Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Limburg an der Lahn 10°C

Freiendietz: Brandkatastrophe steht im Mittelpunkt der 800-Jahr-Feier

800 Jahre Freiendiez: Mit einem Festakt in der Jakobuskirche findet das Jubiläum einen beeindruckenden Auftakt.
Hans-Otto Rether beleuchtete das historische Geschehen. Bilder > Hans-Otto Rether beleuchtete das historische Geschehen.
Freiendiez. 

Nein, spektakulär war es nicht. Nicht die Entstehung, nicht die erste urkundliche Erwähnung, auch nicht die Zeit ohne Stadtrechte. Wer in der historischen Einführung von Hans-Otto Rether herausragende Ereignisse erwartet hatte, den musste der frühere Dekan zumindest in dieser Hinsicht enttäuschen. Spektakulär, das war die Hilfsbereitschaft aus der Umgebung, aus Westerwald und Taunus, als fast auf den Tag genau vor 200 Jahren ein Großbrand den Freiendiezer Ortskern vernichtete. Und spektakulär sollte es wieder werden, als die Ortsgemeinde am Freitag Jubiläum, Jahrestag und – allem Anschein nach – sich selbst feierte.

Mit einer (Jubel-)Stimmung, wie sie in der Jakobuskirche selten sein dürfte, aber auch mit gebührender Ehrfurcht, wie es der Landrat nannte. Es sei wichtig, „Orientierung und Werte“, ja „eine Linie im Leben zu haben“, würdigte Frank Puchtler die gelungene festliche Gratwanderung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Erinnerungen an die eigene Schulzeit und Hinweise auf ein Gewerbegebiet mit Weltmarktführern und „Hecker“ als Teil einer „einst revolutionären Freiheitsbewegung“ ließ der Landrat auf der Urkunde des Landkreises den Blick nach vorn folgen.

Phoenix aus der Asche

Eingerahmt von den Ortsflaggen der damals hilfsbereiten Nachbarorte, ein Zeichen unvergesslich überlieferter Dankbarkeit, und den Werken Ivan Olivares, deren grelles Rot-Gelb die verheerende Feuersbrunst symbolisieren, erlebt die Gemeinde in der voll besetzten Kirche die Begrüßung musikalisch und – in Reimform. Der Männerchor Germania Freiendiez, für Puchtler „einer der stärksten Chöre im Land“, erhebt die Stimme, Stadtbürgermeister Frank Dobra und Pfarrerin Kerstin Lüderitz gestalten die Begrüßung als Gedicht.

800 Jahre Freiendiez – dass es noch ein paar Jahre mehr sein könnten, erwähnt Rether. Der frühere Dekan lässt durchblicken, dass die erste von drei Dorfkirchen „sehr wahrscheinlich“ schon vor 1000 Jahren bestand. Es ist aber die jüngere Vergangenheit, die an diesem Abend breiteren Raum einnimmt. Natürlich der Brand, bei dem „kein Mensch und kein Tier zu Schaden kam“, die Erinnerung an die Hilfsbereitschaft, das Wiederentstehen wie „Phoenix aus der Asche“. Schließlich wird Rether brandaktuell: „Wir sollten uns erinnern an die Menschen, die anderen in der Not beistehen“, rückt er die Feuerwehr in den Vordergrund. „Sie alle sind uns Vorbild.“

Andere „Bilder“ sind vielen unter den Zuhörern noch in guter Erinnerung. Der „Verlust der Identität“ zum Beispiel, als Freiendiez mit der Eingemeindung die Selbstständigkeit einbüßte, oder wie der Name doch wieder auf den Ortseingangsschildern auftauchte. „Wie aus dem Nichts“ war das Dorf wiedererstanden. „Möge es noch lange bestehen und vielen eine Heimat bieten“, schließt der Pfarrer seinen Vortrag.

Mehr der Neuzeit widmet sich auch Michael Schnatz. Morgens die Schlüsselübergabe an die Bundespolizei durch den Innenminister, gleich am Dienstag der Spatenstich für das lange ersehnte Tunnelprojekt, jetzt, am Abend, der Beginn des Festwochenendes – der Verbandsgemeinde-Bürgermeister hat allen Grund, von einem „vielfältigen Alltagsgeschehen“ zu reden. Um aber den Blick auf die Gestaltung der Zukunft zu richten, kommt Schnatz an der Vergangenheit nicht vorbei. „Man kennt sich, man hilft sich ohne große Worte“, nimmt der Kommunalpolitiker Bezug auf die von der Festschrift übermittelte Hilfsbereitschaft.

Und dann nimmt Canzonetta, der Frauenchor, die Festgesellschaft mit auf eine Reise in die Vergangenheit, oder besser auf eine Reise von der Vergangenheit in die Gegenwart. Bekannte Musikstücke, manchmal Evergreens, sind es, die begleitet von Lichtbildern und zur Freude der Zuhörer die 800 Jahre seit 1217 Revue passieren lassen.

Feuermusical

Martin Samrock lässt die Orgel erklingen, die Gruppe „Beziehungskiste“ greift zusammen mit Sängern der Germania den Großbrand in einem Feuermusical auf, und Lisa Begere bleibt mit einer Feuer-Jonglage am Thema. CDU-Landtagsabgeordneter Matthias Lammert hat da schon längst die Ortsgemeinschaft mit ihrer bunten Vereinswelt gewürdigt und die Kirche als wichtigen Punkt für Freiendiez bezeichnet. Der beste Anlass, etwas Werbung für den Förderverein der Feuerwehr zu betreiben.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse