkünfte befinden sich derzeit in Niederselters. „In der Unterkunft in der Limburger Straße kommt es bedingt durch Ein- und Auszüge zu Frustrationen. Eine syrische Mutter mit zwei Kindern ist bereits im November letzten Jahres nach Bielefeld verzogen, ein Vater mit seinem Kind nach Gelsenkirchen“, erläuterte Ries. Ein großer Teil der Unterkünfte werde von Familien mit Kindern bewohnt. Allerdings wurden auch Flüchtlinge abgeschoben: „Zwei albanische Staatsbürger, die vorher in der Unterkunft in der Bahnhofstraße gewohnt haben, sind im März ausgewiesen worden“, erklärte Ries. Trotzdem sei mit mehr Zuwachs zu rechnen: Für Eisenbach konnte Ries den Zuzug von einem Ehepaar mit drei Kindern bestätigen.

910 Arbeitstage

„Wir sind eine bunte Truppe aus 29 ehrenamtlichen Helfern, vom Studenten bis zum Rentner“, berichtete Karin Siegmund für den Willkommenskreis Eisenbach. Seit Anfang Februar sei die Gruppe aktiv. „Wir bemühen uns um mehr Freiwillige, da wir besonders für Behördengänge und Arztbesuche mehr Leute brauchen“, meinte Siegmund. Die Aktivitäten der Gruppe umfassen Sprachkurse, Alltagshilfen, Unterstützung bei Schule und Kindergarten, die Ermöglichung von Sport- und Freizeitangeboten und die Errichtung eines Begegnungscafés in Eisenbach. „Wir brauchen auch Dolmetscher, da sollten wir uns unter den Ortsteilen aushelfen“, empfahl Siegmund. Insgesamt seien zwischen Februar und Mai insgesamt rund 450 Stunden ehrenamtliche Arbeit angefallen. Noch deutlicher sieht es für den Willkommenskreis Niederselters aus. Hier sammelten die Freiwilligen binnen elf Monate etwa 7300 Stunden ehrenamtliche Arbeit an. „Das entspricht ca. 910 Arbeitstagen oder vier Vollzeitstellen“, meinte Ute Theis, die auch das Brunnencafé mitorganisiert. Der Helferkreis bietet fünfmal in der Woche Deutschkurse an, jeden Tag würde es Hausaufgabenhilfe geben und im Frauentreff werden die vier werdenden Elternpaare durch Hebammen beraten.

„Sehr gut kam bisher auch der Syrienabend an, als die Bewohner ihre Heimat in Wort, Bild und mit verschiedenen Speisen vorstellten. Das Begegnungscafé mittwochs ist leider immer noch wenig besucht. Besonders fürs Deutschlernen wäre es gut, wenn ein paar Selterser hier vorbeischauen würden“, meinte Theis. Torsten Gunnemann erklärte hingegen im Anschluss die Struktur des Helferkreises. Seine Erfahrungen hat er in einem Leitsatz zusammengefasst: „Flüchtlinge brauchen nicht Menschen, die für sie alles regeln. Sie brauchen Menschen, die sie unterstützen, ihr Leben so schnell wie möglich wieder selbst in die Hand zu nehmen“, erklärte Gunnemann. Als positive Aspekte der Flüchtlingsarbeit nannte der Organisator die Unterstützung des Caritasverbandes für den Bezirk Limburg und die Vernetzung der Ehrenamtlichen auf Kreisebene. „Der Landkreis muss aber noch einige bürokratische Hürden abbauen“, so Gunnemann weiter. Die Erreichbarkeit mancher Sozialarbeiter sei nicht zufriedenstellend. Zudem würden unzureichende Abstimmungen zwischen einzelnen Behörden die ehrenamtliche Arbeit erschweren. „Besonders der Bürokratismus bei Krankenscheinen und 1-Euro-Jobs ist schwierig“, ergänzte Gunnemann.

Zwei Integrationsklassen

„Wir haben momentan zwei Integrationsklassen, eine für die Grundschüler, eine für Jugendliche der Sekundarstufe 1“, sagte Heiko Last, Schulleiter an der Mittelpunktschule in Selters. Pro Standort dürfe eine Intensivklasse eine Sollstärke von 16 Schülern nicht überschreiten. „Wir sind schon bei 27. Bei 32 ist bei uns erstmal Schluss, weil wir gar nicht die Kapazitäten dafür haben“, meinte der Pädagoge. Neben Dauborn gebe es keine weitere Schule im Kreis, die Intensivklassen anbiete. „Wir bedienen auch Bad Camberg und Brechen mit“, ergänzte Last. Für das kommende Schuljahr sei allerdings Abhilfe vom Schulamt in Aussicht gestellt worden, so der Schulleiter.

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