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Grundschule am Elbbach: Alltag von Schulbegleiterin Regine Eschenweck: Starke Stütze für Leyla

Von Leyla (10) und Regine Eschenweck (42) drücken an zwei Tagen in der Woche gemeinsam die Schulbank in Niederzeuzheim. Dafür gibt es einen triftigen Grund.
Regine Eschenweck begleitet Leyla seit einem Jahr mit in den Unterricht. Regine Eschenweck begleitet Leyla seit einem Jahr mit in den Unterricht.
Niederzeuzheim. 

Nein, Regine Eschenweck möchte nicht mehr lesen und schreiben lernen. Das kann sie schon. Dass die 42-Jährige trotzdem regelmäßig die Grundschule am Elbbach besucht, hat rein dienstliche Gründe. Sie ist Integrationshelferin und begleitet seit einem Jahr die zehnjährige Schülerin Leyla. Das Mädchen hat ein Down-Syndrom und Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Aufgaben zu erledigen.

An diesem Vormittag steht in der ersten Stunde Musikunterricht auf dem Plan. Die Lehrerin ruft zum Stuhlkreis zusammen. Es soll gemeinsam gesungen werden. Leyla geht nach vorn, Eschenweck bleibt hinten. Absichtlich. Um Leyla Freiraum zu geben. „Wir halten Blickkontakt oder kommunizieren über Zeichensprache“, sagt sie. Und wie um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, sucht Leyla noch einmal den Blickkontakt mit Eschenweck, bevor der Singkreis startet.

Andere Regeln

Vier Lieder später ist der praktische Teil der Stunde beendet und die Lehrerin teilt Arbeitsblätter aus, auf denen Blechblasinstrumente beschriftet werden müssen. Unvermittelt packt Leyla ihren Stuhl und geht zurück zu ihrem Tisch und zu Regine Eschenweck. Die bleibt völlig gelassen. Die Klassenkameraden auch. Die sind es schon gewöhnt, dass Leyla anders ist und dass für sie auch andere Regeln gelten. „Das war ihr jetzt einfach zu viel Theorie“, sagt Eschenweck und an ihren Schützling gewandt: „Komm, wir holen uns ein Malblatt.“

Regine Eschenweck hat viel Erfahrung mit Kindern. Sie hat sieben Jahre als Tagesmutter gearbeitet, anschließend eine Ausbildung zur Familienberaterin gemacht. Jetzt ist sie ambulante Familienhelferin und darüber hinaus seit drei Jahren als Schulbegleiterin tätig. Seit 2016 für den Malteser Hilfsdienst, der zum damaligen Zeitpunkt den Schulbegleitdienst im Kreis neu aufgebaut hat. Leyla ist das erste Kind mit Down-Syndrom, das Eschenweck betreut. Und ein echter Glücksgriff, wie sie sagt. Durch Leyla habe sie gelernt, im Hier und Jetzt zu sein. „Leyla sagt immer, was sie will. Und das bereichert mich“, sagt die dreifache Mutter.

Die erste große Pause beginnt. Die Schüler stürmen auf den Hof und zu den Spielgeräten. Leyla ist mittendrin, lacht und rauft sich mit einigen Jungs. Eschenweck steht etwas abseits und lässt ihren Schützling nicht aus den Augen. Eingreifen möchte sie (noch) nicht. „Die haben gerade eine Menge Spaß. Warum sollte ich sie aus der Situation herausholen?“, fragt sie. Allerdings weiß Eschenweck, dass Leyla bisweilen auch gern ihre Grenzen austestet. Einmal habe sie ihre mit kleinen Steinen gefüllten Schuhe im Gang ausgekippt. Diese hätten sie dann eben gemeinsam wieder zusammengekehrt.

Wertgeschätzt

In der dritten Stunde ist Stillarbeit angesagt. Eschenweck übt mit Leyla Rechtschreibung, während die Mitschüler eine Kurzgeschichte schreiben. „Sie liebt Sprachen, vor allem Englisch“, sagt Eschenweck. Da sei sie manchmal kaum zu bremsen. Mathe dagegen bräuchte es für die Zehnjährige gar nicht geben. Und wenn sie an ihre Grenze stoße, werde sie manchmal unleidlich, sagt die Schulbegleiterin. Da könne sie manchmal nur die Aussicht auf eine süße Belohnung motivieren. Oder wenn gar nichts mehr geht, eine Pause auf dem Schulhof.

Für Leylas Mitschüler ist es längst Normalität, dass Regine Eschenweck an zwei Tagen mit im Unterricht sitzt. „Ich musste mich anfangs schon dran gewöhnen, aber eigentlich ging das ganz schnell“, sagt Leni. Für Klassenlehrerin Christine Holzbeck (50) ist die Schulbegleiterin eine starke Stütze. Weil sie Leyla helfe, selbstbestimmt zu lernen. Und weil sie auch mal einspringe, wenn’s brenne. Eschenweck bestätigt: „Hier werde ich als Schulbegleiter akzeptiert und wertgeschätzt“, sagt sie.

Ob Schulbegleiter Inklusion erst möglich machen? Der Sprecher des Staatlichen Schulamts Dirk Fredl verneint. „Inklusion wird möglich, wenn alle Beteiligten sie wollen.“

Am Endes eines jeden Schultages informiert Eschenweck Leylas Mutter, wie der Tag gelaufen ist und welche Hausaufgaben zu erledigen sind. Erst dann verlässt Eschenweck die Schule. Immer nach Leyla.

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