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Abgeschlossene Asylverfahren sind die Ursache: Arbeitslosenquote steigt wegen Flüchtlingen

Die Arbeitslosenquote im Landkreis dürfte nicht mehr lange so niedrig bleiben wie derzeit (4,4 Prozent): Durch die zunehmende Zahl abgeschlossener Asylverfahren werden nach Angaben der Arbeitsagentur demnächst mehr Menschen ohne Job sein.
Mehrere Flüchtlinge arbeiten in Baufirmen. Foto: (MAXPPP) Mehrere Flüchtlinge arbeiten in Baufirmen.
Limburg-Weilburg. 

Im November waren im Landkreis Limburg-Weilburg 207 Flüchtlinge aus nichteuropäischen Ländern arbeitslos gemeldet. Damit lag ihr Anteil an den 4008 Arbeitslosen im Kreisgebiet bei 5,2 Prozent. Die meisten von ihnen kamen aus Syrien (88), gefolgt von Afghanistan (30), Eritrea (25) und Pakistan (20).

Im November 2015 waren 217 Arbeitslose diesen Staaten zuzuordnen. Nach Angaben der Limburger Arbeitsagentur ist die Zahl der erwerbslosen Flüchtlinge bis Januar dieses Jahres kontinuierlich angestiegen. Von Februar bis November gab es mit Ausnahme des Oktobers monatlich einen konstanten Rückgang.

Dafür nennt die Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar mehrere Gründe. Erstens sind erheblich weniger Flüchtlinge in den Kreis gekommen, zweitens sind viele – insbesondere anerkannte Asylbewerber – umgezogen. Und mehrere haben auch eine Beschäftigung gefunden. Weil viele Asylberechtigte einen Wohnsitz in Nähe der Monopolregionen anstreben, führe dies in ländlichen Bereichen wie dem Nassauer Land mitunter zu einer Abnahme der Arbeitslosigkeit dieses Personenkreises.

Solange das Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, liegt die Zuständigkeit der Vermittlung bei der Agentur für Arbeit. Dort werden aktuell neun Arbeitslose aus diesen Ländern betreut. Diese geringe Zahl führt die Behörde darauf zurück, dass sich viele Betroffene (noch) nicht bei ihr arbeitslos gemeldet hätten, weil sie sich mitten im Anerkennungsverfahren befänden, noch an Sprachkursen oder anderen Integrationsmaßnahmen teilnehmen oder aufgrund der bislang unzureichenden Sprachkenntnisse im Moment keine Arbeitsmarktchancen für sich sehen. Eine Verpflichtung zur Arbeitslosmeldung entstünde erst mit der Asylanerkennung, erläutert Agentur-Sprecher Ralf Fischer. Dann wechselt die Zuständigkeit zum Jobcenter Limburg-Weilburg. Hier sind aktuell 198 Arbeitslose aus den nichteuropäischen Asylherkunftsländern registriert.

Keine Jobs weggenommen

Im April 2016 waren im Landkreis Limburg-Weilburg 164 Menschen aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern sozialversicherungspflichtig beschäftigt – 50 mehr als ein Jahr zuvor. Ihr Anteil an allen versicherungspflichtig Beschäftigten lag damit bei 0,3 Prozent.

Für Agentur-Chefin Angelika Berbuir belegen nicht nur diese Zahlen, sondern auch Kontakte mit Geflohenen, Flüchtlingshelfern und Unternehmen, „dass die große Mehrzahl der Migranten aktiv daran arbeitet, ihre Arbeitsmarktchancen zu verbessern anstatt sich in der ,sozialen Hängematte’ auszuruhen“. Allein in Limburg-Weilburg hätten im letzten Quartal 2015 insgesamt 452 Flüchtlinge freiwillig an den von der Arbeitsagentur eingerichteten Einstiegssprachkursen teilgenommen. Zudem seien die 354 weiteren spezifischen Qualifizierungsplätze für Migranten im Agenturbezirk Limburg-Wetzlar gut ausgelastet.

Andererseits widerlege der bislang geringe Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten den Mythos, dass Asylanten Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen.

„Wir gehen davon aus, dass die zunehmende Zahl abgeschlossener Asylverfahren in den kommenden Monaten zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahl auch in unserem Bezirk führen wird. Diese Erkenntnis ist nicht neu und in unseren Projektionen und Planungen bereits seit Jahresbeginn enthalten“, erläutert Angelika Berbuir.

Der Arbeitsmarkt zeigt sich nach ihren Worten derzeit robust und aufnahmefähig – die Stellenmeldungen deuteten auf einen konstanten Bedarf an qualifizierten Beschäftigten hin. „Wir wissen aber auch, dass sich für einen erheblichen Teil der Asylbewerber kurzfristig kein Arbeitsmarkterfolg einstellen wird. Hier braucht es einen langen Atem und intensive Qualifizierungen in sprachlicher und beruflicher Hinsicht“, so die Chefin.

Viele haben keine Chance

Für andere Betroffene werde sich der erste Arbeitsmarkt dauerhaft als verschlossen erweisen. Für beide Personenkreise seien mit dem neuen Integrationsgesetz Instrumente geschaffen worden, um sie einer sinnvollen Beschäftigung zuzuführen.

Sofern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht nachhaltig negativ verändern, rechnet Berbuir trotz dieser prognostizierten Entwicklung mit einem weiteren Beschäftigungsaufbau und stabilen Arbeitsmarktverhältnissen im Agenturbezirk Limburg-Wetzlar.

(nnp)
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