Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
1 Kommentar

Interview: CDU-Fraktionschef Dietz: "Die Gesellschaft ist rauer geworden"

Um das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger in Limburg zu erhöhen, schlägt der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Christopher Dietz mehr Videoüberwachung vor. Im Gespräch mit Redakteur Stefan Dickmann nahm er auch zum Neumarkt und zur Busempfangsstation Stellung.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Christopher Dietz Foto: Anette in Concas Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Christopher Dietz
Limburg. 

Die CDU hat in den Haushaltsberatungen für „mehr Sicherheit in Limburg“ plädiert und von möglichen „Angsträumen“ gesprochen. Hatten Sie schon einmal Angst in der Stadt?

CHRISTOPHER DIETZ: Noch nie. Ich bin eine stämmige Person Anfang 40 und von Natur aus nicht ängstlich. Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass sich viele Menschen nicht mehr so sicher fühlen. Das nehmen wir sehr ernst.

Ist Limburg eine unsichere Stadt?

DIETZ: Nein, im Gegenteil. Limburg ist eine sichere Stadt. Wenn sich Menschen subjektiv unsicher fühlen, hilft allerdings keine Statistik. Auch wenn diese sagt, dass die Polizei heute deutlich mehr Verbrechen aufklärt als vor 20 Jahren. 1997 lag die Aufklärungsquote in Hessen bei 44 Prozent, 2016 bei 62 Prozent. Das liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 56,2 Prozent.

Warum haben trotzdem immer mehr Menschen Angst?

DIETZ: Ich glaube, die Gesellschaft ist rauer und aggressiver geworden, auch heterogener. Das wirkt auf viele Menschen befremdlich.

Wo gibt es Ihrer Meinung nach „Angsträume“ in Limburg?

DIETZ: Bürger sagen uns, dass es Angsträume gibt. Angst entsteht dort, wo Menschen subjektiv Angst empfinden. In manchen Parkhäusern zum Beispiel oder in Unterführungen oder an dunklen Ecken. Die Bürger erwarten von uns Politikern deshalb Antworten. Eine Antwort könnte meiner Meinung nach lauten: Wir brauchen mehr Videoüberwachung.

Warum ist der Bahnhofsplatz dann ein Problem? Die Polizei überwacht ihn per Video und ist dort mit einer Station vertreten. Er ist neu gestaltet worden, es stehen dort helle Laternen.

DIETZ: Viele Bürger fühlen sich trotzdem dort unsicher. Das hat auch etwas mit den Menschen zu tun, die dort jeden Tag am Brunnen anzutreffen sind und Alkohol trinken. Manche haben große Hunde dabei. Das löst Ängste aus. Das ist auch keine schöne Visitenkarte für die Stadt. Auch die zunehmende Zahl von Migranten trägt bei manchen Bürgern zu einem Unsicherheitsgefühl bei. All diese Menschen können völlig harmlos sein. Nur wenn dort Schlägereien mutmaßlich im Drogenmilieu stattfinden, wie im vergangenen Jahr, ist das nicht akzeptabel. Die Polizei hat schnell reagiert mit ihrer „Besonderen Aufbauorganisation“. Das hat gut geklappt, auch in der engen Kooperation mit dem Ordnungsamt.

Die Stadt hat jeden zweiten Haushalt in Limburg nach dem Sicherheitsgefühl in der Stadt befragt; eine Auswertung liegt noch nicht vor. Auf Wunsch der CDU sind trotzdem vorsorglich 125 000 Euro in den Haushalt eingestellt worden für die Umsetzung „zu erwartender Empfehlungen“. Mit welchen Empfehlungen rechnen Sie?

DIETZ: Wo Bürger sich unsicher fühlen, muss die Stadt reagieren mit einer höheren Präsenz des Ordnungsamts. Deshalb werden dort neue Stellen geschaffen. Wir brauchen womöglich auch mehr Videoüberwachung. Die Bundespolizei, die für die Bahnhöfe zuständig ist, muss mit im Boot sitzen. Die Polizei wird mehr Präsenz zeigen können, weil bis 2021 fast mehr als 1500 neue Polizisten in Hessen eingestellt werden.

Themenwechsel: Ihre Fraktion hat Pläne für einen parkfreien Neumarkt vorgestellt. Wenn der Bürgerentscheid im März erfolgreich ist, plant die CDU einen Neumarkt mit Parkplätzen?

DIETZ: Wir warten das Ergebnis ab. Wenn die Mehrheit die Parkplätze behalten möchte, ist das so. Wir wollen dort niemandem etwas wegnehmen. Im Gegenteil: Wir wollen den Platz neu gestalten und die Aufenthaltsqualität nachhaltig erhöhen. Wenn die Menschen nicht nur immer mehr ausschließlich im Internet einkaufen sollen, müssen wir sie in unsere Innenstadt locken. Dafür werden wir bis zum 18. März engagiert werben.

Wie soll es mit der Busempfangsstation weitergehen, wenn die Busse weiterhin am Katzenturm parken sollen, der Turm aber für eine neue Empfangsstation nicht infrage kommt?

DIETZ: Die Kernstadt-CDU wollte niemand übervorteilen. Die Idee einer Busempfangsstation im Katzenturm hatte einen gewissen Charme. Dass die Marinekameradschaft als Mieter des Turms dies nicht will, akzeptieren wir natürlich. Jetzt müssen wir eine Alternative finden. Die Standortfrage ist geklärt: Die Busempfangsstation bleibt am Katzenturm, ein Umzug auf die Schleuseninsel ist endgültig vom Tisch. Der Vorschlag der FDP, am Katzenturm neu zu bauen, kommt für uns nicht infrage. Der von der FDP vorgeschlagene Bau wäre im jüngsten Hochwasser total abgesoffen. Das ist ohnehin zu groß und zu teuer; ein Café brauchen wir dort nicht. So wie es jetzt ist, ist es unbefriedigend. Das entspricht nicht den Ansprüchen von Limburg.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse