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Theaterproduktion mit Flüchtlingen und Deutschen: „Auf dem Weg“ – gemeinsam

Von „Auf dem Weg“ heißt die Theaterproduktion von Malteser-Flüchtlingshilfe, dem Jugendbildungswerk Limburg-Weilburg und der Jugendkirche Crossover. Ein junges Ensemble von Flüchtlingen und Deutschen zeigte am Samstagabnd in der katholischen Kirche St. Hildegard ergreifende Szenen von Miteinander und Unverständnis, Willkommen und Ablehnung.
„Wieso sehen Flüchtlinge nicht aus wie Flüchtlinge“, lautet die Frage einer Schauspielerin dieser eindrucksvollen Theaterproduktion. Weil die Masken die Herkunft der Menschen unmöglich macht. Bilder > „Wieso sehen Flüchtlinge nicht aus wie Flüchtlinge“, lautet die Frage einer Schauspielerin dieser eindrucksvollen Theaterproduktion. Weil die Masken die Herkunft der Menschen unmöglich macht.
Limburg. 

. Das junge Ensemble werde ein „biografisches Theaterprojekt“ zeigen, erklärt Regisseurin Cara Basquitt vor Beginn der Vorstellung: Die Erlebnisse der einzelnen Mitwirkenden werden in der Inszenierung verfremdet, um ein wenig Distanz zu schaffen und individuellen Schutz. Wie wichtig die Erklärung dieses Ansatzes ist, erfahren die Zuschauer in der ausverkauften Jugendkirche. Denn sie erleben die ergreifende Darstellung unfassbarer Schicksale. Sie sehen junge Menschen, die alles verloren haben und die wissen, dass sie ihre Verluste nie werden wettmachen können.

Gespielt werden in diesem biografischen Theaterprojekt mit Flüchtlingen und Deutschen Szenen aus dem Leben von Flüchtlingen, der lange Weg aus der Heimat, die Ankunft und Aufnahme in Deutschland und die Hoffnungslosigkeit und Trauer. Es ist ein erschütterndes Theaterstück ohne Rührseligkeit und ohne Zynismus.

Flucht übers Mittelmeer

In einem der ersten Bilder auf der in nüchternem Schwarz ausgeschlagenen Bühne paddeln Männer aus Nordafrika über das Mittelmeer. Das Schlauchboot schlingert und kentert. Der Schleuser habe kein funktionierendes Funkgerät besessen, berichtet ein Überlebender, weshalb man keine Hilfe alarmieren konnte. Dann sagt der Mann, der ebenso wie seine Kollegen sehr gut verständliches Deutsch spricht: „Da habe ich mich gefragt, warum bin ich nicht in meiner Heimat gestorben?“ Die geretteten Flüchtlinge werden aufgenommen.

Junge deutsche Darstellerinnen bieten ihnen Hilfe an, versuchen die Hürden deutscher Bürokratie zu erklären und verteilen warme Kleidung. Wäre diese Theaterproduktion eine Heile-Welt-Version, dann könnte die Inszenierung hier enden. Aber das Ensemble will die ganze Wahrheit zeigen, zu der eben auch Vorbehalte und Ablehnung gehören, etwa weil die Kleidung der Flüchtlinge als „zu schön“ gilt, das Handy als zu modern, und dass Flüchtlinge genauso viel Geld bekommen wie Hartz-IV-Empfänger ist ebenfalls nicht flächendeckend vermittelbar. Täter, Schmarotzer, Terrorist lauten die Brandmarken, die – wenigstens in diesem Theaterstück – gelöscht und durch Plakate mit der Aufschrift „Mensch“ ersetzt werden. „Macht ihnen Platz in euren Herzen“, appelliert eine der Darstellerinnen und löst damit befreienden Szenenapplaus aus.

Bemerkenswert ist aber auch jenes Bild, in dem eine junge Frau mit langen, dunklen Haaren zwischen den Männern und Frauen auf der Bühne umherläuft und ruft: „Wieso sehen Flüchtlinge nicht aus wie Flüchtlinge?“ Die Männer und Frauen tragen Masken, die eine Herkunftsbestimmung unmöglich macht. Auch das ist eindringlich und wird angereichert mit Erklärungen dazu, was Freiheit und Heimat bedeutet und wie sich verschiedene Kulturen miteinander verbinden lassen: Zum Beispiel in dem gemeinsamen Tanz eines syrischen Jungens mit einem deutschen Mädchen. Sie nähern sich einander, lernen die Sprache des anderen und finden einen gemeinsamen Weg. Es kann funktionieren.

„Euer Land bleibt eures“

Dennoch gibt es keine Garantie auf ein Happy End, weder für die Flüchtlinge noch für die Besucher. Vielmehr gibt es eine Szene, die unendlich tief berührend ist: Es sind die Briefe von drei jungen Flüchtlingen aus Syrien, die sie an ihre Liebsten schreiben und deren Botschaft auch ihren Gastgebern gilt. Sie fühlen sich einsam in der Fremde, schreiben sie verzweifelt. Aber sie bedanken sich für die Freundlichkeit, und sie versichern: „Euer Land wird immer eures bleiben.“

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