Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Limburg an der Lahn 10°C

Bedrohte Artenvielfalt: Blühende Flächen lohnen sich für Erhalt von Insekten

Manfred Lindner strahlt: Er ist seinem Traum von einer blühenden Kurstadt ein gutes Stück näher gekommen. Seit 2014 leistet der Imker Überzeugungsarbeit. Jetzt hat er einen ersten Erfolg erzielt. Mit naturnahen Gärten und öffentlichen Flächen voller Blüten will er die bedrohte Artenvielfalt von einheimischen Insekten erhalten. Die Theorie lieferte Dorothee Dernbach mit einem Vortrag im Kurhaus.
Blühende Wildpflanzen statt eintöniges Grün – die „Initiative blühendes Bad Camberg“ regt an, Straßenränder und öffentliche Flächen in Nektar spendende Insekten-Oasen zu verwandeln. Foto: Gertrud Brendgen Blühende Wildpflanzen statt eintöniges Grün – die „Initiative blühendes Bad Camberg“ regt an, Straßenränder und öffentliche Flächen in Nektar spendende Insekten-Oasen zu verwandeln.
Bad Camberg. 

Auf Manfred Lindners Initiative hin lud die Stadt zu dem Bio-Vortrag ein. Thema: „Öffentliche Grünflächen mit heimischen Wildpflanzen naturnah gestalten.“ Trotz des etwas sperrigen Titels kamen recht viele Stadtverordnete und Bürger ins Kurhaus, um der Referentin Dorothee Dernbach zuzuhören. „Schon die kleinste blühende Fläche ist eine Nektar spendende Oase für Insekten.“ Wie kann es gelingen?, war eine erste Frage. Mit „einfach wachsen lassen“ sei es leider nicht getan.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, solche Flächen anzulegen. Wichtig sei: Das Substrat und der nötige Humus müssten unkrautfrei sein. „Billigware“ sei eher ungeeignet, enthalte sie doch Unkrautsamen, die nicht heimisch sind. Sie breiten sich aus und verdrängen heimische Kräuter.

Manfred Lindner von der Initiative „Blühendes Bad Camberg“ Bild-Zoom Foto: Gertrud Brendgen
Manfred Lindner von der Initiative „Blühendes Bad Camberg“

Blühende Flächen sollen „nachhaltig angelegt“ werden. Das bedeutet: Langlebige, heimische Wildpflanzen sollen mehrere Jahre wachsen. Sorgfalt bei der Vorbereitung der Flächen und bei der Saat-Auswahl sei dafür unbedingt notwendig, so ein Fazit der Ausführungen von Dorothee Dernbach. Das alles erfordert nicht nur ein Umdenken, sondern vor allem ein „Umlernen“. Öffentliches Grün gehört in Bad Camberg zu den Aufgaben des Bauhofs. „Die Mitarbeiter müssen entsprechend geschult werden und bräuchten auf jeden Fall andere Arbeitsgeräte.“

Zusammen Kräfte bündeln

Deshalb regte Dernbach an, sich mit anderen Kommunen zusammenzuschließen und gemeinsame Sache zu machen. Etwa so: Eine Kommune beginnt, lädt Fachleute ein, mit denen ausgewählte Flächen vorbereitet und angesät werden. Beteiligte Kommunen arbeiten mit und kommen gleichzeitig in den Genuss einer Schulung. Denkbar wäre auch, dass mehrere Kommunen sich einen Mäher teilen.

Kleine, lilafarbene Glockenblumen und weiße Schafgarbe sind ideal für nachhaltige Blühflächen am Straßenrand. Bild-Zoom Foto: Gertrud Brendgen
Kleine, lilafarbene Glockenblumen und weiße Schafgarbe sind ideal für nachhaltige Blühflächen am Straßenrand.

Wie ist das mit der Akzeptanz bei den Bürgern? Die ist schnell erreicht, wenn ihnen statt eintönigem Grün strahlend blaue Kornblumen und feuerroter Klatschmohn vom Seitenstreifen entgegenleuchten. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings ein recht kleiner. So schön die genannten Blumen fürs Auge sind: Zum einen locken sie Honigbienen und Hummeln an, zum anderen sind sie einjährig. Das heißt: Die Fläche wird Jahr für Jahr umgepflügt und „beackert“. Ziel sollte aber sein, eine große Vielfalt an Insekten anzulocken und eine nachhaltige Blumenwiese anzulegen.

Diese sieht im ersten Jahr nicht ganz so prächtig aus, bietet aber jedes weitere Jahr neue bunte Hingucker. Zu Beginn ist die Fläche überwiegend gelb, im nächsten Jahr kommen blaue Blüten hinzu und so weiter. So bearbeitete Flächen werden nicht jährlich umgepflügt, sondern lediglich zweimal im Jahr gemäht. Wichtig ist allerdings, dass der Schnitt maximal eine Woche auf dem Gelände liegen bleibt und dann entfernt wird. „Nur dieses Vorgehen garantiert, dass die Fläche tatsächlich bunt bleibt und nachwächst“, betont die Fachfrau.

Grüne Oase im Garten

Eine Vorgehensweise, die unspektakulärer ist als eine Korn- und Mohnblumenpracht. Hier müssten die Bürger auf jeden Fall auf Tafeln informiert werden. Damit, so Dorothee Dernbach, könne viel erreicht werden. „Es gibt sogar Leute, die im eigenen Garten solche grünen Oasen anlegen.“

Kneipen für Insekten

Die stattliche Königskerze ist ein wahres Wirtshaus für heimische Insekten wie Fruchtfliegen, Bienen und Falter. 90 verschiedene Arten teilen sich die Pflanze.

clearing

Übrigens: Im Stadtgarten von Bad Camberg, im „Bungert“, ist durch Privatinitiative auch schon einiges im Hinblick auf „Er-Lebensraum Wildgarten“ passiert. Für Stadtverordnetenvorsteher Heinz Schaus, der an diesem Projekt ebenfalls mitarbeitet, „zwar ein ganz kleiner Schritt, aber auf jeden Fall ein wegweisender in die richtige Richtung“.

Blühendes Bad Camberg

„Blühendes Bad Camberg“ ist eine Initiative des Imkervereins „Emstal im Taunus“ und der „Rotmilane Würges“. Informationen gibt es im Internet unter der Adresse: www. bluehendes-bad-camberg.de.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse