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Kinderpornographie: Angeklagter gibt Missbrauch zu

Von Im Kinderporno-Prozess gegen die Führungsriege der Internet-Plattform „Elysium“ hat gestern der Mann ausgesagt, der als einziger der vier Angeklagten selbst Kinder missbraucht haben soll. Er lieferte erstaunliche Erklärungen.
Gestern stand der 62-jährige im Mittelpunkt, der selbst Kinder missbraucht haben soll (links, stehend, mit Zopf). Rechts im grauen Kapuzensweater der Bad Camberger Angeklagte. Gestern stand der 62-jährige im Mittelpunkt, der selbst Kinder missbraucht haben soll (links, stehend, mit Zopf). Rechts im grauen Kapuzensweater der Bad Camberger Angeklagte.
Limburg. 

Sind die Angeklagten tatsächlich so neben der Spur, wie sie im Gericht auftreten? Die Prozessbeobachter würden gerne in die Köpfe der beiden Sachverständigen schauen können, die die wirren Ausführungen der ihnen gegenübersitzenden Männer aufmerksam verfolgen. Nachdem der Bad Camberger Hauptbeschuldigte mit der Version verblüffte, er habe die Kinderporno-Plattform mit 111 000 Nutzern nur deshalb betrieben, um die Kriminellen zu überführen, sorgte gestern der Älteste des Quartetts für Entsetzen.

Im Fall eines vierjährigen Jungen gibt er den sexuellen Missbrauch zu – und liefert dafür eine sonderbare Erklärung. „Ich habe das erigierte Glied des Buben nur für ein Foto in den Mund genommen; ohne jeglichen sexuellen Hintergrund“, betont der Landsberger. Außerdem habe das Kind fest geschlafen; dies sei juristisch vielleicht egal, für ihn aber wesentlich.

Bei der sechsjährigen Schwester war es ähnlich. Uwe G. legte sich neben das nackte Mädchen aufs Bett, streichelte es an der Hüfte und an den Beinen. „Auch im Schambereich“ hält ihm der Vorsitzende Richter Marco Schneider vor. „Das ist theoretisch möglich, dann jedoch unbewusst passiert“, sagt der Mann. Bei anderen Begegnungen sei die Kleine „nackert“ auf ihm herumgesprungen; „Kitzelspiele“ seien ebenfalls harmlos und ohne Hintergedanken gewesen wie ein Abschiedskuss.

Die Straftaten geschahen bei einem Aufenthalt in Wien. Der inzwischen zu 14 Jahren Haft verurteilte Vater hat die beiden Kinder regelmäßig missbraucht, Uwe G. ihn beim Chatten auf der Internet-Plattform kennengelernt.

„62 Jahre Leben kaputt“

Nach Wien sei er gereist, um dem Mann zu helfen, behauptet der Angeklagte. Er fotografierte Sehenswürdigkeiten und die nackten Kinder; mehrere Bilder schickte er an Bekannte.

Bis auf den einen Ausrutscher hätten sich seine pädophilen Neigungen nur in seiner Fantasie abgespielt und mit dem realen Leben nichts zu tun gehabt, beteuert G. immer wieder.

Uwe G. inszeniert sich schließlich als Opfer. Nachdem er vier Stunden lang erzählt hat, wiederholt mit schwerer Stimme, empört er sich mittags über seine Situation, bricht in Tränen aus und stützt den Kopf verzweifelt in beide Hände. „Ich habe mich mit Kunst, Kultur und Engagement beschäftigt, und jetzt besteht mein Leben nur noch aus dieser scheiß Anklageschrift. 62 Jahre Leben sind kaputt.“

Der Angeklagte versichert, seine pädophilen Probleme seit 40 Jahren im Griff zu haben. Damals hatte er sich in einer Behinderteneinrichtung an von ihm betreuten Mädchen vergangen und sich danach einer Therapie unterzogen. Kinderpornos sammelte er trotzdem über all die Jahre, um sich daran zu erfreuen. „Ich habe die Kinder nur nett und süß und hübsch gefunden“, sagt Uwe G. Schlimmes kann er daran nicht erkennen. „Ich überfalle ja auch keine Metzgerei, weil mir die Auslagen gefallen“, sagt der Landsberger wörtlich. „Das ist für mich wie ein Fünf-Sterne-Feinschmeckermenü.“

Fasziniert von steifem Penis

Als ihm der Vorsitzende Richter vorhält, er habe am Penis des Vierjährigen manipuliert, regt er sich mächtig auf. „Quatsch, das war anders.“ Warum? „Das Wort hat so einen negativen Beigeschmack.“ „Wie würden Sie das denn bezeichnen?“, will Marco Schneider wissen. „Angefasst habe ich ihn“, sagt der Angeklagte. „Zärtlich, doch das würde auch wieder negativ ausgelegt.“ Dass der Bub einen steifen Penis hatte, habe ihn fasziniert. Und bevor Schneider fragt, erläutert der 62-Jährige: „Ja, das darf einen doch ohne sexuellen Hintergrund faszinieren.“

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