Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Ärztliche Sprechstunde für Flüchtlinge: Beeindruckende Hilfe

Von Sie kommen teilweise ohne Schuhe und Strümpfe, haben Freunde oder Familienmitglieder auf der Flucht sterben sehen und ihre Frauen und Kinder in Syrien oder Afghanistan zurücklassen müssen. In dem Zeltlager in Limburg leben die Flüchtlinge erst einmal sicher – und erhalten viel Hilfe.
Frank Opper, ausgebildeter Feldkoch, schöpft mit einem großen Löffel die Soße unter den Augen Dr. Raimund Mühlhaus in den Bottich; im Hintergrund rührt Sebastian Schindler in einem zweiten Topf. Frank Opper, ausgebildeter Feldkoch, schöpft mit einem großen Löffel die Soße unter den Augen Dr. Raimund Mühlhaus in den Bottich; im Hintergrund rührt Sebastian Schindler in einem zweiten Topf.
Limburg. 

„Probier noch mal“, fordert Jan Heller seinen „Kollegen“ Frank Opper auf. Sie stehen zusammen am „Kochtopf“, der allerdings deutlich größer ist als der, der normalerweise in einer Küche steht. Heller und Opper sind ehrenamtlich im Malteser Hilfsdienst (MHD) aktiv und ausgebildete Feldköche. Gestern Mittag haben sie für 550 Flüchtlinge des Zeltlagers in Staffel gekocht. Unterstützt wurden sie dabei von Herbert Endlein, Dr. Raimund Mühlhaus und Sebastian Schindler.

Die Männer in der Feldküche sind nur ein Teil des MHD-Teams, das seit Freitag vergangener Woche im Einsatz ist. „Knapp 30 Helfer haben wir täglich im Einsatz“, sagt Rene Schultheis vom MHD. 25 von ihnen sind im Bereich Verpflegung aktiv. Gestern Abend sollte in der Küche, die sich in Eschhofen in einem ehemaligen Industriekomplex befindet, die letzte Mahlzeit von den Maltesern vorbereitet werden. Für 650 Menschen haben sie Lunchpakete gepackt mit Brot, Butter, Käse. Ab heute, Donnerstag, sollen die Menschen in dem Erstaufnahmelager von einem Caterer beliefert werden.

Das Mittagessen wird in der Feldküche des Malteser Hilfsdienstes portioniert. Jan Heller gibt dabei die Größe der Nudelportion vor. Bild-Zoom
Das Mittagessen wird in der Feldküche des Malteser Hilfsdienstes portioniert. Jan Heller gibt dabei die Größe der Nudelportion vor.

Von 6 bis 18 Uhr

 

Um 6 Uhr morgens begann der Dienst für die Malteser Helfer, um 18 Uhr war Schluss mit Küchendienst. Allerdings war es bis 22 Uhr möglich, noch Verpflegung nachzubestellen, sollten noch neue Flüchtlinge im Lager ankommen.

Das Frühstück, das von 8 Uhr an im Versorgungszelt des Zeltlagers eingenommen wird, bestand aus Brot, Butter, Konfitüre, Obst, Kaffee und Tee. Für die Auslieferung des Mittagessens, so Rene Schultheis, waren noch besondere Anschaffungen notwendig. Warmhalteboxen mussten besorgt werden, damit das Essen auf der Fahrt von Eschhofen nach Staffel nicht auskühlt.

„Wir haben uns von Anfang an darauf eingestellt, dass auch viele Muslime unter den Flüchtlingen sind. Es gab zum Beispiel kein Schweinefleisch“, sagt Gudrun Pressler von den Maltesern. Nudeln, Kartoffeln, Reis, Gemüse, das wurde alles in der Feldküche zubereitet. Gestern nach dem letzten Abendessen wollten die Malteser damit beginnen, die Feldküche in ihrem Gebäude wieder abzubauen. „An so einen großen Einsatz unserer Feldküche kann ich mich nicht erinnern“, sagt Rene Schultheis.

Für die Flüchtlinge in dem Zeltlager sind die Betreuungszüge I und II des Landkreises im Einsatz, die von den Maltesern und dem Roten Kreuz gestellt werden. Während sich die Malteser bisher um die Verpflegung kümmerten, stellen die Kreisverbände des Roten Kreuzes den Sanitätsdienst in der Erstaufnahmeeinrichtung, wie Harald Wingenbach vom Roten Kreuz erläutert. Die medizinische Betreuung geschieht derzeit auch noch auf ehrenamtlicher Basis. Der Waldbrunner Hausarzt und Leitende Notarzt des Landkreises, Dr. Thomas Schmitt, hat sich zusammen mit seinem Kollegen Klaus Lanio der Aufgabe angenommen. 191 Patienten haben sie bis Dienstagabend um 22.15 Uhr behandelt. „Das ist ein Hobby für mich“, sagt Schmitt, der gestern wieder seine „Sprechstunde“ in dem Zeltlager abhielt.

 

Ohne Schuhe und Strümpfe

 

Abszesse, Brüche, Blasen, eine Geburt, zwei Herzinfarkte, einsetzende Wehen – ein kleiner Auszug aus der Liste dessen, was da bis gestern Abend anfiel. „Keine einzige Infektionskrankheit ist mir bisher vorgekommen“, so Schmitt weiter. Das ehrenamtliche Engagement, das für die Flüchtlinge geleistet werde, sei ganz enorm, so die Einschätzung des Arztes. Und manchmal ist auch andere Hilfe notwendig, wenn zum Beispiel Flüchtlinge ohne Strümpfe und Schuhe ankommen. Dann müssen die Blasen medizinisch versorgt werden, aber es gilt auch Strümpfe und Schuhe zu besorgen. „Mit unserem Dienst entlasten wir auch den Rettungsdienst des Landkreises“, zeigt Schmitt noch einen Nebenaspekt des ehrenamtlichen ärztlichen Tuns auf. Wenn sich Mediziner der Flüchtlinge annehmen, dann braucht der Rettungsdienst nicht in Anspruch genommen werden. Schmitt hat nach eigenen Angaben inzwischen auch zu verschiedenen Kollegen Kontakt aufgenommen, um sie zu einem ärztlichen Dienst für die Flüchtlinge zu animieren. Er ist davon überzeugt, dass einige Kollegen seinem Werben auch folgen werden.

 

Sichtschutz kommt

 

Die Aufenthaltsdauer der Flüchtlinge in dem Zeltlager, das seit Ende verganenger Woche besteht, ist sehr unterschiedlich. Für einige gibt es einen Aufenthalt für einige Stunden, andere verbringen dort mehrere Nächte, bis es in die festen Unterkünfte weitergeht. Das Lager selbst verändert sich auch noch. Drei Großzelte mit jeweils 150 Schlafplätzen stehen nun auf dem Areal des ehemaligen Buderus-Geländes. Dafür hat sich die Zahl der kleineren Zelte, die zunächst aufgebaut wurden, deutlich reduziert.

Nach Informationen der Stadt will das Regierungspräsdium noch einen Sichtschutz um das Zeltdorf errichten, um die Flüchtlinge vor den Blicken der Zaungäste zu schützen.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse