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Tierschutzverein warnt: Achtung, Katzenfänger

Immer wieder verschwinden Katzen spurlos. Aber für die Besitzer ist es natürlich trotzdem nichts gewöhnliches. Hana Sestak aus Schupbach trauert nun schon zum zweiten Mal um ihre „Seelentröster“ – und sucht mit Flugblättern nach Katzendieben. Auch der Tierschutzverein warnt: Alle Jahre wieder im Herbst sollten Katzenfreunde ganz besonders gut auf ihre Tiere aufpassen.
Vermisst: Tayra ist seit zwei Wochen verschwunden. Ihre Besitzerin befürchtet, dass sie Katzenfängern zum Opfer fiel. Vermisst: Tayra ist seit zwei Wochen verschwunden. Ihre Besitzerin befürchtet, dass sie Katzenfängern zum Opfer fiel.
Limburg-Weilburg. 

Diesmal wolle sie sich nicht einfach damit abfinden, sagt Hana Sestak. Diesmal wolle sie dafür sorgen, dass die Verbrecher gefangen werden. Die Verbrecher, die im ganzen Land herumfahren und Katzen fangen. Was die Leute mit den Katzen machen, weiß Hana Sestak natürlich nicht, aber sie vermutet, dass die Tiere getötet werden – weil ihr Fell sich gut in Stiefeln und Jackenkragen macht. Dass ihre Tayra einmal als Fellbesatz enden könnte, will sich Hana Sestak nicht vorstellen. Und sie will nicht, dass es ungezählten anderen Katzen genauso ergeht. Deshalb macht sie zu Hause in Schupbach, aber auch in den Nachbargemeinden mobil gegen Katzenfänger.

Seit fast zwei Wochen ist Tayra nun schon verschwunden, und Hana Sestak ist sich sicher, dass ihre Katze sich nicht verlaufen hat, dass sie nicht überfahren oder von einem Hund gefangen wurde. „Tayra ist eine sehr ängstliche, sehr vorsichtige Katze.“ Aber Hana Sestak hat in den vergangenen Wochen immer wieder ein verdächtiges Fahrzeug durch Schupbach fahren sehen: einen weißen ziemlich rostigen Kastenwagen ohne Firmenaufdruck. Sie kann ihn ziemlich gut beschreiben, weiß, dass er hinten teilweise verglast ist, dass er hinten links eine große Beule hat, dass das Rücklicht fehlt. Aber vom Kennzeichen konnte sie nur LM erkennen. Und das sei viel zu wenig, um zu ermitteln, sagt Uwe Meier, Sprecher der Polizei Limburg.

Immer wieder erstatten Katzenbesitzer Anzeige, wenn ihre Tiere nicht nach Hause kommen. Aber immer wieder komme dabei nichts heraus. Auch Frau Sestak werde sicher in ein paar Wochen Post von der Staatsanwaltschaft bekommen – mit der Mitteilung, dass das Verfahren eingestellt wurde. „Wenn wir keine konkreten Hinweise haben, können wir nichts machen“, sagt Uwe Meier. Und es helfe auch nichts, wenn ganz viele Menschen, die ihre Katzen vermissen, einen weißen Kastenwagen beobachtet haben, der langsam um die Ecken fuhr. Im Übrigen seien jede Menge weiße Kastenwagen unterwegs – so viele, dass sie immer wieder mit Verbrechen in Verbindung gebracht werden. Und es sei vieles denkbar, wenn Katzen verschwinden. Einige würden schlicht und einfach überfahren, andere fielen Raubvögeln oder Hunden zum Opfer – und schließlich gebe es viele Menschen, die es nicht mögen, wenn immer wieder Katzen in ihren Garten machen. „Es muss nicht immer der Katzenfänger sein“, sagt Uwe Meier.

Es könne aber durchaus ein Katzenfänger sein, sagt Adelheid Noble, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Limburg-Weilburg. „Das Drama beginnt regelmäßig im September.“ Jeden Tag melde jemand seine Katze als vermisst, manchmal tauchten die Tiere auch wieder auf. Aber oftmals eben nicht. Adelheid Noble geht davon aus, dass die Tiere als wärmendes Futter für Winterstiefel und Jacken enden. „Die Felle müssen ja irgendwo herkommen.“ Und so sei die Zahl der Vermisstenmeldungen im Herbst immer besonders hoch. Und oftmals fielen den Tierbesitzern Menschen auf, die sich verdächtig machen, weil sie Grundstücke beobachten, nachts in die Gärten leuchten oder langsam umherfahren – auch wenn kein Sperrmüll rausgestellt wird. „Man muss aber mit falschen Anschuldigungen aufpassen“, sagt Noble. Und Panikmache helfe auch nicht weiter. Aber sie rät den Menschen, die Katzen nachts ins Haus zu holen und die Augen offen zu halten – nach weißen Kastenwagen und allen anderen Fahrzeugen, die sich verdächtig machen. Wichtig sei es, Zeit und Ort und die Kennzeichen zu notieren – und jedes vermisste Tier zu melden. Bei der Polizei und beim Tierschutzverein. Die Polizei werde ja erst aktiv, wenn sie etwas Konkretes habe. „Es ist ja klar, dass die Polizei sich erst einmal mit Straftaten gegen Menschen beschäftigen muss, aber man sollte auch Tiere ernstnehmen“, sagt Adelheid Noble. Und die Tierbesitzer: Hana Sestak trauert. Und das nun schon zum zweiten Mal.

Kennzeichen notieren

Vor fünf Jahren waren schon einmal zwei ihrer Katzen verschwunden. Damals hatte sie keine Anzeige erstattet, weil sie dachte, dass es sowieso nichts bringen würde. Diesmal will sie sich nicht damit abfinden. „Katzen sind gut für mein seelisches Gleichgewicht. Ich schulde das den kleinen Tieren“, sagt sie. Also hat sie die Polizei benachrichtigt. Und nimmt vorsichtshalber die Sache selbst in die Hand. Mehr als 50 Flugblätter hat sie drucken lassen, die will sie in Runkel, Dornburg und natürlich in Beselich verteilen. Und immer wieder warnt sie vor dem weißen Kastenwagen, bittet darum, das Kennzeichen zu notieren und die Polizei zu rufen. „Ich lasse solche Verbrechen nicht ungestraft durchgehen.“

(sbr)
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