Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Limburg an der Lahn 16°C

Weltreise zu Kampfsport- und Kampfkunstarten: Auf Kriegspfad in friedlicher Mission

Von Es ist nicht einfach nur eine Weltreise, die der 28-jährige Christoph Hoffmann unternimmt. Der Mann, dessen Wurzeln im Westerwald liegen, zieht aus, um unbekannte und verlorengegangene Kampfsport- und Kampfkunstarten wiederzuentdecken.
Begrüßung unter Kampfsportlern: Um noch andere Umgangsformen von Kampfsportlern kennenzulernen, ist Christoph Hoffmann zu einer Weltreise gestartet. Foto: privat Begrüßung unter Kampfsportlern: Um noch andere Umgangsformen von Kampfsportlern kennenzulernen, ist Christoph Hoffmann zu einer Weltreise gestartet.
Limburg. 

Manche Dinge im Leben muss man tun, solange man jung ist, sagt der 28-jährige Christoph Hoffmann. Man muss frei und ungebunden sein und ohne Verpflichtungen, um sich auf etwas Unbekanntes einzulassen, findet der Mann, der in dem Westerwälder Dorf Steinefrenz aufgewachsen und in Limburg gelebt hat, und den es jetzt in die Welt zieht. Aber nicht, um möglichst viele Grenzen zu überqueren und Kontinente zu berühren. Vielmehr macht er sich auf die Suche nach verlorengegangenen Kampfkünsten und Kampfsportarten. „A Warrior’s Journey“ heißt sein Projekt, für das er sich drei Jahre Zeit nehmen will. Christoph Hoffmann begibt sich gewissermaßen auf den Kriegspfad.

Ein wenig brutal klingt das schon: „A Warrior’s Journey“, die Reise eines Kriegers. Dabei wirkt Christoph Hoffmann durch und durch friedlich, keineswegs wie ein drauflosprügelnder Hüne. 1,75 Zentimeter ist er groß und 68 Kilo schwer. Als Boxer würde er in die Weltergewichts-Klasse gehören, die unter dem Mittelgewicht rangiert. Jede Faser dieses Mannes scheint durchtrainiert zu sein. Der Hals ist kräftig. Jede Beugung des Armes produziert ein neues Muskelgewölbe. Er sei fit, das stimme natürlich, erzählt der 28-jährige freundlich. Er trainiert so oft er kann, joggt viel – und befasst sich mit seiner sportlichen Leidenschaft, den „Mixed Martial Arts“, einer Verknüpfung verschiedener Kampfkunst- und Kampfsportarten wie Boxen, Kickboxen, Karate, Brazilian Jiu-Jitsu, Judo und Ringen. Sowohl Schlag- als auch Tritttechniken sind erlaubt. Mixed Martial Arts (MMA) ist ein Vollkontaktwettkampf, bei dem so kräftig zugelangt wird, dass MMA-Profikämpfe vor einigen Jahren nicht im deutschen Fernsehen gezeigt wurden.

 

Thai-Boxen bei 35 Grad

 

Und wie kommt ein junger Mann aus dem unaufgeregten, idyllischen Westerwald zu diesem Sport? Will er aufrüsten, und wenn ja, gegen wen? Christoph Hoffmann bleibt gelassen. Er beginnt von einer Reise zu erzählen, die ihn sehr beeindruckt hat. Das war vor etwas mehr als fünf Jahren. Er reiste als Rucksack-Tourist durch Asien und landete irgendwann in der Nähe eines Thai-Boxing-Camps. Er beobachtete, wie sich die Männer dort bei mehr als 35 Grad verausgabten und sich dabei wohlfühlten und ausgeglichen wirkten. Thai-Boxen, das dem Kickboxen ähnelt, wobei aber auch Knie und Ellbögen sowie Elemente des Ringkampfes miteinbezogen werden dürfen, das wollte er ausprobieren. Als er von der Reise an seinen damaligen Studienort Aachen zurückgekehrt war, begann er mit dem Training.

Er wollte mehr und fand in Diez einen Sportverein, in dem auch Mixed Martial Arts geübt werden. Die Kombination aus Konzentration und Körperbeherrschung begeistere ihn, betont Hoffmann, der zum Jahreswechsel 2013/14 noch einmal nach Asien zum Thai-Boxen fuhr. Doch, insistiert er, es gehe durchaus um Aggressionen, die bei diesem Sport aber beide Kämpfer ausdrücklich zuließen. Es sei ja eben gerade nicht so, dass man auf die Straße geht und willkürlich einen Passanten verhaut, erklärt er. MMA folge einer Choreografie und einem Regelwerk, und das sei enorm spannend. So spannend, dass er jetzt tiefer in die Welt der Kampfkünste eindringen und diese auch erlernen will. Den usbekischen „Kurash“ etwa, der wie eine Mischung aus Judo und Ringkampf aussieht. Oder den griechischen „Pankration“, der vor 2500 Jahre bei Olympia gekämpft worden sein soll. Alle Kampftechniken dürften hier eingesetzt werden und zwar sowohl in „Standup-Position“ als auch auf dem Boden liegend. Leider sei der Pankration auch in Griechenland kaum mehr bekannt, hat Christoph Hoffmann festgestellt. Hierfür einen Trainingspartner zu finden, ist schwer.

 

Fingerhakeln in Garmisch

 

Dafür hat der junge Krieger längst andere Seilschaften geknüpft. Während der vergangenen Monate hat er sich ein weltumspannendes Netz geschaffen, um mit anderen Kampfsportlern und Kampfkünstlern in Kontakt zu kommen. Wenn sein Reiseplan aufgeht, wird er seine erste Kampfsporterfahrung außerhalb Deutschlands in Österreich sammeln und in Graz bei einem Verein für mittelalterliche Kampfkunst mit Schwert, Dolch und Ringen hantieren. Anschließend soll es nach Slowenien, Kroatien, Montenegro, Albanien, Griechenland, Türkei, in den Iran, nach Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan, China, Tibet, Nepal, Laos, Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien und nach Australien gehen.

Als Transportmittel ist Hoffmann alles recht, außer Flugzeugen. „Ich will Bodenkontakt behalten und mit der normalen Bevölkerung unterwegs sein“, sagt er. Wie sein Leben in einigen der entlegensten Gegenden aussehen wird, kann er sich selbst noch nicht recht vorstellen. Aber er wird darüber in seinem Internet-Blog berichten. Fest steht, dass er eine ganze Weile unterwegs sein kann, bestätigt der junge Mann. „Ich habe vier Jahre als Ingenieur gearbeitet, aber wie ein Student gelebt.“ Die finanziellen Mittel werden vorerst reichen.

Er brauche nicht viel, stellt Christoph Hoffmann klar. Sein Leben für die kommenden drei Jahre passt in eine Tasche, deren Volumen 60 Liter beträgt, und in einen kleineren Rucksack. Die landestypische Kampfausrüstung will er sich jeweils vor Ort besorgen. Das dürfte bei der ersten Station unproblematisch sein: Der Krieger aus dem Westerwald zieht zuerst ins oberbayerische Garmisch-Partenkirchen, um sich in einer für das Voralpenland sehr alten Kampfsportart zu messen – dem Fingerhakeln.

 

Wer Christoph Hoffmann auf seiner Tour „A Warrior’s Journey“ begleiten will, kann das unter www.warriors-journey.com.

 

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse