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Der Weihnachtsbaum-Experte: Baumschulmeister Daniel Schumann kennt sich aus

Wenn die Familie am Heiligen Abend „O Tannenbaum“ anstimmt und der Blick zum Baum schweift, wandern die Gedanken von Daniel Schumann manchmal zehn bis 15 Jahre zurück. Denn damals setzte er die Christbäume, die in diesem Jahr die Wohnstuben schmücken.
Wenn Opa Waldemar und Papa Daniel Schumann ans Weihnachtsbaumschlagen gehen, sind Felix und Max am liebsten dabei. Bilder > Foto: Anette in Concas Wenn Opa Waldemar und Papa Daniel Schumann ans Weihnachtsbaumschlagen gehen, sind Felix und Max am liebsten dabei.
Limburg. 

Heute ist ein besonderer Tag in der Baumschule Schumann. Ein Großteil der Mannschaft ist auf den Feldern unterwegs – die ersten Weihnachtsbäume werden gefällt. „Wir fangen spät an“, berichtet Baumschul-Gärtnermeister Daniel Schumann, „einfach damit die Bäume möglichst lange schön bleiben.“ Jetzt wird es aber Zeit, denn viele Familien bauen ihre Weihnachtsbäume gerne etwas früher auf. Damit die nicht so schnell nadeln, sollten sie so lange wie möglich draußen gelagert werden“, empfiehlt der Fachmann, „außerdem ist es sinnvoll, sie noch einmal anzuschneiden, bevor sie ins Wasser kommen. So wie bei Blumen eben!“

Daniel Schumann ist mit Weihnachtsbäumen aufgewachsen. Seine Eltern, Lydia und Waldemar Schumann, haben vor über 40 Jahren ihre Baumschule in Mensfelden eröffnet. Als es Herbst wurde und keine Arbeit mehr da war, wollten die Jungunternehmer ihre Mitarbeiter nicht stempeln schicken. „Wir sind damals in den Westerwald gefahren und haben dort kleine Tannen gekauft“, erzählen die beiden. „So begann das mit den Weihnachtsbäumen bei uns.“

Stachlig oder seidenweich

Längst werden die Bäume in der Firma an der B 417 zwischen Linter und Mensfelden selbst gezogen. Waren es vor 40 Jahren vor allem Rotfichten, oft mit extra noch reingesteckten Ästen zur Auffüllung, so sind heute Blaufichten, Nordmanntannen und Coloradotannen gefragt. Jeder Baum hat seine Vorteile, weiß Daniel Schumann. Er kennt sie alle und schnurrt sie wie am Schnürchen runter: Die klassische Nordmanntanne sticht nicht, hält besonders lange, hat schön geschwungene Äste und eine angenehm dunkelgrüne Farbe. Allerdings duftet sie nicht und ist nur bedingt geeignet für echte Kerzen, da die Äste nicht so stark sind. Im Gegensatz dazu duftet die Blaufichte wunderbar weihnachtlich, sträubt sich aber beim Anfassen und sticht ordentlich zu. Dafür ist sie, dank ihrer starken Äste und ihres etagenförmigen Wuchses prima dazu geeignet, echte Kerzen zu tragen. Die Blaufichte gibt es in blau und in grün, wird aber immer Blaufichte genannt. Der Baum ist ein echtes Überraschungspaket. Da er über Saatgut vermehrt wird, kann man bei einer Jungpflanze noch nicht sehen, welche Farbe sie später trägt. „Aber die Menschen wollen viel lieber blaue Fichten“, berichtet der 43-jährige Baumschulmeister, „mit Ballen werden immer nur blaue Bäume gekauft.“ Die dritte Sorte der beliebtesten Weihnachtsbäume nennt sich Coloradotanne. Mit seinen langen, seidenweichen Nadeln und der schönen Farbe ist er ein echter Liebhaberbaum. „Allerdings in der Anzucht schwierig, man muss viel schneiden und formen“, erklärt der Fachmann.

Setzlinge aus dem Sauerland

Geschnitten und geformt wird übrigens jedes Jahr. Von selbst wachsen die Bäume nicht so schön in Form. Das wann und wie ist dabei entscheidend. Selbst Daniel Schumann lernt da immer noch dazu. Er kauft seine Bäume als Dreijährige. Dann sind sie etwa 20 Zentimeter hoch und beginnen, bei richtiger Pflege, erst mit dem Wachstum. Ausgesät werden sie in spezialisierten Betrieben. „Davon gibt es nur eine Handvoll in Deutschland“, weiß der junge Familienvater und lädt Söhnchen Felix, der mit seinem Bobbycar vorbeisaust, schnell mal einen Mini-Tannenbaum auf den Anhänger. Und woher kommt der Samen? Der Samen wächst an der Spitze des Baumes. „Zur Samengewinnung gibt es spezielle Zapfenpflücker“, berichtet Daniel Schumacher weiter. „Diese Zapfenpflücker suchen sich die schönsten Bäume aus, klettern bis zur Spitze, also oft bis 20 Meter hoch und pflücken die Zapfen, die sich sonst dort oben nach und nach auflösen würden!“ Anschließend werden die Zapfen getrocknet, und der Samen kommt für einige Monate in ein Kühlhaus.

Das größte deutsche Weihnachtsbaum-Anbaugebiet ist übrigens das Sauerland. Nach den schweren Stürmen vor etwa zehn Jahren wurde mit künftigen Christbäumen neu aufgeforstet. Auch Daniel Schumann kauft hier einen Teil seiner Dreijährigen.

Niedriger PH-Wert

Mit dem Setzen geht die Arbeit richtig los. Da Tannenbäume einen niedrigen PH-Wert verlangen, der heimische Bodenwert aber höher liegt, hält er die Nährstoffe fest im Boden. So müssen regelmäßig Bodenproben gezogen und passend gedüngt werden. Auch die Kalkulation ist nicht so leicht. „Man muss etwa zehn Jahre vorausplanen.“ Dafür bieten die regionalen Baumschulen aber auch frische und extra gezogene Bäume, die keine langen Transportwege brauchen und daher umweltfreundlicher sind. Übrigens ist es in vielen Baumschulen auch möglich, selbst zu schlagen. Schumanns zum Beispiel öffnen am Samstag, 16. Dezember, ein Baum-Quartier. Dort können Familien sich ihren eigenen Weihnachtsbaum aussuchen und fällen.

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