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Brücken-Streit in Limburg: Bebauung der Lahntalbahnbrücke in der Kritik

Nimmt man den Applaus zum Maßstab, waren es überwiegend Brückenbaugegner und Kritiker des Projekts, die alte Autobahnbrücke zu bebauen, die am Montagabend zum NNP-Forum in die Limburger Stadthalle kamen.
Die Stadthalle war voller Bürger, die sich informieren, ihre Meinung kundtun und Fragen stellen wollten.	Fotos: Braun Bilder > Die Stadthalle war voller Bürger, die sich informieren, ihre Meinung kundtun und Fragen stellen wollten. Fotos: Braun
Limburg. 

Rund 800 Bürger wollten erfahren, wie weit die Planungen sind, ihre Meinung zu diesem umstrittenen Projekt äußern und Fragen stellen. Ob die Planungen wirklich offiziell werden, entscheiden die Stadtverordneten in Limburg erst Mitte November.

„Was möchten Sie, Herr Bürgermeister, soll die Brücke bebaut werden – Ja oder Nein?“, fragte der ehemalige Pfarrer von Eschhofen, Hubertus Janssen. Und er erhielt von Bürgermeister Martin Richard (CDU) beim NNP-Forum in der Stadthalle am Montagabend eine klare Antwort. „Für mich ist das eine Frage der Substanz“, sagte Richard. „Wenn eine Versicherung kommt, ein Kongresszentrum und ein Hotel, dann sollten wir das positiv weiter begleiten. Wären es nur Einzelhandel und Wohnen, sollten wir das Projekt ablehnen.“

 

„Ein einmaliges Objekt“

 

Auf der alten Autobahnbrücke will Geschäftsmann Albert Egenolf aus Runkel vier Wohn- und Bürotürme errichten lassen, mit je elf Etagen – sieben oberhalb der Brücke, vier an den Pfeilern. „Das ist ein einmaliges Objekt für Deutschland“, sagte Egenolf. „Wir schaffen Arbeitsplätze. Es gibt große international tätige Firmen mit Sitz in Limburg, die sagen: Limburg braucht ein Kongresszentrum und ein großes Hotel. Bedenken Sie das, bevor sie sagen: ,Die Brücke muss weg‘.“

Bilderstrecke Was wird aus der Lahntalbrücke?
397 Meter ist die Lahntalbrücke in Limburg lang, seit mehr als 70 Jahren rauschen Tag für Tag Autos über sie. Bereits im Jahr 2003 ergab die regelmäßige Bauwerksuntersuchung, dass die Brücke dringend instand gesetzt werden muss. Eine Notinstandsetzung und Erneuerung der Fahrbahnplatten ertüchtigte 2004 und 2005 das Bauwerk noch einmal für rund zehn Jahre. Doch jetzt ist es wieder Zeit für die Frage: Was wird aus der Lahntalbrücke? (Fotos: Archiv, Privat)Die Lahntalbrücke soll in Zukunft durch eine neue Brücke ersetzt und dann abgerissen werden - das sah der Plan ursprünglich vor. Die Runkeler Firma Egenolf hat nun jedoch die Idee vorgestellt, die alte Brücke weiter zu nutzen und Wohnungen an und auf ihr errichten.Ein besonderer Pluspunkt, der Interessierte anlocken könnte, ist die tolle Aussicht, die sich von der alten Brücke aus bietet.

Überzeugen konnte Egenolf die Kritiker damit aber nicht. „Das lässt jede Sinnhaftigkeit vermissen“, sagte der ehemalige Denkmalpfleger der Stadt Limburg, Jürgen Ebel. „Verzichten Sie auf das Projekt, aber bleiben Sie der Stadt als Investor erhalten.“ Von einer „Verunstaltung unserer schönen Heimat“ sprach Wolfgang Duchscherer, der im Eschhöfer Weg mit direktem Blick auf die alte Autobahnbrücke wohnt. Eine Bebauung sei fahrlässig, weil die Brücke „bröckelt“ und „Flickstellen“ aufweise. „Es gibt Flickstellen“, räumte Egenolf ein, „aber die Brücke wird neu ertüchtigt. Das lässt sich alles sanieren.“

Unbeantwortet blieb hingegen Duchscherers Frage, ob die Bürger in Eschhofen und Dietkirchen nach einer Brückenbebauung unter Lärm zu leiden hätten auf Grund von Schall-Reflexionen.

Mit den vier Brücken-Türmen soll eine Nutzfläche von insgesamt 28 000 Quadratmetern entstehen. Netto sollen nach Angaben von Architektin Jacqueline Schmidt aus Erfurt, die das Projekt betreut, 22 000 Quadratmeter als vermietbare Fläche zur Verfügung stehen.

Auf die Frage eines Bürgers, wie sich die große Zahl dieser Nutzfläche mit den zahlreichen freien Gewerbeflächen im Stadtgebiet vereinbaren lasse, entgegnete der Bürgermeister, für die Brücke als Standort würden sich auch Investoren interessieren, für die eine Ansiedlung an anderer Stelle nicht in Frage komme. Im Übrigen schone eine Ansiedlung von Firmen auf der Brücke andere Flächen in der Stadt. Denn es werde immer schwerer, geeignete Flächen für Firmenansiedlungen zu finden. „Eine Kommune, die sich wirtschaftlich weiterentwickeln will, braucht aber Flächen.“

Nach Informationen der NNP will der weltgrößte Versicherungskonzern, die Allianz mit Sitz in München, einen Turm erwerben und soll auch als Finanzier in Frage kommen. Außerdem sollen vier Hotelketten Interesse an einem weiteren Turm haben.

Rund 800 Bürger waren in die Stadthalle gekommen, um von Egenolf zu erfahren, warum und wie er das Projekt entwickeln will. Viele hielten einen Prospekt in der Hand, mit dem Egenolf für sein Projekt wirbt und der der NNP vor kurzem beigelegt war. „Mit diesem Prospekt haben Sie uns ver,albert‘“, spottete Brückenbau-Kritiker Dr. Hans-Peter Luboeinski aus Diez.

Simon Lissner aus Dehrn, Mitglied im Grünen-Kreisvorstand, hielt den Kritikern entgegen, seiner Einschätzung nach „finden viele Limburger an diesem Projekt Gefallen. Das wird Limburg positiv verändern.“ Auch für diese Einschätzung gab es Beifall. Und er kritisierte die Brückenbau-Kritiker mit den Worten: „Jeder Gedanke, der Limburg positiv verändern würde, soll gar nicht erst gedacht werden.“

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