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Alte Musik im Weilburger Schloss: Abend der musikalischen Wunder

Wundervolle Werke der Cembalomusik erklangen in der Weilburger Schlosskirche.
Cembalist Albert-Jan Roelofs und Musikdramaturgin Yvonne Petitpierre ergänzten sich hervorragend. Cembalist Albert-Jan Roelofs und Musikdramaturgin Yvonne Petitpierre ergänzten sich hervorragend.
Weilburg. 

Einen Abend voller musikalischer Wunder erlebten die Zuhörer auf Einladung des Vereins Alte Musik im Weilburger Schloss. Zu verdanken war das dem vor einem Jahr gegründeten Duo MusicacontexT, das eine exquisite Auswahl an „Portraits en Musique“ aus der Zeit der Hochblüte der französischen Cembalomusik, kurz vor der Französischen Revolution, mitbrachte. Das Neue und Überraschende an dieser Darbietung war, dass Cembalist Albert-Jan Roelofs seine mit leichter Hand virtuos vorgetragenen Cembalo-Piècen zuvor jeweils mit musikwissenschaftlich orientierten Moderationen einleitete, die von Musikdramaturgin Yvonne Petitpierre mit der Lesung von literarischen Texten, Auszügen aus Briefen und historischen Kritiken zusätzlich gewürzt wurden. So lebte die Musik des ausgehenden 17. und vor allem des 18. Jahrhunderts auf vertiefte Weise wieder auf und gewährte viele unbekannte und überraschende Einblicke in das gesellschaftliche und musikalische Leben dieser Zeit der Aufklärung.

Dieses künstlerische Verfahren von MusicacontexT ermöglichte den Zuhörern neue, erweiterte Dimensionen „konzertanter“ Wahrnehmung von aufeinander bezogenen „Tönen und Texten“, wie es sonst eben in anderen Konzerten nicht üblich ist. „Ich, Francois le Grand, will, dass alle so spielen, wie ich es vorgeschrieben habe“, zitierte Yvonne Petitpierre nach der Eingangs-Prelude eine Anweisung (und gleichzeitig seltenes Zeugnis von künstlerischem Selbstbewusstsein) Francois Couperins aus dessen Werk „Versuch über die Art, Clavecin zu spielen“. Die neue Gravur-Drucktechnik machte es möglich, musikalische Werke weithin zu verbreiten, und da wollte der Komponist, dass man seine Stücke auch „richtig“ spielte, nämlich wie vorgegeben.

Einfluss auf Bach

Wie das klingt, demonstrierte Albert-Jan Roelofs in den folgenden Couperinschen „Les Baricades Mistérieuses“, fließend dargeboten, Melodie- und Basslinie fein intoniert und leuchtend in ihrer Gegenläufigkeit hörbar gemacht, was auch für „Les Bergeries“ galt. Der Einfluss des großen französischen Tonsetzers auf Bach konnte man in dessen Französischer Suite Nr. 5, BWV 816, erleben. Die sieben Tänze gab er lebendig und frisch, wobei die tänzerisch springende Gavotte und die temporeiche Gigue vielleicht am schönsten klangen.

Der zweite Teil des Abends war ganz den musikalischen Portraits und Selbstportraits damals bekannter Komponisten gewidmet, beginnend mit einem Portrait von Jean-Baptist Forqueray (1699–1782), das der seinerzeit größte Cembalist Jaques Duphly (1715–1789), berühmt für seine ans Wunderbare grenzende meisterhafte Anschlagskunst, in Tönen nachzeichnete. Doch auch von Forqueray selbst – als Gambenspieler ein „Pop-Star“ seiner Zeit, wie Albert-Jan Roelofs ausführte – und von Francois Couperin waren Stücke mit dem Titel „La Forqueray“ zu hören, wobei der besondere Reiz darin lag, dass dabei die Kunst des Gambenspiels auf das Cembalo übertragen wurde, eine musikalisch schwierige Aufgabe wegen der Unterschiedlichkeit der Instrumente. Dabei lag ein besonderer Reiz im Vergleich der nacheinander gegebenen drei Versionen. Auch die folgenden Stücke waren hochvirtuos, glänzten mit Verzierungen, und die letzten Stücke lösten die bis dahin vorherrschende Strenge in Poesie auf. Diese vielen kleinen musikalischen Wunderwerke der französischen Kammermusik ließen das Publikum mit sehr langem, begeistertem Beifall dafür noch eine Zugabe erzwingen.

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