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Pro und Contra: Autos in der Limbuger Altstadt: Ja oder Nein?

Von Der Parkraum in den Gassen und auf den Plätzen der Altstadt ist naturgemäß begrenzt. Nicht jeder, der dort wohnt oder arbeitet, kann sein Auto in der Nähe abstellen. Die NNP hat sich darüber mit Altstädtern unterhalten – und ganz unterschiedliche Antworten bekommen.
Louisa von Fischke verkauft zurzeit Crèpes auf dem Christkindlmarkt am Kornmarkt und wohnte früher mit ihren Eltern in der Limburger Altstadt. Sie hat kein Problem damit, nicht direkt vor der Tür parken zu können. Louisa von Fischke verkauft zurzeit Crèpes auf dem Christkindlmarkt am Kornmarkt und wohnte früher mit ihren Eltern in der Limburger Altstadt. Sie hat kein Problem damit, nicht direkt vor der Tür parken zu können.
Limburg. 

In der Altstadt zu leben oder zu arbeiten ist nicht immer leicht. Denn das Parken und Anliefern kann zum Problem werden. Marie Formeier weiß davon ein Lied zu singen. Die Geschäftsführerin des „Batzewert“ am Kornmarkt und Vorsitzende des Altstadtkreises wohnt selbst nicht mehr in der Altstadt. Als Anliegerin hat sie zwar eine Plakette, mit der sie die Altstadt befahren und werktags von 19 bis 8 Uhr dort parken darf. Da aber meist nichts frei ist, parkt sie lieber gleich im City-Parkhaus. Sie selbst habe keine Angst, wenn sie spätabends alleine durch die Stadt laufe, sagt Formeier.

Nachts keine Strafzettel

Einigen ihrer Mitarbeiterinnen geht es anders: Sie fühlten sich unwohl, wenn sie nach Geschäftsschluss weitere Strecken zu Fuß zurücklegen müssten, um zu ihrem Auto zu kommen. Das Ordnungsamt sollte sich zu diesen Zeiten mit Strafzetteln zurückhalten, findet die Wirtin. Denn das Sicherheitsgefühl von Menschen sei höher einzuschätzen als die Ordnungswidrigkeit des Falschparkens. „Die sollen sich um wichtigere Dinge kümmern, als nachts Strafzettel zu verteilen“, fordert auch „Batzewert“-Bedienung Corrina Rahal. Ihr wäre es am liebsten, am Kornmarkt zu parken. Bedroht worden von nachts durch die Stadt ziehenden Männern sei sie aber noch nicht. Eine parkfreie Altstadt, glaubt Formeier, würde vielen Geschäftsleuten Kundschaft kosten. Ältere Menschen könnten oft keine weiten Wege zurücklegen. Formeiers Vorschlag: Geschäftsleute, Anwohner und Vertreter der Stadt sollten sich zusammentun, um Lösungen zu finden, mit denen alle leben könnten.

„Batzewert“-Chefin Marie Formeier findet, dass nachts keine Knöllchen verteilt werden sollten. Bild-Zoom
„Batzewert“-Chefin Marie Formeier findet, dass nachts keine Knöllchen verteilt werden sollten.

Ein Geschäftsinhaber aus der Altstadt, der namentlich nicht genannt werden will, sieht dagegen kein Parkproblem. Es gebe im Umfeld genug Parkhäuser, sagt er. Er selbst ist weggezogen, weil die Altstadt „immer mehr zu einem neuen Rüdesheim mit lauter Musik bis in die späte Nacht hinein“ geworden sei. Der Selbständige sagt auch, dass man am späten Abend nicht mehr sicher zu einigen Parkhäusern wie dem City-Parkhaus gehen könne und dass das Ordnungsamt hier mal öfter Präsenz zeigen müsse.

Parksuchverkehr nervt

Walter Meloni, Inhaber des gleichnamigen Traditionscafés am Kornmarkt, stört es nicht, keine Dauerparkplätze an seinem Geschäft zu haben, weil er und einige Mitarbeiter für 50 Euro im Monat Stellplätze im Altstadtparkhaus hätten. Bei einer guten Neugestaltung des Kornmarkts könnte er es sich daher auch vorstellen, auf die wenigen Gästeparkplätze zu verzichten. Der ständige Parksuchverkehr nerve manche seiner draußen sitzenden Gäste.

Louisa von Fischke, Schaustellerin auf dem Limburger Weihnachtsmarktes, hat es als Kind und ehemalige Altstadtbewohnerin nie etwas ausgemacht, wenn ihre Eltern das Auto nicht in der Altstadt parken konnten. Dann wurde es eben bei den Großeltern Am Zehntenstein geparkt und einige hundert Meter gelaufen. Von Fischke kann auch nicht bestätigen, dass das Limburger Ordnungsamt den Parkern in der Altstadt das Leben unnötig schwer mache. Wenn man mit den Mitarbeitern rede, seien sie kulant. Wer natürlich ständig Regeln breche, der sei letztlich selbst schuld, wenn er einen Strafzettel kassiere.

Pascal Mutudi vom Restaurant „Don Camillo“ ist der Ansicht, dass es im Umfeld, genügend Parkplätze gibt. Bild-Zoom
Pascal Mutudi vom Restaurant „Don Camillo“ ist der Ansicht, dass es im Umfeld, genügend Parkplätze gibt.

Pascal Mutudi vom Restaurant „Don Camillo“ sieht keine Parkprobleme in der Altstadt. Im Umfeld gebe es für Gewerbetreibende wie für Gäste genügend Parkplätze. Marlene Schmitz, ehemalige Chefin des Altstadtkreises und Altstadtbewohnerin, hingegen findet die derzeitige Parksituation gerade an den Sommer-Wochenenden durch Gäste der umliegenden Gastronomien für Anwohner katastrophal. Sie hält es für eine Fehlentscheidung, die Parkgebühren im Altstadtparkhaus zu verdoppeln. Dadurch parkten immer mehr Altstadtbesucher illegal in den engen Straßen drumherum, sagt sie. Selbst Knöllchen hätten da ihren Beobachtungen nach kaum korrigierende Wirkung. Sie fragt sich, warum die frühere Regelung mit Absperrpollern nicht beibehalten worden sei. Für die hätten nur die Anwohner die Schlüssel gehabt. Zufrieden ist Marlene Schmitz immerhin, dass Altstadtbewohner nach wie vor einen günstigen Preis für Dauerplätze in den Parkhäusern bezahlen. Paul-Josef Hagen, der in „seiner“ Altstadt Gott und die Welt kennt, sieht die Parkplatzsituation gelassen: „Unzufriedene gibt es überall“, sagt er. Wer sich in der Altstadt ein Haus kaufe, der wisse, dass er mit Einschränkungen beim Parken leben müsse. Wichtig sei, dass die Bewohner mit schweren Einkäufstüten mit dem Wagen bis zur Haustüre kämen, und das sei gegeben.

Noch nie angesprochen

Ortsvorsteherin Sigi Wolf (CDU) meint zum Thema: „Auf die Parkplatzsituation in der Altstadt bin ich noch von keinem einzigen Bürger angesprochen worden.“ Laut Wolf gibt es im Umfeld der Altstadt für Bewohner wie Gäste der Wirtschaften und Geschäfte ausreichend Parkplätze. Von daher würden die Parkplätze auf dem Kornmarkt ihrer Ansicht nach nicht unbedingt gebraucht.

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