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Bürgerinitiative Altendiez gegen Windkraft: Bürgerinitiative lud zur Besichtigung der geplanten Windrad-Standorte ein

Den Wald in seinem aktuellen Zustand sehen, darstellen, was geplant und mit welchen Auswirkungen auf die Natur zu rechnen ist – mit diesem Ziel machte sich eine Gruppe interessierter Bürger auf Einladung der Bürgerinitiative Altendiez gegen Windkraft auf den Weg durch den Forst.
Wald-Info-Treff im Altendiezer Staatsforst: Zusammen mit der Bürgerinitiative gegen Windkraft machten sich interessierte Bürger auf den Weg zu den geplanten Standorten. Foto: Westerweg Wald-Info-Treff im Altendiezer Staatsforst: Zusammen mit der Bürgerinitiative gegen Windkraft machten sich interessierte Bürger auf den Weg zu den geplanten Standorten.
Altendiez. 

Vor Ort wollten die rund 70 Teilnehmer, darunter Spaziergänger aus Heistenbach, Birlenbach und der Esterau, betrachten, was seit Wochen in der Region intensiv diskutiert wird.

Zehn Windräder sollen allein um den Steinkopf entstehen, weitere 13 in Hirschberg, auf dem Höchst und in Eppenrod, insgesamt bis zu 37 zwischen Elz und Heilberscheid. Und das berichteten die Mitglieder umliegender Initiativen übereinstimmend: Vielen, die sich für Strom aus Wind anstelle von Atomenergie aussprechen, fehlen schlicht Informationen über die (monetären) Hintergründe, in Schwachwindzonen Windenergieanlagen höher als der Stuttgarter Fernsehturm aufzustellen.

Der Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde hatte es offenbart: 31 Potenzialflächen hatten die Vorrangzonen rund um Hirschberg ausgewiesen, und einzig der Beschluss, die Abstände zu bebauten Ortslagen für Anlagen höher als 200 Meter auf 1100 Meter zu erweitern, ließ die Anzahl gewünschter Windkraftgiganten auf 23 schrumpfen.

Damit sich jeder vorstellen kann, was im Wald entstehen soll, ein Vergleich. Wer sich in Limburg unter die Autobahnbrücke stellt, den Kölner Dom draufpackt und drüber noch ein zweistöckiges Haus einsortiert, der bekommt eine Vorstellung von den Größenordnungen. Dazu noch ein Vergleich: Die Anlagen in Elz sind 197 Meter hoch, Eppenrod käme auf 199 Meter, Altendiez auf 212, Hirschberg auf 217 und der Höchst auf 229 Meter. Während aufgeweckten Bürgern irgendwann dämmerte, welche Spielwiese aus ihrer Heimat werden soll – die Anlagen für den Höchst sind die größten bisher gebauten und noch nirgendwo auf dem Land errichtet – formierte sich in der Region schnell der Widerstand.

Rodungsfläche markiert

Karl-Heinz Hess führte die Gruppe zu den möglichen Standorten der beantragten Anlagen, die allerdings auch bei den Projektbetreibern iTerra und Trianel noch diverse Controllings zu durchlaufen haben. Noch gibt es nämlich in den Kalkulationen – die Ergebnisse der Windmessungen liegen noch nicht vor – einige Unbekannte, und die könnten umso entscheidender werden, wenn ab Jahreswechsel neue Wettbewerbsbedingungen in den Strommarkt Einzug halten. Dann, so formulierte es Elmar Thyen von Trianel vor einer Woche in Heistenbach, könnte „ein Buch auch zugeklappt werden“.

In den anderen Bereichen sieht es nicht besser aus. Zwei Anlagen für Hirschberg wurden von Planer Ciro Capricano noch gar nicht beantragt, für den Höchst, wo zwei vorgesehenen Standorte außerhalb der Vorrangflächen liegen, dürfte durch Verschiebungen im Zuge der Abstandsregelungen ein kompletter Neuantrag für die Baugenehmigung nötig werden. Über allem schwebt energischer Widerstand mehrerer Bürgerinitiativen.

Der Weg führte zunächst zum Steinkopf in den Staatswald, wo die geplanten Standorte der Windräder in Richtung Schießanlage und Hirschberger Feld besichtigt werden konnten. An einer Stelle wurde mit Begrenzungs-Band die Rodungsfläche von bis zu 7000 Quadratmeter – das entspricht der Größe eines Fußball-Platzes – anschaulich markiert.

Anlagen im Laubwald

Die Standorte liegen nach Meinung der BI fast ausschließlich in Bereichen von Laubwald und Quellgebieten, die nach den jüngsten Beschlüssen der Landesregierung für den Bau von Windkraftanlagen ausgeschlossen sein sollen. Darüber hinaus wurden beim Wald-Info-Treff die bereits auf eine Breite von rund 4,50 Meter ausgebauten Forstwege betrachtet. Vor dem Überwechseln über die B 417 in den Gemeindewald Altendiez konnte noch ein besonderer Platz für eine geplante WEA mit einer großen Baumarten-Vielfalt in einem Quellgebiet, zum Teil mit besonders zu schützenden Tulpen-Bäumen, aufgesucht werden.

Hatten sich Ditmar Hanke und Sven Wewer noch darüber gefreut, dass die Ortsbürgermeister Thomas Kessler (Altendiez) und Dieter Hörle (Birlenbach) am Rundgang teilnahmen, so vermissten die beiden BI-Sprecher doch Vertreter aus Verbandsgemeinde- und Ortsrat.

(hbw)
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