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Café Kunterbunt: Aus Ich und Du ein Wir machen

An jedem 2. Freitag im Monat öffnet das Café Kunterbunt im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus Dorchheim. Dort begegnen sich Flüchtlinge und Einheimische. Sie erzählen, was die Treffen so schön macht.
Die zehnjährige Nour genießt die volle Aufmerksamkeit von Füchtlingshelferin Doris Koch bei den Treffen im Café Kunterbunt. Bilder > Foto: Kerstin Kaminsky (Kerstin Kaminsky) Die zehnjährige Nour genießt die volle Aufmerksamkeit von Füchtlingshelferin Doris Koch bei den Treffen im Café Kunterbunt.
Elbtal. 

Die Wände sind mit Plakaten, einer Weltkarte und fröhlicher Kunst aus farbigen Glassteinen gestaltet. Kein Tisch sieht aus wie der andere und auch die Stühle müssen nicht unbedingt zueinander passen. Auf bunten Teppichen ist eine Spielecke für die Kinder eingerichtet und das Kuchenbuffet bietet für jeden Geschmack etwas Passendes. Nach und nach füllt sich das ehemalige Feuerwehrgerätehaus, in dem die Elbtaler Flüchtlingshelfer ihr Café Kunterbunt eingerichtet haben.

„Früher war hier ausschließlich die Kleiderkammer untergebracht, aber nachdem der Bedarf nach Textilien mehr und mehr abnahm, wollten wir die Begegnung mit den Geflüchteten nicht einschlafen lassen. Also starten wir im Spätsommer letzten Jahres mit dem Café“, erzählt Ute Lehnert. Inzwischen kämen auch einige Familien von ganz allein zu dem immer am 2. Freitag des Monats stattfindenden gemeinsamen Termin. „Trotzdem fahre ich am Vortag immer unsere Gemeinschaftsunterkünfte ab, erinnere die Bewohner an das Treffen und lade sie ausdrücklich zum Kommen ein.“

Für Nasdana Riswane (24) ist das Café Kunterbunt der schönste Ort, um sich mit Freundinnen zu treffen. „In unserer Wohnung ist ja nicht so viel Platz und hier gefällt es nicht nur uns Frauen, auch die Kinder genießen die Gemeinsamkeit.“ Außerdem könnten die Deutschen sehr gut backen, sagt sie lachend und reibt sich den Bauch, dessen große Wölbung allerdings nicht vom Kuchen kommt. Die junge Frau erwartet in wenigen Tagen Nachwuchs und für das Baby fanden sich auch noch ein paar hübsche Sachen in den Regalen der Kleiderkammer.

Die zehnjährige Nour spricht schon beinahe fehlerfrei Deutsch und springt gern ein, wenn im Gespräch zwischen Deutschen und Zugereisten ein Übersetzer gebraucht wird. Aber noch lieber mag sie die ungeteilte Aufmerksamkeit der Flüchtlingshelfer – ob nun bei der Hausaufgabenhilfe, oder im gemeinsamen Spiel.

Ein „Ort des Friedens“

Für den irakischen Kurden Ali Mohammad ist das Café Kunterbunt ein Ort des Friedens. Lächelnd schaut der 30-Jährige in die Spielecke und sagt: „Die Kinder sind immer freundlich, sie haben kein böses Herz.“ Die ausgelassene Atmosphäre täte ihm sehr gut und der Nachmittag sei ihm auch immer eine willkommene Gelegenheit, um in der Unterhaltung mit den Deutschen seine Sprache zu verbessern. Ali Mohammad erzählt stolz, gerade die Führerscheinprüfung bestanden zu haben – und zwar auf Deutsch.

„Es wäre nur schön, wenn noch mehr Dorfbewohner die Gelegenheit nutzen würden, um mit den Flüchtlingen zusammen zu kommen und sich gegenseitig besser kennenzulernen“, sagt Margred Pötz. Sie und ihr Mann sind schon seit Anbeginn in der Elbtaler Flüchtlingshilfe aktiv. Deshalb wisse sie, dass sich viele der Zugereisten mehr Kontakt mit den Deutschen, ihrer Sprache und ihrer Kultur wünschen.

Janette Haas, die Tochter von Café-Initiatorin Ute Lehnert, hebt sich in ihrer legeren Kleidung und den Dreadlocks im Auftreten von den anderen Einheimischen im Café deutlich ab. „Ich glaube, gerade weil ich nicht dem Klischee der Deutschen entspreche, komme ich mit den Leuten hier besonders leicht in Kontakt“, so die 30-Jährige. „Denn genau das soll unser Treffpunkt sein: Ein Ort, in dem sich viele verschiedene Kulturen in lockerer Atmosphäre näher kommen.“

Spenden der Helfer

Auch Bürgermeister Joachim Lehnert kommt, wann immer es ihm möglich ist, in die Begegnungsstätte. „Ich werde hier aber kaum als Rathauschef wahrgenommen, sondern einfach als Nachbar, der gern mit Rat und Hinweisen hilft, wenn es nötig ist“. Übrigens sei das Café Kunterbunt für die Gemeinde keine finanzielle Belastung, erklärt er. „Das Mobiliar stammt aus Wohnungsauflösungen und Kaffee, Tee und Kuchen sind Spenden der freiwilligen Flüchtlingshelfer.“

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