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Grab als Schandfleck: Beschwerden über verwahrloste Ruhestätten nehmen zu

Von Die Friedhofsordnung regelt es ganz klar: Unkraut hat auf dem Grab nichts zu suchen, die Bepflanzung darf den Nachbargrabstätten nicht zu nahe kommen. Aber die Zahl der Grabstätten, um die sich niemand kümmert, steigt. Auch in Limburg.
Überwuchert von Efeu und voller Laub: Dieses Grab wurde offenbar schon länger nicht mehr gepflegt. Bilder > Foto: Johannes Koenig Überwuchert von Efeu und voller Laub: Dieses Grab wurde offenbar schon länger nicht mehr gepflegt.
Limburg. 

Der Bodendecker wächst längst nicht mehr nur auf dem Boden, der Name auf dem Grabstein ist schon lange nicht mehr zu erkennen. Löwenzahn und Giersch sind es, die für ein bisschen Farbe sorgen. Wenn der Verstorbene das sehen könnte, würde er sich vermutlich im Grabe umdrehen. Schließlich lebte er in einer Zeit, in der die Pflege des Grabes Ehrensache war und schlicht und einfach zum Gedenken dazugehörte.

Die Zeiten sind vorbei. „Die Pflegemoral lässt stetig nach“, sagt Sabine Schmitt, Leiterin der Limburger Friedhofsverwaltung. Allerdings gebe es Unterschiede. Die Grabstätten auf den Friedhöfen in den Stadtteilen seien häufig in gepflegterem Zustand als die Gräber auf dem Hauptfriedhof. Wahrscheinlich, weil die Struktur dort noch eher dörflich sei und meist noch Angehörige da seien. In der Kernstadt sei die Fluktuation wahrscheinlich größer.

Einebnen und einsäen

Und deshalb rufen vor allem aus der Kernstadt immer wieder Angehörige bei der Friedhofsverwaltung an, die sich durch das verwahrloste Grab neben der letzten Ruhestätte ihrer Lieben gestört fühlen. Andere meldet der Friedhofsgärtner. Dann wir die Friedhofsverwaltung aktiv. Zunächst einmal wird geklärt, ob das Grab wirklich ungepflegt ist oder ob jemand einfach einen anderen Geschmack hat. Wenn das Grab den Vorgaben der Friedhofsordnung nicht genügt, macht sich die Verwaltung auf die Suche nach Angehörigen und fordert sie auf, das Grab in Ordnung zu bringen. Das wirkt meistens. Wenn aber kein Angehöriger mehr da ist oder die Grabpflege schlicht und einfach nicht übernehmen kann, weil er selbst erkrankt ist oder weit weg lebt, aber nicht bereit oder in der Lage ist, einen Gärtner zu beauftragen, dann wird der Friedhofsgärtner aktiv: Er entfernt die Bepflanzung und sät das Grab ein – eine Rasenfläche ist pflegeleicht und kein Schandfleck. Allerdings prangt dann eine Rasenfläche im Gräberfeld. Denn ausgehoben werden darf das Grab erst nach dem Ende der Totenruhe, also nach 30 Jahren.

Bestattung in Zahlen

Insgesamt 314 Menschen wurden im vergangenen Jahr auf den Limburger Friedhöfen bestattet. 112 im Sarg in der Erde, 202 in einer Urne. Das Verhältnis von Erd- zu Feuerbestattungen ist

clearing

Aber das Einebnen der Grabstätte sollte eigentlich das letzte Mittel sein. Theoretisch könnte die Friedhofsverwaltung vorher eine Geldbuße verhängen. „Wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 28 Abs.1 Grabstätten nicht entsprechend der Würde des Friedhofs pflegt und stets in einem ordentlichen Zustand hält“, kann mit einer Geldbuße von bis zu 1000 Euro bestraft werden, heißt es in der Friedhofsordnung. Das sei aber noch nie passiert, sagt Sabine Schmitt.

Einen Gärtner engagieren

Und vermutlich wird es auch nicht passieren. Denn immer mehr Menschen wollen sich die Mühen der Grabpflege ersparen – und entscheiden sich gleich für eine Rasengrabstätte. Dann wird der Grabplatz von den Friedhofsgärtnern eingesät und regelmäßig gemäht. „Und das bedeutet dann null Pflegeaufwand für die Angehörigen.“ Das können sie natürlich auch teurer haben – indem sie einen Gärtner engagieren. Vor allem auf dem Hauptfriedhof seien viele Grabstätten an Gärtnereien vergeben, sagt Sabine Schmitt. Und viele Angehörige schlössen über hiesige Gärtnereien Verträge mit der Treuhandstelle für Dauergrabpflege in Frankfurt ab. Die Stadt selbst biete keine Grabpflege an. Mitarbeiter des Bauhofes sind für das Ausheben und Schließen des Grabes zuständig und kümmern sich um die Friedhofsanlagen – allein der Hauptfriedhof ist elf Hektar groß – nicht mehr und nicht weniger. Insgesamt 148 Bestattungen wurden dort im vergangenen Jahr gezählt. Und der Trend zur Urnenbestattung ist eindeutig: 51 Leichname kamen auf dem Hauptfriedhof im Sarg unter die Erde, 97 wurden verbrannt. Und das hat vermutlich mehrere Gründe: Die Bestattung in der Urne ist preiswerter, und die Grabfläche ist leichter zu pflegen. Außerdem kann die Mindestruhefrist der Urne auf 20 Jahre verkürzt werden – wenn die Angehörigen einverstanden sind. Und das sind sie in den meisten Fällen. Denn dann muss die Grabstätte ja auch nicht so lange gepflegt werden.

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