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Da ist Leben drin

Abends, anregend und anders – dafür stehen die drei „A“, die den Sonntagabend-Gottesdiensten in Flacht ihren Namen geben. Jetzt wurde die 30. Auflage gefeiert. Die Beliebtheit der AAA-Gottesdienste ist auch vier Jahre nach ihrer Premiere ungebrochen. Fast 200 Menschen holten sich zum kleinen Jubiläum des alternativen Gottesdienst-Angebotes unterhaltend und einprägsam Denkanstöße zum Thema „Ansichten“.
»Ansichtssache« war der 30. AAA-Gottesdienst in Flacht überschrieben. Worum es thematisch geht, wurde nicht nur optisch durch viele Brillen, die den Kirchenraum zierten, verdeutlicht. »Ansichtssache« war der 30. AAA-Gottesdienst in Flacht überschrieben. Worum es thematisch geht, wurde nicht nur optisch durch viele Brillen, die den Kirchenraum zierten, verdeutlicht.
Flacht. 

Große, kleine und bunte Brillen zieren das Flachter Gotteshaus. Für viel Musik sorgt ein Musik-Team im Altarraum, wo die Lied-Texte auf einer Projektionswand zu lesen sind. Wer darauf keine Sicht hat, nutzt eines der bunten Ringbücher. Bunt gehört zum Erfolgsrezept des abendlichen Gottesdienstes, in den die Pfarrer Esther Reininghaus-Cremers und Daniel Cremers fast sämtliche liturgischen Bestandteile integriert haben, nur etwas „anders“ eben, aufgepeppt mit modernen Liedsätzen. Ein Anspiel der Theatergruppe holt das Thema in den alten Kirchenmauern ins Heute. „Wie wirkt welcher Bewerber für den ausgeschriebenen Job auf dem Bewerbungsfoto? Ansichtssache!“, heißt es in einer der Szenen. Die Predigt von Daniel Cremers ist nicht minder einprägsam, in der er das Märchen von Hänsel und Gretel einfach mal andersrum erzählt, aus der Hexe die Gute und aus Gretel die Böse macht. Ein anregendes Gleichnis, das nicht nur zum Schmunzeln einlädt, sondern auch verständlich zum Perspektivwechsel animiert; dabei wird auch klar, wie die uralte biblische Geschichte von der Heilung eines Aussätzigen heute zu verstehen sein könnte. Trotz bunter Gestaltung werden auch dunkle Zeiten des Lebens nicht ausgespart.

Bei den Fürbitten hat die Gemeinde die Möglichkeit, am Altar kleine Steine als Symbol für Schweres, das man auf dem Herzen hat, abzulegen oder Lichter des Dankes anzuzünden; wer möchte, kann sich in dieser AAA-Auflage auch von den Pfarrern segnen lassen. Am Ende der gut 60 Minuten erschallt ein kräftig gesungenes Vaterunser in der Kirche.

Dass nicht nur die Uhrzeit am Abend für viele Familienmenschen ein Grund ist, die Alternative dem 10-Uhr-Klassiker vorzuziehen, zeigen einige Besucherstimmen. „Kein Gesangbuch, keine Orgel, und wir singen Lieder, die man auch beim Rasenmähen auf einmal vor sich hin summt“, nennt Erika Müller-Kuhmann einen Grund, warum es sie regelmäßig in die AAA-Gottesdienste zieht. Man verstehe auch die Texte, was man bei manchem Lied aus dem 18. Jahrhundert nicht behaupten könne. „Das ist einmalig, passt in die Zeit und kommt locker und leicht rüber“, schwärmt Helgard Schwarz. Traudel Reichherz kommt sogar regelmäßig aus dem gut sieben Kilometer entfernten Altendiez angefahren, um keinen der Sonntagabendgottesdienste zu verpassen.

Was das Flachter Ehepaar auch nach 30 AAA-Gottesdiensten freut: „Man sieht auch immer wieder neue Gesichter“, stellt Esther Reininghaus-Cremers fest. Dankbar sind die beiden Theologen für das engagierte 16-köpfige Team, das die Gottesdienste vorbereitet und gestaltet. „Es macht einfach riesigen Spaß“, entfährt es fast unisono Frank Becker und Kersten Thielmann; der eine spielt in der Band, der andere sitzt am Mischpult und verantwortet die moderne Technik. „Das ist ein schöner Verkündigungsstil, der viele Menschen anspricht“, konstatiert Frieder Keller vom Kirchenvorstand, der auch in der Musikgruppe mitspielt. Neue Impulse habe der Gottesdienstausschuss mit den Abendgottesdiensten, die in der Regel am letzten Sonntag im Monat stattfinden, setzen wollen. „Dass das so gut einschlägt, hätte kaum einer zu hoffen gewagt“, sagt Keller. „Es kommt nicht nur darauf an, dass, sondern auch wie die Menschen angesprochen werden“, erklärt Pfarrer Cremers. „Gottesdienst muss nichts Altbackenes sein.“

Nach jedem der Gottesdienste laden Stehtische mit Knabbereien und Getränken dazu ein, noch etwas ins Gespräch zu kommen; zur 30. Ausgabe ist es sogar Sekt, mit dem viele der Gäste anstoßen. Und dabei meint einer der Besucher: „In den Gottesdiensten geht es nicht nur um unser Leben, da ist auch Leben drin.“ Und trotz Umtrunk halten diesmal die AAA-Macher auch ihr zeitliches Versprechen ein: „Zum Tatort kann jeder wieder zu Hause sein.“

(nnp)
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